25 Jahre Quantic Dream: Streitbare digitale Geschichtenerzähler - Seite 3

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
25 Jahre Quantic Dream: Streitbare digitale Geschichtenerzähler - Seite 3
Quelle: Sony

Von The Nomad Soul bis Star Wars: Eclipse: Quantic Dream um Kreativkopf David Cage hinterließ seine Fußstapfen in der Gaming-Historie. Wir blicken zurück!

Bereits während der Fertigstellung von Beyond: Two Souls arbeitete Quantic Dream am nächsten Projekt. Detroit: Become Human basierte auf der angesprochenen Kara-Demo, besaß ein Budget von 30 Millionen US-Dollar und kam mit einem zwei- bis dreitausendseitigen Skript daher. Das Ungewöhnlichste am Spiel: Es gab kein klassisches "Game Over"; die Geschichte ging auch beim virtuellen Ableben des eigenen Charakters weiter. Das futuristische Setting funktionierte dank des hohen Produktionsaufwands ausgezeichnet. Das Motiv des spielbaren künstlichen Menschen und das Erleben der Welt erschufen eine dichte Atmosphäre und denkwürdige Augenblicke.

Schlechte Arbeitsbedingungen bei Quantic Dream?

Mitten in der Schlussphase der Entwicklung von Detroit: Become Human schlug die gemeinsame Berichterstattung der französischen Medien Le Monde, Mediapart und Canard PC ein. In verschiedenen Artikeln kritisierten sie die Arbeitsbedingungen bei Quantic Dream. Fünf ehemalige Quantic-Dream-Mitarbeitende erhoben laut Le Monde schwere Anschuldigungen und beklagten sich unter anderem über digital bearbeitete Bilder mit homophoben und sexistischen Hintergründen, aber auch über mit Nazi-Symbolen bearbeitete Fotomontagen.

In Fahrenheit zeigte sich bereits 2005 David Cages Handschrift. In puncto Storytelling, Entscheidungsmöglichkeiten und Inszenierung war der Mystery-Thriller Wegbereiter für kommende Quantic-Dream-Projekte. Quelle: Quantic Dream In Fahrenheit zeigte sich bereits 2005 David Cages Handschrift. In puncto Storytelling, Entscheidungsmöglichkeiten und Inszenierung war der Mystery-Thriller Wegbereiter für kommende Quantic-Dream-Projekte. Diese Aufnahmen sollen in internen E-Mails kursiert sein. Auf den internen Servern lagerten demnach 600 dieser Bilder und diese reichten teils zurück bis ins Jahr 2013. Die zitierten Quantic-Dream-Angestellten bestätigten, dass diese Fotos nur ein Teil des toxischen Arbeitsumfeldes gewesen seien.

Demnach seien lange Arbeitswochen, sexuell konnotiertes Fehlverhalten und Rassismus üblich gewesen. Weiterhin wurde Guillaume De Fondaumière, Co-Geschäftsführer von Quantic Dream, seitens Mediaport beschuldigt, Kündigungen von Mitarbeiter gefaket und deren Abfindungen in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Angst, Mitleid, Wut: Heavy Rain spielte mit euren Emotionen und band diese geschickt in den Zusammenhang ein. Moralische Entscheidungen bringen euch immer wieder in die Zwickmühle. Quelle: Quantic Dream Angst, Mitleid, Wut: Heavy Rain spielte mit euren Emotionen und band diese geschickt in den Zusammenhang ein. Moralische Entscheidungen bringen euch immer wieder in die Zwickmühle. Auch David Cage geriet in die Schusslinie. So wurde er beispielsweise für seine anmaßenden und teils sexistischen Bemerkungen Mitarbeiterinnen und Schauspielerinnen gegenüber kritisiert. Aufgrund seines Selbstbildes würde er in der Belegschaft unter anderem "Sonnenkönig" oder gar "Gott" genannt.

Für ihn seien die Büroräume von Quantic Dream wie sein persönliches Reich, erklärten ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In der Vergangenheit wurde Cage immer wieder für die Darstellung von Frauen in Spielen wie Heavy Rain kritisiert. Seine Skripte würdenmisogyne, aber auch homophobe und rassistische Tendenzen enthalten und weibliche Figuren in erster Linie als Werkzeuge verwenden.

Bei Fahrenheit kam bereits die MoCap-Technologie von Vicon zum Einsatz. Bei Heavy Rain waren die Möglichkeiten noch moderner und sorgten gerade bei der Darstellung der Gesichter für noch mehr Realitätsanspruch. Quelle: Quantic Dream Bei Fahrenheit kam bereits die MoCap-Technologie von Vicon zum Einsatz. Bei Heavy Rain waren die Möglichkeiten noch moderner und sorgten gerade bei der Darstellung der Gesichter für noch mehr Realitätsanspruch. Die Unternehmensleitung - also David Cage und Guillaume De Fondaumière - wies diese Anschuldigungen als "lächerlich, absurd und grotesk" und zudem als "absolut falsch" zurück. Es folgte eine ganze Reihe von Klagen und Gerichtsverhandlungen, die sich über die folgenden Jahre erstreckte.

In Bezug auf die verbreiteten, manipulierten Fotos verlor Quantic Dream vor Gericht gegen eine ehemalige Mitarbeiterin. Die Folge: Das Unternehmen musste rund 5000 Euro Schadensersatz sowie 2000 Euro Prozesskosten zahlen. Es sei seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen, für ein sicheres Arbeitsumfeld zu sorgen.

Quantic Dream klagte gegen die "Schmierenkampagne" der Le Monde und von Media Port. Die Klage gegen die Mediapart-Berichterstattung in Bezug auf Guillaume De Fondaumières Geschäftspraktiken wurde im September 2021 abgelehnt. Die Website konnte glaubwürdig die Informationen und Hintergründe belegen. Das gelang Le Monde hingegen nicht, ohne die Identität ihrer Informanten aufzudecken. Daher war die Verleumdungsklage seitens Quantic Dream erfolgreich.

Der Imageschaden - sowohl für die Führungsspitze als auch für das Unternehmen selbst - war dennoch beachtlich. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums veröffentlichte Quantic Dream eine offizielle Mitteilung, in der man neue Arbeitsstrukturen und interne Prozesse darlegte.

Beispielsweise arbeite man mit LGBTQIA+-Organisationen zwecks Beratung über die Darstellung bestimmter Charaktere in künftigen Spielen zusammen. Außerdem werde man auch in Zukunft auf Diversität bei Neueinstellungen und der Vergabe von leitenden Positionen achten.

Schluss mit der Playstation-Exklusivität

Zurück zu Detroit: Become Human: Dessen Veröffentlichung in Kooperation mit Sony war für Quantic Dream ein voller Erfolg. Das Science-Fiction-Abenteuer verkaufte sich bis Oktober 2019 über 3,2 Millionen Mal und ist damit der Bestseller im bisherigen Portfolio der Franzosen. Folgerichtig wuchs Quantic Dream: Die Belegschaft bestand inzwischen aus 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - also fast dreimal so viel wie noch 2016.

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