Deutschland ist ein Entwicklungsland - zumindest, wenn es um eSports geht: Von diesem Event können wir was lernen!

Kolumne Tobias Meyer
Deutschland ist ein Entwicklungsland - zumindest, wenn es um eSports geht: Von diesem Event können wir was lernen!
Quelle: Ubisoft

Entertainment, Gaming und Community - eSports ist mehr als nur digitaler Sport, und Deutschland gerät ins Hintertreffen.

Für meinen Heimatclub brenne ich, wenn es mal wieder ins Stadion geht. Olympia? Da schaue ich eine Disziplin nach der anderen, von der ich keinerlei Ahnung habe. Und Football ist einmal im Jahr mit dem Superbowl Pflichtprogramm. Ja, ich stehe auf große Events.

Geht's euch genauso? Dann herzlichen Glückwunsch: Ihr seid eSports-Fans ... auch wenn ihr das selbst vielleicht noch gar nicht wisst. Aber keine Sorge, ich erklär euch das mal und nehme euch mit zu einem der spannendsten eSports-Events, die ich bisher erlebt habe.

Wenn Videospiele auf Sport treffen, entsteht eSports. Logisch, oder? Na ja, so einfach ist das gar nicht. Nur weil wir eine Sportart digital auf PC oder Konsole bringen, ist das noch lange kein eSports. Viel eher ist das hier ein Parallelkonzept.

Orchester Spielt Quelle: PC Games Wenn es nach mir geht, zeichnen zwei Merkmale den eSports aus: Wettkampf und Unterhaltung in Disziplinen, die es nur digital geben kann. Die Einstiegshürden? Gering! Jeder mit einem halbwegs funktionierenden Rechner kann mitmachen. Egal, aus welchem Land, welches Geschlecht, ob alt oder jung, Echsenmensch oder Alien. Damit bildet der eSports unfassbar starke Communitys in den einzelnen Spielen.

Im Grunde ist für jeden etwas dabei: Fußballer spielen EA Sports FC oder Rocket League, Rennfahrer sitzen an Forza, WRC oder hyperrealistischen Rennsimulationen - und ich stehe auf taktische Ballerei. Im echten Leben bin ich das absolute Gegenteil eines Waffennarren. Ich hatte ein einziges Mal im USA-Urlaub ein Schießeisen in der Hand und bekam vom bloßen Halten einen Muskelkater und Gewissensbisse.

Das ist aber das Schöne an den vielen verschiedenen Shooter-Varianten: Man tut niemandem weh, hat (meistens) Spaß dabei und bekommt Adrenalinschübe sondergleichen. Ganz egal, ob in CS2, Valorant, Call of Duty oder Rainbow 6 Siege.

Hier und da überkreuzen sich die Communitys und werfen einen Blick über den Tellerrand. Ein Fußballer spielt schließlich auch nicht nur auf dem Rasen, sondern geht im Winter mal in die Halle. So ging es mir auch: Als alter Valorant-Silver-Stuck bin ich zum Invitational nach Boston geflogen, um mir die besten R6-Teams im großen Finale anzuschauen.

Was macht also ein Valorant-Spieler bei einem R6-Turnier? In erster Linie: verwirrt sein. Es ist ein wenig wie Gaelic Football oder einen Film auf Flämisch zu schauen: Man glaubt, es zu verstehen, scheitert aber an den Feinheiten. Das ist aber gar nicht schlimm. Ich bin ein Eventi - und ich bin stolz darauf.

Das R6-Regelwerk werde ich an dieser Stelle nicht ausführlich erklären. Zwei Teams aus Angreifern und Verteidigern mit jeweils fünf Spielern treffen aufeinander. Die Angreifer platzieren eine Bombe oder Sicherung, die Verteidiger müssen das verhindern.

Bildergalerie

Der Clou: Viele Wände, Böden und Barrikaden lassen sich zerstören. In Kombination mit Drohnen, verschiedenen Waffen und Co. öffnet sich hier eine ganz besondere, taktische Ebene. Auf den ersten Blick mag das überfordernd wirken, aber eine Runde dauert gut und gerne 30 Minuten - genug Zeit, sich in Ruhe zurechtzufinden.

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