Die Revolution bleibt aus - Was das große "Siege"-Update wirklich verändert
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"Siege X" bringt kein radikales Update, sondern eine Weiterentwicklung. Neue Grafik, überarbeiteter Sound und ein frischer 6-vs-6-Modus setzen Akzente, doch ob das Spiel tatsächlich revolutioniert, bleibt fraglich.
Evolution statt Revolution - aus 5-gegen-5 wird 6-gegen-6
Ihr merkt es schon: Siege X ist im Kern tatsächlich "nur" ein umfangreiches Update - wenn auch ein längst überfälliges. Gleichzeitig könnte man es aber auch als einen kleinen Neustart betrachten. Schließlich bringt der neue Dual-Front-Modus frischen Wind ins Spiel und soll sowohl Neulinge als auch Veteranen ansprechen.
Statt klassischer 5-gegen-5-Duelle treten hier 12 Spieler in zwei Teams gegeneinander an. Dazu gibt es ein Respawn-System, die Möglichkeit, Operator jederzeit zu wechseln, und beide Teams agieren gleichzeitig als Angreifer und Verteidiger.
Möglich macht das eine große, segmentierte Map, auf der jedes Team zwei eigene Bereiche besitzt und gleichzeitig die des Gegners erobern muss. Dadurch spielt sich Dual-Front deutlich dynamischer und arcadiger als der klassische Competitive-Modus.
Ob sich der Modus langfristig etablieren kann, steht meiner Meinung nach noch in den Sternen. Für Neulinge könnte er schnell überfordernd sein, denn trotz des geringeren Wettbewerb-Aspekts muss man die Operator und Spielmechaniken gut genug kennen. Auf der anderen Seite entfällt die Notwendigkeit, alle Maps und ihre wichtigsten Spots auswendig zu lernen.
Quelle: Ubisoft
Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum erfahrene Competitive-Spieler in den Modus wechseln sollten. Schließlich bricht er mit einigen Kernmechaniken: Nach einem Headshot ist man nicht sofort ausgeschaltet, sondern kann von Teamkameraden wiederbelebt werden.
Das Respawn-System und die Möglichkeit, Operator jederzeit zu wechseln, sorgen zwar für mehr Dynamik, machen das Spiel aber auch unvorhersehbarer und schwerer planbar. Zudem bleibt offen, wie sich die Meta entwickelt - warum sollte man in diesem Modus überhaupt Verteidiger spielen? Es ist denkbar, dass die Lobbys schnell mit Angreifern überflutet werden.
Meiner Meinung nach könnte sich der Modus höchstens für Spieler eignen, die nebenbei mit Freunden quatschen möchten. Die Wege zu den einzelnen Spots fühlen sich stellenweise ziemlich lang an. Dazu kommt, dass man entweder direkt im Gefecht steckt oder - bedingt durch die Kartengröße - eine ganze Weile niemanden trifft. Man ist also nicht gezwungen, die ganze Dauer des Spiels hochkonzentriert zu sein.
Allerdings könnte das auch daran liegen, dass wir in unserer Anspielsession weder den Modus noch die Map gut genug kannten. Mit mehr Erfahrung könnte sich das Spielgefühl möglicherweise noch verändern.
Die Sache mit der Kommunikation
Abschließend sei noch erwähnt, dass Siege X ein Kommunikationsrad bekommt. Für PC-Spieler dürfte das kaum eine Rolle spielen, da sie bereits über einen Text-Chat verfügen. Konsolen-Spieler hingegen könnten stark davon profitieren.
"Du hattest bisher nur diesen normalen Ping, das kann natürlich alles heißen. Viele denken, das wird wohl ein Gegner sein. Aber ich glaube, dass man einmal kurz sagen kann, verstärk doch bitte die Wand oder hier habe ich gedrohnt, konnte man bisher nicht durch einen Ping sagen. Manche werden trollen, klar, aber ich glaube im Schnitt ist es schon etwas Gutes." erklärt C0rnyyy.
Wie gut das System in der Praxis tatsächlich funktioniert, bleibt abzuwarten. Gut möglich, dass es ein absurder Mix wie in Rocket League, ein sinnvolles Tool wie in Call of Duty oder aber einfach ignoriert wird.
Am Ende ist das vielleicht auch bezeichnend für Siege X. Die Community hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt - seien es Cosplayer, eSports-Events oder Creator. Gleichzeitig hat Ubisoft die Patch-Frequenz stark reduziert, was die Dynamik in der Entwicklung verringert hat. Das kann man positiv oder negativ sehen.
Quelle: Ubisoft
Siege X bleibt dennoch nahezu konkurrenzlos. Natürlich gibt es andere Competitive-Shooter, doch weder Counter-Strike als Urgestein noch Valorant als taktischer Hero-Shooter oder Call of Duty bieten ein vergleichbares Gameplay.
Vielleicht befindet sich Ubisoft selbst noch in einer Art Findungsphase. Technische Grundlagen sind mit Siege X nun definitiv geschaffen. Trotzdem bleiben die Einstiegshürden für Neulinge hoch, während sich im professionellen Sektor ganz andere Fragen stellen - etwa die Zukunft des R6-eSports in Europa.
Ubisoft hat mit Siege X eine neue Großbaustelle eröffnet, die schon ein paar wenige Projekte zur Begehung freigegeben hat. Wer auf dem Bau großgeworden ist, wird sich kurz orientieren müssen, aber flott zurechtfinden. Derweil werden Neuankömmlinge womöglich erst einmal vom Stahlträger erwischt, bevor sie sich in Ruhe umschauen konnten.
