Pax Augusta im Test: Erobert in diesem Ein-Mann-Aufbauspiel das antike Rom!

Test Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Pax Augusta im Test: Erobert in diesem Ein-Mann-Aufbauspiel das antike Rom!
Quelle: Senatis / Roger Gassmann

Antike Aufbaustrategie als Ein-Mann-Projekt: Pax Augusta beeindruckt im Test mit viel Liebe zum Detail - auch wenn das Spiel noch seine Ecken und Kanten hat.

Eine weitere wichtige Komponente ist die Religion: Anfangs wünschen sich die Siedler eine Nekropole zur Bestattung ihrer Toten, später folgen größere Tempelanlagen und Schreine. Als letztes wichtiges Bedürfnis kommt später die Unterhaltung dazu: Wir erweitern die Tavernen zum Beispiel um Flötenspielerinnen oder auch andere Dienstleistungen.

Nach und nach stampfen wir Theater und sogar Arenen aus dem Boden. Denn nur der gut gelaunte Römer zahlt gerne mehr Steuern in die Staatskasse.

Im Test erwiesen sich die ersten Spielstunden immer wieder als entscheidend. Nahrung und Gold sind gleichermaßen knapp. Bauen wir unsere Stadt zu schnell aus, geraten wir damit schnell in finanzielle Schwierigkeiten. Denn der Otto-Normal-Römer zahlt nur wenig in die Steuerkasse.

Geht uns auf halber Strecke das Gold aus, verlieren wir zunächst an Ansehen und werden im schlimmsten Fall sogar abgesetzt. Fairerweise greift uns das Spiel aber auch immer wieder unter die Arme: Wenn alle Stricke reißen, pumpen wir Rom direkt an und erhalten so Nachschub.

Eine Art Kampfarena Quelle: Medienagentur plassma / Olaf Bleich

Bürger und Rohstoffe

Ähnlich wie in Anno gibt es auch in Pax Augusta fünf Bevölkerungsschichten mit unterschiedlichen Ansprüchen und Wünschen. Begnügen sich die anfänglichen Liberti noch mit Wasser, Nahrung und Grabstätten, so wünscht sich die dritte Bevölkerungsschicht der Cives bereits Thermen, Wirtshäuser und Theater. Im Gegensatz zu Anno sind diese Strukturen jedoch starr.

Wir heben also keine Liberti in den höchsten Rang der Senatoren an. Das ist angesichts des hohen Realitätsanspruchs des Spiels auch nur konsequent. Was uns bei Pax Augusta allerdings gefehlt hat, waren zusätzliche Funktionen im Finanzbereich: Gerne hätten wir die Steuerschraube zwischenzeitlich etwas härter angezogen, um die Finanzkasse aufzufrischen.

Stattdessen hantieren wir früh mit vier Rohstoffen: Holz, Ziegel, Marmor und Eisen. Holz roden wir an markierten Stellen in Wäldern, alle anderen Rohstoffe dagegen fördern wir in Minen zutage und verarbeiten sie im Anschluss weiter. Wer sich ein wenig in der Geschichte auskennt, weiß, dass die römische Wirtschaft massiv auf Sklaverei und Ausbeutung beruhte und Korruption ein großes Problem war.

Pax Augusta verschweigt das nicht. Wollen wir zum Beispiel mit Marmor handeln, brauchen wir neben einem Sklavenmarkt auch einen Lieferanten, der frisches Fleisch zum Dienst an der Spitzhacke schickt. Hier wird auch deutlich, warum Friedhöfe schon so früh eine Rolle spielen. Denn je mehr unsere Wirtschaftskraft wächst, desto mehr Opfer fordert sie.

Moralische Fragen stellt und beantwortet Pax Augusta nicht, zieht sich aber auch nicht halbherzig aus der Affäre. Je mehr die Metropole floriert, desto mehr Probleme tauchen auf. Wir bauen beispielsweise Latrinen, um Seuchen vorzubeugen, oder Feuerwachen, falls durch die Thermen oder auch Ziegeleien Brände ausbrechen. Mit der Zeit kommt es daher immer wieder zu Katastrophen, die wir managen und auffangen müssen.

Hof von oben Quelle: Medienagentur plassma / Olaf Bleich Ein schönes Detail am Rande: Auch wenn wir Lebensmittel richtig lagern, verdirbt immer etwas, sodass wir stets einen gewissen Puffer in Reserve haben sollten. Versorgungslücken schließen wir mit Handelspartnern.

Diese finden wir entweder im regionalen Bereich und können so Nahrung, Holz oder eine der anderen Ressourcen in kleineren Dörfern einkaufen. Handel auf Imperiumsebene erfordert eine Lizenz oder einen Hafen. Die Handelsoptionen sind anfangs etwas hakelig, funktionieren aber insgesamt sehr gut und nachvollziehbar.

Im späteren Spielverlauf bietet Pax Augusta eine Reihe von zusätzlichen Feintuning-Optionen: So weisen wir errichteten Tempeln Gottheiten zu und erhalten dadurch Vorteile. Außerdem bauen wir ein Ingenieurbüro und schicken unsere Lehrlinge in andere Regionen Latiums, um Upgrades zu erforschen.

Und mithilfe des Kalenders, der Auguren und ihrer Vorhersagen bestimmen wir Gladiatorenspiele oder Ehrungen für uns selbst. So steigern wir unser Ansehen, das wir brauchen, um für politische Ämter zu kandidieren.

Hier hakt es noch!

Doch nun zu den Schattenseiten von Pax Augusta: Erwartet bitte keine Hochglanzproduktion im Stile von Anno 1800. Denn man sieht dem Spiel an, dass es nur von einer Handvoll Leuten unter der Leitung des Hauptentwicklers Roger Gassmann auf die Beine gestellt wurde. Und das ist nicht einmal ausschließlich negativ gemeint. Das Spiel wirkt solide und hat einen rauen Charme mit Ecken und Kanten.

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