PlayStation Now im Test: Was taugt Sonys Streaming Service nach dem Reboot?

Test David Benke
PlayStation Now im Test: Was taugt Sonys Streaming Service nach dem Reboot?
Quelle: Sony

Mit Google Stadia drängte sich unlängst ein neuer Big Player auf den Cloud-Gaming-Markt. Das kann Konkurrent Sony natürlich nicht wortlos auf sich sitzen lassen und bläst zum Gegenangriff. Welche Änderungen das Unternehmen an seinem Streaming-Service Playstation Now vorgenommen hat und ob sich ein Abo nun endlich lohnt, klären wir im Test.

Keine Installation, keine Updates, keine großen Hardware-Anforderungen - das ist das klangvolle Versprechen von Cloud-Gaming. Die Idee dahinter ist erschreckend simpel: Der Großteil der Rechenleistung, die für ein Spiel benötigt wird, wird einfach auf externe Server ausgelagert, das Bild dann via Internet auf den heimischen Bildschirm projiziert. Quasi wie bei Netflix, Amazon Prime und Co. - nur eben mit Videospielen statt Serien und Filmen. So sind Nutzer, zumindest im Idealfall, in der Lage, zu zocken, was, wann und wo sie wollen.

Einen erneuten Aufmerksamkeitsschub hat das Thema besonders durch den kürzlich erfolgten Release von Google Stadia erhalten. Tatsächlich gibt es Cloud Gaming aber schon etwas länger. Einer der ältesten Player im Business ist Sony, das mit seinem Online-Service PlayStation Now bereits im Januar 2014 an den Start ging. Seit 2017 dürfen auch Nutzer in Deutschland gegen eine monatliche Gebühr ausgesuchte PS2-, PS3- und PS4-Titel auf ihre heimischen PCs und Konsolen streamen.

So richtig durchgesetzt hat sich der Service aber nie, was vor allem am etwas holprigen Auftakt mit Lags und Grafikbugs, aber auch dem happigen Preis gelegen haben dürfte. Anfang 2019 lagen die Nutzerzahlen weltweit deshalb bei gerade einmal 700.000 Spielern, während im Vergleich geschätzte 9,5 Millionen beim Microsoft-Konkurrenzprodukt, dem Xbox Game Pass, zugriffen. Entsprechend haben die Verantwortlichen bei Sony nun etwas Handlungsbedarf gesehen und im November eine Überarbeitung des Programms bekanntgegeben. In deren Rahmen wurde nicht nur ordentlich an den Gebühren gedreht, sondern auch inhaltlich einiges verändert. Wir haben uns mal angeschaut, was sich bei Playstation Now getan hat und ob sich ein Abonnement nun lohnt.

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Einfaches Setup, schwierige Suche

Zunächst einmal aber ein paar Informationen zur Einrichtung: Im Vergleich zu Stadia, für das ihr nicht einmal zwingend einen Rechner braucht, benötigt ihr für die Nutzung von PS Now tatsächlich etwas mehr. Allem voran natürlich einen Playstation-Account sowie ein Abonnement des Streaming-Services. Dessen Kosten betragen neuerdings nur noch 9,99 Euro monatlich, statt der vorherigen 15. Das Jahresabo gibt's indes nicht mehr für 100, sondern lediglich 59,99 Euro. Um das dann auch nutzen zu können, ladet ihr euch einfach eine App auf euren PC herunter. Die ist keine 10 Megabyte groß und ganz einfach über die offizielle Website erhältlich. Dann gilt es eigentlich nur noch, eure Benutzerdaten einzugeben, ein Spiel auszusuchen und loszulegen.

Sich durch das gesamte Spieleaufgebot von PS Now zu navigieren kann schon mal etwas umständlich werden. Eine einfache Suchfunktion gibt es nämlich nicht. Quelle: Sony Sich durch das gesamte Spieleaufgebot von PS Now zu navigieren kann schon mal etwas umständlich werden. Eine einfache Suchfunktion gibt es nämlich nicht. Wobei die Spieleauswahl gar nicht mal so einfach ausfällt. Der Übersichtsbildschirm verdient seinen Namen nämlich nur bedingt. Während ihr auf der Konsole immerhin noch die Bibliothek nach bestimmten Namen durchsuchen könnt, hat die PC-Version keine entsprechende Funktion. Die verfügbaren Titel sind lediglich in ein paar grobe Kategorien unterteilt, die ihr durchscrollen könnt - beispielsweise die neusten Spiele, die heißesten Titel oder Vertreter verschiedener Genres. Ihr könnt die Veröffentlichungen auch nach Buchtstabe sortieren, doch selbst dann nimmt das Durchblättern des Katalogs einige Zeit in Anspruch.

PS Now bietet nämlich einen ziemlich beachtlichen Umfang. Über 700 Titel stehen euch zur Verfügung, das entspricht in etwa der dreifachen Menge des Xbox Game Pass. Dadurch wartet der Service mit einer interessanten Mischung aus neueren AAA-Games und zeitlosen Klassikern auf. Die variieren je nach Standort, aber auch Deutschland, Österreich und die Schweiz haben einige namhafte Titel im Angebot. Unter anderem dürft ihr euch auf PS3-Highlights wie Red Dead Redemption oder Bioshock Infinite, aber auch aktuellere Blockbuster wie God of War oder Uncharted 4 freuen.

Wo sind die Exklusivtitel?

Was dabei auffällt: Bei den tagesaktuellen Releases hat das PS-Now-Aufgebot noch ein wenig Nachholbedarf. Sony-Exklusivtitel wie Spider-Man, Detroit: Become Human oder Horizon: Zero Dawn sucht man etwa vergebens. Stattdessen sind Kuriositäten wie Hamsterball oder Zombie Tycoon 2 - Brainhov's Revenge vertreten. Das macht der Xbox Game Pass deutlich besser, dort sind etwa auch Neuerscheinungen aus diesem Jahr wie The Outer Worlds oder Gears 5 verfügbar - und das auch noch ohne zeitliche Begrenzung.
PS4-Exklusivtitel wie das Open-World-Adventure Horizon: Zero Dawn sind im PS-Now-Angebot leider nur rar gesät. Quelle: Sony/Guerrilla Games Das Open-World-Adventure Horizon: Zero Dawn sucht ihr im PS-Now-Angebot leider vergebens. Das Line-up von Playstation Now ist nämlich einem dauerhaften Wechsel unterworfen. "In jedem Monat wird die Reihe bekannter Spiele um neue Spiele erweitert, die für eine begrenzte Zeit verfügbar sind", erklärte Sony etwa in einer kürzlich erfolgten Mitteilung. Das bedeutet im konkreten Fall, dass ihr aktuell zwar Grand Theft Auto V spielen dürft, dafür aber nur bis zum 2. Januar 2020 Zeit habt. Wer die Credits vor Ablauf der Drei-Monats-Frist rollen sehen möchte, sollte sich also ranhalten.

Wechselhafte Performance

Bevor ihr loslegen könnt, muss erst einmal eure Spielsitzung erstellt bzw. eure letzte Spielsitzung geschlossen werden. Das kann schon mal eine knappe halbe Minute dauern. Quelle: PC Games Bevor ihr loslegen könnt, muss erst einmal eine neue Spielsitzung erstellt bzw. eure letzte Spielsitzung geschlossen werden. Das kann schon mal eine knappe halbe Minute dauern. Habt ihr auf der PS4 noch die Wahl, ob ihr ein Spiel streamen oder herunterladen wollt, steht euch letztere Option auf dem PC natürlich nicht zur Verfügung. Auf dem Heimcomputer lässt sich nur über die Cloud spielen. Entsprechend müsst ihr beim Start einer Sitzung erst einmal bis zu 30 Sekunden warten, bis euer Spiel vorbereitet wurde. Danach läuft das Gamingerlebnis aber weitestgehend problemlos - vorausgesetzt ihr verfügt über die nötige Hardware und Internetverbindung. Wir hatten im Rahmen unserer Testphase recht gegensätzliche Erfahrungswerte: Während PS Now unter optimalen Bedingungen in der Redaktion selbst grafisch anspruchsvolle Titel wie God of War ohne Ruckler oder merkbaren Input-Lag wiedergab, ergaben sich auf dem heimischen Arbeitslaptop ein paar mehr Schwierigkeiten. Trotz eines Systems über den Minimalanforderungen und einer Internetgeschwindigkeit über den empfohlenen fünf Megabit pro Sekunde wollten wir nicht einmal einen Pixeltitel wie Niddhog richtig zum Laufen bekommen. Selbst, wenn wir via Ethernetkabel statt WLAN verbunden (was wir zwingend weiterempfehlen würden!) oder alle anderen Programme im Hintergrund geschlossen waren.

PS Now auf PC: Systemanforderungen

Mindestanforderungen Empfohlene Anforderungen
Windows 7 (SP 1), 8.1 oder 10 Windows 7 (SP 1), 8.1 oder 10
Core i3 2.0 GHz 3,5 GHz Intel Core i3 oder 3,8 GHz AMD A10 oder schneller
300 MB verfügbarer Speicherplatz Mindestens 300 MB verfügbarer Speicherplatz
2 GB RAM mindestens 2 GB RAM
Soundkarte, USB-Anschluss Soundkarte, USB-Anschluss

Selbst auf unserem leistungsstarken Redaktionsrechner ließ die Bildqualität von PS Now jedoch zu wünschen übrig. Auf dem PC ist nämlich nur Streaming im 720p-Format mit 30 FPS möglich, was insbesondere beim Spielen auf größeren Gaming-Monitoren negativ auffällt. Das gezeigte Bild wirkt hier teils etwas ausgewaschen und detailarm, einige Texturen matschig unscharf. Gerade bei der Beleuchtung müssen ein paar Abstriche gemacht werden. Dass der Ton nur in Stereo zur Verfügung steht und Surround-Sound nicht unterstützt wird, lässt sich hingegen verkraften. Tonaussetzer oder das versetzte Abspielen der Sprachausgabe bei Zwischensequenzen sind da schon wesentlich ärgerlicher.
Blockbuster wie God of War sehen zwar auch in 720p immer noch recht ordentlich aus. Das Bild wirkt aber streckenweise etwas unschärfer und detailärmer als in der Konsolenversion. Quelle: PC Games Blockbuster wie God of War sehen zwar auch in 720p immer noch recht ordentlich aus. Das Bild wirkt aber streckenweise etwas unschärfer und detailärmer als in der Konsolenversion.

Fehlender und vorhandener Komfort

Schade ist auch, dass ihr aus dem Spiel gekickt werdet, wenn ihr zu lange inaktiv seid. Das soll helfen, um auf dem Server "Platz für die anderen Spieler zu machen". Zudem lassen sich PS-Now-Titel am Heimrechner nur mit einem Gamepad spielen. Immerhin muss das nicht zwingend ein DualShock-4-Controller von Sony sein, auch kompatible Eingabegeräte von Drittherstellern sind nutzbar. Allerdings wäre Maus-und-Tastatur-Unterstützung für PC-Spieler durchaus wünschenswert gewesen.

Ohne Controller geht in der PS-Now-App gar nichts. Einen Support für Maus und Tastatur gibt es leider nicht. Quelle: PC Games Ohne Controller geht in der PS-Now-App gar nichts. Einen Support für Maus und Tastatur gibt es leider nicht. Ansonsten gibt es aber nicht mehr viel zu meckern, bietet PS Now doch alle Komfortfunktionen, die man so auch von der Konsole kennt: Ihr könnt etwa die Online-Features aller verfügbaren Titel nutzen und so im Multiplayer gegen anderen Spieler antreten - ohne zusätzliche PS-Plus-Mitgliedschaft. Zudem unterstützt der Streaming-Service sämtliche DLCs, Mikrotransaktionen und verfügbaren PS VR-Modi. Auch Trophäensammler kommen voll auf ihre Kosten. Ingame-Auszeichnungen werden ganz normal beim Spielen freigeschaltet, mit eurem PSN-Konto synchronisiert und erscheinen auf eurem Profil beziehungsweise im Aktivitätenfeed. Für Spieler, die zusätzlich auch noch PS Plus abonniert haben, gibt es abschließend auch noch die Möglichkeit, Spielstände von der App in den Onlinespeicher zu kopieren. Echt praktisch, solltet ihr euch nach Ablauf eures Abos dazu entscheiden, eines der gestreamten Spiele zu kaufen, und nicht mit einem neuen Savegame anfangen wollen.

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