Nach dem Dishonored-Schleich-Duo zieht es Arkane in den Weltraum: Wird das Sci-Fi-Abenteuer Prey ein modernes System Shock?
Poltergeist und Rollenspiel
Wir begeben uns zunächst in den Freizeitbereich, in dem sich die Rollenspielgruppe trifft und in dem ein Poltergeist sein Unwesen treibt. Diese unsichtbare Typhon-Gattung kann Gegenstände und sogar Personen aufheben und durch die Gegend werfen. Doch mit der Psi-Kraft Fernmanipulation schleudern wir Geschosse einfach auf den Übeltäter zurück. Langfristig bringt das wenig, und so verwandeln wir uns per Mimikry in ein Glas und rollen durch den Freizeitbereich - immer in der Hoffnung, dass der Poltergeist einen Moment sichtbar wird.
Er tut uns den Gefallen und wir probieren, ihn mit der GLOO-Kanone einzuseifen. Das gelingt uns im zweiten Anlauf und wir werfen beherzt eine Recycler-Ladung in seine Richtung, die ihn in seine Bestandteile zerlegt. Dieser mobile Recyler ist eine grandiose Erfindung: Er schnappt sich alles in seiner Nähe, was nicht niet- und nagelfest ist, und wandelt es in verwertbare Rohstoffe um - auch uns selbst, wenn wir nicht aufpassen.
Nach dem Poltergeist müssen wir noch einen Mimic-Gestaltwandler erledigen - diesmal mit Waffengewalt. Im Fabrikator hergestellte Schießprügel halten allerdings nicht so lange durch wie solche, die wir auf der Talos I finden. Und je mehr Schüsse wir abgeben, desto höher die Chance, dass die Knarre genau im falschen Moment Ladehemmung hat. "Ihr könntet sie natürlich reparieren oder auch im Recycler zerlegen und eine neue bauen", sagt Raphael Colantonio. Schließlich haben wir den Tisch entdeckt, an dem sich die Rollenspielgruppe trifft, erfassen eine weitere Sprachaufnahme von Danielle Sho und machen uns auf zur Gelben Tulpe.
Quelle: Bethesda
Schaumparty:
Die GLOO-Kanone ist die wohl ungewöhnlichste Waffe des Spiels. Sie verschießt augenblicklich erstarrenden Schaum, der Gegner einhüllt. (PS4)
Quelle: Bethesda
Herausforderung:
Ein Typhon-Phantom, das schwer dingfest zu machen ist, oft aber über sehr nützliche Psi-Kräfte verfügt - unangenehmer Typ. (PS4)
Musikalischer Alien
Die Lounge ist menschenleer, doch seltsamerweise hören wir allerlei Klänge von der Bühne. Irgendwer spielt doch mit dem Schlagzeug herum? Wir linsen erst einmal in den Kontrollraum, doch dort finden wir nur einen weiteren Mimic - und ein Aufzeichnungsgerät, dessen Stromzufuhr unterbrochen wurde. Die aktivieren wir in einem Versorgungtunnel um die Ecke, erledigen noch einen Mimic und spielen weitere Sätze von Danielle ab, die offenbar mit ein paar Kollegen in der Gelben Tulpe aufgetreten ist.
Außer dem Schlagzeug hören wir jetzt noch Bass- und Keyboardklänge, natürlich gehen wir der Sache nach. Der Musikfreund ist ein Äther-Phantom, eine neue Typhon-Spezies, mit einer unangenehmen Eigenschaft: Das Phantom teilt sich in zwei Phantome auf, die uns gemeinsam das Leben schwer machen.
Wir müssen uns auf der Talos I jedoch nicht nur mit Aliens herumschlagen. Auch die Station selbst hat es in sich: Elektromagnetische Impulse setzen die Funktionen unseres Raumanzugs kurzfristig außer Kraft, zu viel Radioaktivität verursacht Strahlenkrankheit und im Kampf Mensch gegen Roboter können wir Verbrennungen davontragen. Rutschen wir bei einer Kletterpartie aus und stürzen ab, können wir uns möglicherweise sogar das Bein brechen. Morgan Yu kann dann nicht mehr sprinten und hinkt beim Laufen. All diese Blessuren sind zum Glück heilbar: Durch Medizinroboter oder mit speziellen Medkits, die wir entweder finden oder mit entsprechenden Fähigkeiten selbst herstellen können.
Quelle: Bethesda
Weltraum-Garten:
Vom Arboretum auf der obersten Ebene gelangen wir in zahlreiche andere Bereiche der Talos I. (PS4)
Die denkenden Wälder
Zum Abschluss unseres spannenden Besuchs auf der Talos I geht es endlich auf eine Kurzvisite ins Arboretum auf der höchsten Ebene der Raumstation. Hier wachsen unter einer Glaskuppel mächtige Bäume, die für die Luftaufbereitung lebenswichtig sind. Ein wenig erinnert das Szenario an den Science-Fiction-Klassiker Lautlos im Weltraum - mit dem Unterschied, dass uns hier Außerirdische im Nacken sitzen.
Vom Arboretum gelangen wir in zahlreiche weitere Bereiche der Talos I, darunter die Datenzentrale, die Besatzungsunterkünfte sowie das Büro des Stationsleiters. Zu diesem führt ein eigener Aufzug, doch der ist natürlich deaktiviert. Wie sollen wir da nur hinaufkommen? Wir könnten freilich versuchen, den Fahrstuhl zu reaktivieren. Oder uns mit der multifunktionalen GLOO-Kanone Treppenstufen bauen. Oder mit der Psi-Kraft Antigrav-Feld, die wir gerade dem Poltergeist stibitzt haben, nach oben schweben? Oder vielleicht ...
Quelle: Bethesda
Innovativ:
Das erste Prey war ein reinrassiger Shooter mit pfiffigen Ideen wie dem Laufen auf Wänden und Decken. (PC)
Was bisher geschah
Die Entwicklung des ersten Prey gehört zu den längsten Unterfangen der Spielebranche. Auch der Reboot ließ elf Jahre auf sich warten. Wie kam es dazu?
Prey wurde vom Entwicklungsstudio 3D Realms schon im Jahre 1995 erstmals angekündigt. Doch bevor es zehn Jahre später erschien, ging es durch die Hände zahlreicher Designer und Programmierer, die dafür ursprünglich eine eigene Grafik-Engine entwickeln sollten. Nach zahlreichen Fehlschlägen beschloss 3D Realms im Jahre 2001, id Softwares id-Tech-4-Engine zu lizenzieren und die Human Head Studios mit dem Projekt zu beauftragen. 2006 erschienen endlich die Abenteuer des Cherokee-Indianers Tommy, der mit seiner Freundin und seinem Opa auf eine außerirdische Raumstation entführt wurde. Der Ego-Shooter heimste durch die Bank hervorragende Bewertungen ein, sodass schon kurze Zeit später die Arbeiten an Prey 2 begannen.
2009 erwarb Bethesda Softworks die Rechte an Prey. Fünf Jahre später vermeldete der Hersteller, dass das bereits auf der E3 gezeigte Spiel eingestellt worden sei. Die Bethesda-Tochter Arkane Studios arbeitete derweil an Dishonored und splittete sich nach dessen Fertigstellung in zwei Teams auf: In Lyon begannen die Arbeiten an Dishonored 2, während das Studio in Texas an einem auf einer Raumstation spielenden Science-Fiction-Titel arbeitete. Das bekam auf den Vorschlag Bethesdas hin den Namen Prey. Der Reboot des Spiels, das mit dem ersten Teil inhaltlich nichts mehr zu tun hat, wurde dann auf der E3 2016 angekündigt.
Entwickler: Arkane Studios | Hersteller: Bethesda Softworks
