Pokémon Karmesin & Purpur im Test: Ein Schritt vor, zwei zurück
Test
Mit Pokémon Karmesin und Purpur wird die RPG-Serie auch in der Hauptreihe Open Word. Zum Hit reicht das aber leider angesichts vieler Probeme nicht - Test!
Manche Monster werden versuchen, euch anzugreifen, andere suchen lieber das Weite. Um sie zu fangen, reicht es im Gegensatz zu Legenden Arceus nicht, einen Ball auf sie zu werfen, da ihr sie wie gewohnt zunächst im Kampf schwächen müsst. Wollt ihr nur ein bisschen Erfahrungspunkte sammeln, könnt ihr das Pokémon an der Spitze eures Teams auch aus seiner Transportbox befreien und in automatische Kämpfe schicken, während ihr schon mal weiterlauft. Und wo wir gerade schon bei Neuerungen sind: Trefft ihr unterwegs auf fremde Trainer, fordern sie euch nicht mehr automatisch bei Blickkontakt heraus. Dieses Mal müsst ihr sie aktiv ansprechen, was zunächst etwas ungewohnt ist, allerdings passt es gut mit der offenen Struktur der Welt zusammen. So könnt ihr euch auch schon mal in Gebieten mit stärkeren Gegnern umsehen, ohne versehentlich in einen aussichtslosen Kampf verwickelt zu werden.
Schon seit einigen Generationen gibt es die VMs nicht mehr, die damals noch benötigt wurden, um in der Region Hindernisse aus dem Weg zu räumen und voranzukommen. TMs, mit denen ihr euren Pokémon neue Attacken beibringt, gibt es aber weiterhin.
Manche bekommt ihr wie gewohnt von anderen Trainern oder findet sie in der Spielwelt, die meisten lassen sich allerdings mithilfe von verschiedenen Materialien an den neuen Automaten herstellen, die ihr in jedem Pokémon-Center findet.
Grauenhafte Grafik und technische Stolpersteine
Wir haben uns längst mit der Tatsache abgefunden, dass die Nintendo Switch leistungsschwächer als die Konsolen der Konkurrenz ist, immerhin verfolgt sie mit der hybriden Gestaltung auch ein anderes Konzept. Auch, wenn deshalb klar ist, dass wir bezüglich Grafik und Performance nicht dieselben Maßstäbe wie bei der Playstation 5 oder Xbox Series X/S anwenden können, rechtfertigt das noch lange nicht die Qualität, die Game Freak seit einer Weile abliefert.
Schon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle wurden vor allem wegen der Chibi-Optik heiß diskutiert. Spätestens bei Legenden Arceus zeigte sich dann, dass die Pokémon Company gerne bereit ist, an dieser Stelle Zeit und Geld einzusparen. Die neuen Editionen haben nun bewiesen, dass es immer noch Luft nach unten gab.
Quelle: Nintendo
Pokémon Karmesin & Purpur im Test: Ein Schuss in den Technik-Ofen (4)
Wir würden es gerne schönreden, aber Karmesin und Purpur sehen wirklich mies aus. Die Texturen sind matschig, alles außerhalb des unmittelbaren Umfeldes muss nachladen und die Gebiete sehen vor allem auf die Distanz extrem lieblos aus. Teilweise haben im Vorbeifahren sogar kleinere Hügel geschwankt oder die Berge vor uns blitzten für eine Millisekunde weiß oder blau auf, wodurch wir uns schon gefragt haben, ob wir zu viele Pokébeeren genascht haben.
Durch den Day-one-Patch, der bereits für unsere Testversion verfügbar war, laufen Karmesin und Purpur zwar, sie kämpfen allerdings weiterhin mit Rucklern und Einbrüchen in der Bildrate. Egal, ob die Windmühle in der Ferne, die Passanten einige Meter weiter oder manchmal sogar der eigene Charakter, eine konstante Framerate bietet Paldea leider nicht. Einmal ist uns das Spiel sogar komplett abgestürzt.
Doch nicht nur die Qualität der Spielwelt, sondern auch ihre Leblosigkeit ist leider ein recht großes Problem. Ein besonderer Anreiz zum Erkunden wird nicht geschaffen, da es nur wenig in der Open World zu tun gibt. Da alles, was sich weiter weg befindet, nachgeladen werden muss, sind auch wilde Pokémon oder wartende Trainer erst spät zu sehen. Allzu viel Spaß macht es nicht, auf gut Glück in ein leeres Areal zu laufen und auf interessante Begegnungen zu hoffen.
Doch auch, wenn die Grafik bei Weitem nicht alles ist und wir bei überzeugendem Gameplay auch mal mit matschigen Texturen leben können, ist die schlechte Qualität langsam wirklich frustrierend. Bei Kirby und das vergessene Land leiden die weiter entfernten Gegner beispielsweise auch unter chronischer Verlangsamung, das mindert aber nicht den Spaß daran. Sobald allerdings die eigene Figur betroffen ist oder alles außerhalb von ein paar Metern Umkreis der Fantasie überlassen ist, wirkt sich das doch negativ auf das Spielerlebnis aus.
Gute Ideen, problematische Umsetzung
Während das Startgebiet noch sehr an den spanischen Stil erinnert, wird dieser nicht so konsequent wie in den vorherigen beiden Generationen durchgezogen. Es ist typisch für die Pokémon-Spiele, dass es in der Welt verschiedene Bereiche wie Wüsten- oder Eisgebiete gibt, trotzdem spiegelt sich das übergeordnete Thema sonst noch etwas mehr im gesamten Spiel wider. Auch der Soundtrack, der meistens sehr charakteristisch für die jeweiligen Editionen ist, macht dieses Mal einen eher nebensächlichen Eindruck.
Der Mangel an grafischer Qualität und die technischen Probleme sorgen für einen bitteren Nachgeschmack und wirken sich in diesem Ausmaß auch auf den Spielspaß aus. Trotzdem macht die Pokémon-Reihe mit Karmesin und Purpur einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung und sorgt für frischen Wind, den sich die Fans schon lange von der Pokémon Company wünschen.
Wer über die Schwierigkeiten hinwegsehen kann, wird trotzdem seinen Spaß an der neuen Generation haben. Der Kern sind schließlich weiterhin das Sammeln von Orden und die Vervollständigung des Pokédex, was auch in den neuen Editionen, gepaart mit der offenen Struktur, unterhaltsam ist. Vielleicht schafft die Pokémon Company es ja, die aktuellen Baustellen für die zehnte Generation in ein paar Jahren zu beheben.
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Pokémon Karmesin und Purpur erscheinen am 18. November 2022 exklusiv für die Nintendo Switch. Die beiden Editionen unterscheiden sich hinsichtlich des legendären Pokémon auf dem Cover, einzelner Charaktere sowie ein paar editionsspezifischen Monstern, spielerisch sind sie aber völlig identisch.
