Pokémon Nuzlocke: Reportage zur Community-Challenge
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Die Spiele rund um die weltberühmten Taschenmonster bieten kaum echte Herausforderung. 2010 erfand daher ein gelangweilter Student die sogenannte Nuzlocke-Challenge - und revolutionierte damit ein wenig die Pokémon-Welt. In dieser ausführlichen Reportage erfahrt ihr die Hintergründe der Challenge, wie Nuzlocke entstanden ist, welche Abwandlungen es heutzutage gibt und vieles mehr!
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Abwechslung braucht das Leben
Die erfolgreichsten Formate auf Youtube sind Nuzlocke-Varianten, bei denen die Zuschauer mitmischen können oder die zwei oder sogar mehr Teilnehmer erfordern. Beispielsweise binden viele Poké-Tuber Fans intensiver in das Spielgeschehen ein, indem sie gefangene Taschenmonster nach ihnen benennen. Als Beobachter fiebert man schließlich noch stärker mit, wenn quasi das eigene Leben in Gefahr ist.
Bei einem Soullink geht es um maximale Zusammenarbeit. Wie der Name schon sagt, sind hier zwei Seelen beziehungsweise Spieler miteinander verbunden. Neben den normalen Regeln gilt es hier, ein paar weitere Dinge zu beachten. Im Team beider Trainer darf jeder Typ nur einmal vorkommen. Wenn Spieler 1 also ein Elektro-Pokémon besitzt, darf Spieler 2 keines haben. Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, werden die Biester immer in Paaren gefangen. Die jeweiligen Taschenmonster aus demselben Gebiet sind miteinander verbunden. Ist eines im Team, muss es das andere auch sein. Stirbt eines davon, gilt das andere ebenso als tot. Die beiden Spieler müssen ihre jeweiligen Abenteuer also quasi mit einem gemeinsamen Team aus sechs Paaren bestreiten, bei denen sich zusätzlich kein Typ doppeln darf.
Sogenannte Rivallockes treiben den Nuzlocke in die genau entgegengesetzte Richtung auf die Spitze. Statt eines fröhlichen Miteinanders erwartet euch hier ein regelrechter Krieg. Die häufigste Variante funktioniert so: Die Spieler starten ihre Pokémon-Edition und beginnen das Rennen. Dialoge und Handlung sind hierbei zweitrangig. Wer zuerst den Champion besiegt, gewinnt den Wettkampf. Um es spannender zu machen, vereinbaren manche Kontrahenten beispielsweise einen Kampf nach jedem errungenen Arenaorden. Der Sieger bekommt einen Vorteil, etwa einen Zeitbonus oder sogar einen erzwungenen Tausch mit dem Verlierer.
Quelle: Nick Franco
Nick Franco ist der Macher hinter dem Comic Ruby: Hard Mode und der Erfinder der Nuzlocke-Herausforderung. Nach seiner Abenteuerreise durch Hoenn machte er auch Kanto und später Einall unsicher.
Eine weitere beliebte Version des Nuzlockes ist der Egglocke. Hierbei spielt nur eine Person, doch sind hunderte Zuschauer direkt mit eingebunden. Das funktioniert, indem der Spieler seine Fans vor dem eigentlichen Let's Play um Pokémon-Eier bittet. Diese lagert er dann im PC und das Abenteuer beginnt wie gewohnt. Statt nun aber die gefangenen Pokémon zu nutzen, tauscht er sie gegen ein zufällig ausgewähltes Ei aus. Was da schlüpft, weiß nur derjenige, der das Ei geschickt hat. Eine noch direktere Interaktion mit dem Publikum ist kaum möglich.
Was sagt Game Freak dazu?
Jetzt wisst ihr, was ein Nuzlocke ist, wer ihn erfunden hat und warum er so interessant ist. Doch was meinen eigentlich Hersteller Nintendo und Entwickler Game Freak dazu? Von keinem der beiden Unternehmen gibt es eine klare Stellungnahme zu diesem Thema. Game Freaks Junichi Masuda sagte jedoch in einem 2016 veröffentlichten Interview mit der englischen Zeitschrift GamesMaster Folgendes: "Man muss sorgfältig abwägen, was eine Änderung vertragen könnte und was gut ist, wie es ist. Es geht auch darum, Dinge nicht zu schwierig zu machen. Nach zwei oder drei Generationen neigen Spiele dazu, zu kompliziert zu werden. In den letzten Pokémon-Editionen wird immer die Fangmechanik erklärt, aber wir versuchen auch, uns in Kinder hineinzuversetzen, die zum ersten Mal ihre Reise als Pokémon-Trainer antreten, um besser zu verstehen, wie sich die Spiele für Neueinsteiger anfühlen." Die Entwickler wollen anscheinend vorrangig die jüngere Generation ansprechen und so einen stetigen Nachschub an Fans generieren. Keineswegs eine schlechte Geschäftstaktik, doch jedes Kind wird irgendwann älter. Ein optionaler höherer Schwierigkeitsgrad würde Spieler länger an das Franchise binden und vielleicht auch die Klassifizierung von Pokémon als Videospiel für Kinder auflösen. Man sollte meinen, dass der Wink mit dem Zaunpfahl nicht offensichtlicher sein könnte: Pokémon-Fans lieben Nuzlockes. Es frustriert sie vielleicht, dass sie sich die Regeln selbst auferlegen müssen, doch wünschen sie sich eine Herausforderung.
Statt den erfahrenen Veteranen entgegenzukommen, geht Nintendo in den letzten Jahren immer härter mit den oft beliebten, weil anspruchsvollen Fan-Games ins Gericht. Einige dieser Titel besitzen sogar eingebaute Nuzlocke-Modi, die Schummelei automatisch unterbinden. Nach Pokémon Uranium musste kürzlich auch Pokémon Essentials dran glauben - ein virtueller Werkzeugkasten, mit dem sich jeder sein ganz eigenes Abenteuer basteln konnte. Gleichzeitig scheinen die offiziellen Spiele immer leichter zu werden. Schon jetzt wird Kritik an den kommenden Pokémon-Editionen laut, weil die vielen Änderungen einen klassischen Nuzlocke faktisch unterbinden. Wo bleibt schließlich die Überraschung, welchem Taschenmonster ihr auf einer Route als Erstes begegnet, wenn die Kreaturen als 3D-Modelle in der Welt herumlaufen und nur von euch angesteuert werden müssen? Die Hoffnung all jener, die nach einem höheren Schwierigkeitsgrad lechzen, liegt auf dem für 2019 angekündigten, nächsten Switch-Teil. Es bleibt aber fraglich, ob der den hohen Erwartungen der langjährigen Fans gerecht werden kann.
