Pikmin 4 im Test: Nintendos grausamste Spielereihe übertrifft sich selbst

Test Katharina Pache
Pikmin 4 im Test: Nintendos grausamste Spielereihe übertrifft sich selbst
Quelle: Nintendo

Wie Pikmin 4 mit einigen Konventionen der Reihe bricht und sich trotzdem wie das ultimative Pikmin anfühlt, lest ihr in unserem großen Test!

Wer denkt, Pikmin 4 sei was für Kinder, der liegt auch abseits des Traumatisierungspotenzials durch Pikmin-Todesschreie falsch. Gerade gegen Ende des Spiels sind die Herausforderungen und Kämpfe hart, wer die Platin-Medaillen in den Dandori-Missionen ergattern möchte, muss hervorragendes Multitasking beherrschen. Jüngere Spieler dürften damit heillos überfordert sein. Es gibt keine einstellbaren Schwierigkeitsgrade, durchdacht ist aber das Speichersystem: Wenn mal alles schiefläuft, spult ihr einfach die Zeit zurück. Dafür müsst ihr nicht manuell speichern. Ihr reist auf Wunsch in Minutenschritten zurück oder direkt zum Anfang von Level, Höhle oder Ebene.

Viele Käfer, wenig Bugs

Ein Spiel besteht nicht nur aus Story und Gameplay. Technisch betrachtet läuft Pikmin 4 rund, die Steuerung ist gelungen - keine Selbstverständlichkeit in einem Echtzeitstrategiespiel auf der Konsole. Wir empfehlen, die Bewegungssteuerung sofort auszuschalten. Vereinzelt gibt es Schwierigkeiten mit der Kamera und dem Anwählen verschiedener Ziele wegen des Auto-Aim, wenn viel auf dem Bildschirm passiert, aber das ist kein Weltuntergang. Dank der veränderten Kameraperspektive fällt die Übersicht generell eher leichter als zuvor. Während unserer Spielzeit von geschätzt weit über 20 Stunden - genaue Infos stehen auf der Switch erst nach Release bereit - begegnete uns genau ein Bug, als ein besiegtes Krabbeltier in einer Wand feststeckte und wir es somit nicht zur Zwiebel bringen konnten.

Eher süß als schön

Dass die Switch grafisch keine Bäume ausreißt, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Dementsprechend liefert Pikmin 4 keine absolute Edeloptik ab. Das Abenteuer ist hübsch und niedlich, farbenfroh und charmant, aber es gibt schwache und nachladende Texturen, flimmernde Kanten und hereinploppende Objekte. Die Früchte wiederum sind zum Anbeißen- wie schaffen das die Japaner eigentlich, dass Essen in ihren Videospielen immer so lecker aussieht? Technisch wäre Pikmin 4 auf dem Gamecube zwar nicht machbar gewesen, aber optisch so weit weg von den Originalen ist Teil vier für das Auge eines Laien auch nicht. Der Gesamteindruck ist trotzdem durchweg positiv - hier steckt so viel Liebe drin. Und wenn die kleinen Pikmin, die sich im Fell von Otschin festhalten, auf einer längeren Wanderung zu singen beginnen, dann vergisst man schnell, dass Pikmin 4 auf einer stärkeren Plattform hübscher sein könnte.

Übrigens: Blabla!

Pikmin 4 ist nicht offiziell der Abschluss der Reihe. Das wäre auch wirklich schade, aber andererseits fühlt sich die Reihe nun komplett an. Wenn euch die drei Vorgänger gefallen haben, dann steht vollkommen außer Frage, dass ihr Teil vier spielen solltet. Ihr trefft Bekannte wieder, bekommt neue Herausforderungen, neue Pikmin-Arten, neue Missionen, bekommt tieferen Einblick in die Welt der Pikmin und Mini-Astronauten sowie eine Menge Spaß. Für die Neulinge wurde der Einstieg besonders rücksichtsvoll und sanft gestaltet, was wiederum die Veteranen langweilen könnte - wir konnten nicht erwarten, bis das Spiel endlich "richtig" losgeht.

Die Inszenierung ist allgemein etwas träge, mit netten, aber oft belanglosen und Dialogen zum Durchlesen. Besonders nervig ist's, wenn man voller Tatendrang in einen neuen Tag startet, nur, um von einem Anruf aufgehalten zu werden, in dem euer Rettungsteam-Kumpel erneut irgendwas erklärt, das er schon vor dem Losfliegen gesagt hat. Mit der Zeit nimmt das aber ab. Die Nebenmissionen, die ihr im Basis-Camp von geretteten Touristen erhaltet, sind Fleißarbeiten, die man ohnehin beim Spielen erledigt. Aber sie stören auch nicht.

Wertung zu Pikmin 4 (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Fazit

Pikmin 4 ist unvergleichlich – der zuckersüße Look, kombiniert mit dem außergewöhnlichen Spielprinzip rund um die Grausamkeit der Natur, ergibt ein Spiel, das ihr so nirgendwo anders findet. Wer mit der Serie bislang nichts zu tun hatte und mal was ganz anderes erleben möchte und dabei Wert legt auf einen hohen Qualitätsstandard, sollte den Ausflug auf den Planeten PNF-404 per Switch fest einplanen.

Dennoch ist Pikmin 4 die ultimative Inkarnation der Serie, auch wenn die Story eine ganz andere Stimmung vermittelt als der Erstling mit seinem einsamen Überlebenskampf. Das Switch-Abenteuer ist kreativ wie ein Indie-Game, kombiniert mit dem hohen Qualitätsstandard eines First-Party-Nintendo-Spiels - perfekt für alle, die keine Lust mehr auf Standard-AAA-Kost haben und sich nach Abwechslung sehnen. Pikmin 4 erscheint exklusiv für Nintendo Switch am 21. Juli 2023.

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