PS Plus Extra: Das ist keine Konkurrenz zum Xbox Game Pass!

Kolumne David Benke
Das Logo von PS Plus.
Quelle: Sony

Die Katze ist aus dem Sack: Nach wochenlangen Spekulationen hat Sony endlich das heiß erwartete Project Spartacus enthüllt. Statt Begeisterung herrscht unter Spielern allerdings eher Ernüchterung: Eine echte Konkurrenz zu Microsofts Game Pass ist das neue PS Plus nicht. Das muss der Online-Abo-Service aber auch gar nicht sein, wie Redakteur David Benke in seiner Kolumne erklärt.

Jetzt ist es also endlich da: Project Spartacus. Sonys große Antwort auf den Xbox Game Pass. Nachdem erste Gerüchte rund um den Abo-Service bereits seit Monaten durch das Internet geisterten, wurde das Ding vergangene Woche im Rahmen eines recht schnörkellosen Posts im Playstation Blog offiziell vorgestellt. Und fiel dabei wohl deutlich unspektakulärer aus als es viele erwartet hätten.

Denn statt dem großen Game-Pass-Killer hat Sony quasi nur eine Überarbeitung von Playstation Plus angekündigt.
Wobei selbst "Überarbeitung" schon recht wohlwollend ausgedrückt ist. Vielmehr handelt es sich um ein paar logistische Änderungen am bereits bestehenden System: PS Plus schluckt PS Now mitsamt seinem Download- und Streaming-Angebot. Künftig haben Abonnenten also auch Zugriff auf eine über 700 Titel umfassende Spielebibliothek. Wenn sie sich denn für das richtige Modell entschieden haben.

Das neue PS Plus

PS Plus gibt es ab Juni 2022 nämlich in drei Stufen: Die Basis-Mitgliedschaft "Essential" umfasst quasi deckungsgleich das bisherige Angebot aus Online-Gaming, monatlichen Gratis-Games, Cloud Saves und PSN-Store Rabatten. Mit "Extra" kommen 400 herunterladbare PS4- und PS5-Spiele dazu. Und Premium-Kunden dürfen sich dann nochmal über ein paar exklusive Demos sowie 350 weitere Klassiker der ersten drei Playstation-Generationen freuen. Die können dann sogar auf dem PC gestreamt werden. Hui!

Sollte God of War: Ragnarök noch dieses Jahr erscheinen, wird es zum Launch nicht im PS-Plus-Abo enthalten sein. Quelle: Sony Santa Monica Sollte God of War: Ragnarök noch dieses Jahr erscheinen, wird es zum Launch nicht im PS-Plus-Abo enthalten sein. Nach einem Vorstoß in Richtung "Netflix für Spiele", nach einer echten Kampfansage an Microsoft klingt das für mich aber nicht. Denn im aktuellen Zustand macht PS Plus Extra keinen allzu konkurrenzfähigen Eindruck. Dafür muss man sich nur mal das Spieleangebot der beiden Services anschauen. Sony will zum Launch zwar mit einigen Blockbustern wie Death Stranding, Marvel's Spider-Man oder Returnal locken. Auch von stetigen Aktualisierungen des Line-Ups ist die Rede. First-Party-Titel werden aber nicht direkt ab Release im Rahmen des Abos spielbar sein.

"Unsere Spiele könnten darunter leiden, wenn sie direkt im PS-Plus-Abo veröffentlicht werden", erklärte Sony-Chef Jim Ryan dazu in einem Interview mit Gamesindustry.biz. "Die Investitionen, die wir in unsere Studios tätigen müssten, wären nicht möglich, und wir glauben, dass die Auswirkungen auf die Qualität der Spiele, die wir entwickeln, nicht den Wünschen der Spieler entsprechen würden." God of War Ragnarök oder Horizon Forbidden West müssen also nach wie vor einzeln gekauft werden.

Vorteil für Microsoft

Das macht Microsoft deutlich besser. Hauseigene Entwicklungen wie Halo Infinite oder Forza Horizon 5 wandern hier direkt am Veröffentlichungstag in den Xbox Game Pass. Ganz zu schweigen von den großen Spielen namhafter Dritthersteller wie Total War Warhammer 3 oder Stalker 2. Und auch sonst bietet das US-Unternehmen einfach den breiteren Katalog: Die Ultimate-Variante des Game Pass umfasst beispielsweise auch noch Electronic Arts' Abo-Service EA Play inklusive Star Wars, Mass Effect und FIFA. Retro-Freunde können sich zudem über zahlreiche Klassiker der originalen Xbox- und Xbox-360-Konsolen freuen. Die laufen nativ auch auf moderner Hardware, müssen also nicht umständlich übers Internet gestreamt werden. Und sie wurden teilweise sogar noch mit FPS-Boosts und HDR-Unterstützung aufgehübscht.

Ach ja, hatten wir eigentlich schon über den Preis gesprochen? Der ist bei Microsoft eigentlich auch unschlagbar. Der Xbox Game Pass kostet in seiner teuersten Version 13 Euro im Monat, kann dann aber auch auf PCs, Konsolen und mobilen Endgeräten genutzt werden. Playstation Plus Premium hat keine dieser Vorteile, schlägt dafür aber mit 17 Euro für ein Monatsabo zu Buche. Die Zahlen sprechen also klar für sich. Sony ist hier einfach nicht auf Augenhöhe. Das ist auch die einschlägige Meinung unter Branchen-Analysten. Piers Harding-Rolls von Ampere Analysis ist etwa der festen Überzeugung, mit der neuen Struktur werde man nie dieselbe Zugkraft wie Microsofts Angebot erreichen.

Ein Wettkampf, der keiner ist

Bleibt halt nur die Frage: Ist das denn wirklich so schlimm? Und war ein Kampf auf Augenhöhe überhaupt jemals geplant? Vielleicht waren PS Plus Extra und PS Plus Premium ja nie als wirkliche Konkurrenz zum Xbox Game Pass gedacht. Vielleicht wurde hier immer nur ein Wettkampf stilisiert, den es so eigentlich gar nicht gab. Von Microsofts Phil Spencer, der möglichst öffentlichkeitswirksam den Konsolenkrieg anstachelte, indem er von einem "unvermeidlichen Schritt" für Sony sprach. Oder von aufmerksamkeitsgeilen Insidern und Leakern, für die "Sonys Netflix für Spiele" eben einfach reißerischer klang. Vielleicht wurden hier bei Fans weltweit Erwartungen geschürt, die gar nicht erfüllt werden konnten. Sony selbst hat jedenfalls nie irgendwelche Ambitionen in die Richtung verlauten lassen.

Sich durch das gesamte Spieleaufgebot von PS Now zu navigieren kann schon mal etwas umständlich werden. Eine einfache Suchfunktion gibt es nämlich nicht. Quelle: Sony So richtig durchsetzen konnte sich PS Now nie. Nur fünf Prozent aller PlayStation-Spieler besitzen ein Abo des Online-Service. Und seien wir doch mal ehrlich: Betrachtet man PS Plus mal nicht als einen Versuch, mit dem Xbox Game Pass mitzuhalten - was ja ohnehin nur schwer möglich gewesen wäre, das werden auch die Japaner selbst gewusst haben. Schaut man sich also mal rein objektiv nur die Überarbeitung für sich an, dann ist daran doch nichts auszusetzen. Sony entschlackt hier einmal seine Abo-Modelle und macht sie deutlich übersichtlicher, indem man aus zwei separaten Angeboten eines macht.

Und gleichzeitig wird der Playstation-Konzern dabei auch noch den ungeliebten Online-Service PS Now los, der sich doch ohnehin nie so richtig durchgesetzt oder rentiert hat. Aktuell nennen gerade einmal knapp fünf Prozent aller PlayStation-Nutzer ein Now-Abo ihr Eigen. In manchen Regionen ist der Dienst nicht mal verfügbar. Da ist es doch das Klügste, einfach einen Schlussstrich zu ziehen und Schadensbegrenzung zu betreiben, indem man aus seinen missglückte Bemühungen noch das Bestmögliche rausholt. Und das ist eben die Fusion von PS Plus und PS Now.

Evolution statt Revolution

Klar, die wird jetzt vielleicht nicht unfassbar viele Neukunden mit ins Boot holen. Das muss sie aber auch gar nicht. Mit fast 50 Millionen Abonnenten hat PS Plus doch schon einen sehr ordentlichen Kundenstamm. Und dem kann man mit Spiele-Streaming, exklusiven Demos und Abwärtskompatibilität eben ein paar Anreize bieten, vielleicht in Zukunft etwas mehr Geld auszugeben und zu einem teureren Tarif zu wechseln. So ließen sich dann eben die Einnahmen pro Nutzer erhöhen. Ich für meinen Teil liebäugle ehrlich gesagt schon damit, zumindest mal PS Plus Extra auszuprobieren, um mal einen Blick auf die angepriesenen 400 PS4- und PS5-Spiele zu werfen - vorausgesetzt natürlich, das Aufgebot passt. Und mit 100 Euro im Jahr würde ich damit sogar noch billiger wegkommen als aktuell. Eine Kombi-Abo aus PS Plus und PS Now schlägt nämlich mit Gesamtkosten von etwa 120 Euro für 12 Monate zu Buche.

Sony revolutioniert also nicht das eigene Ökosystem, was ja auch gar nicht nötig war. Es saniert es und macht es zukunftssicher. Oder wie Jim Ryan selbst es ausdrückt: "Es geht darum, das Angebot, das wir bereits haben, abzurunden". Das neue PlayStation Plus ist also nicht schlechter als der Xbox Game Pass, es ist etwas komplett Anderes. Und das ist doch auch nicht so verkehrt.

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