Paper Mario: The Origami King im Test, Seite 2 - Kampfsystem, Bosskämpfe, vermeidbare Fehler, Meinung und Wertung

Test Lukas Schmid
Paper Mario: The Origami King im Test, Seite 2 - Kampfsystem, Bosskämpfe, vermeidbare Fehler, Meinung und Wertung
Quelle: Nintendo

Die Ankündigung kam überraschend, der Zeitpunkt des Releases noch mehr: Nur wenige Monate nach der Enthüllung von Paper Mario: The Origami King erscheint es nun auch schon exklusiv für die Nintendo Switch. Nachdem die letzten beiden Serienteile sich stark von dem wegentwickelten, was die Reihe dereinst war, hofften viele nun auf eine Rückkehr zu alten RPG-Werten und Stärken. War diese Hoffnung berechtigt? Nein, auch The Origami King geht einen eigenen Weg. Ist es trotzdem ein gutes Spiel? Darauf ein klares "Jein" - und alle Details in unserem großen Test. Jetzt auch mit Video!

In Color Splash wurde dieses System fortgesetzt, aber noch durch ein weiteres Gimmick verschlimmert. Statt Stickern gab es nun Karten, deren Kraft hing zusätzlich davon ab, ob wir sie mit Farbe einfärbten oder nicht. Spielspaßtechnisch hatte das keinerlei Relevanz, es zog die Kämpfe aber unangenehm in die Länge. Immerhin hatten die Auseinandersetzungen nun wieder etwas mehr Wert, denn fürs Gewinnen gab es quasi Farb-XP für unseren stetig wachsenden Farbsack.

And now this

Und damit sind wir bei The Origami King angekommen. Erfahrungspunkte gibt es erneut nicht, unser Maximalvolumen für unseren Schnipselsack wird, wie auch maximale Lebensenergie, Angriffskraft und Co., an fest vorgegebenen Punkten und nicht durch Kämpfe erhöht, und ein noch viel nervigeres, viel zeitintensiveres Gimmick belastet den Spielspaß an des Färbens statt.

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Das grundsätzliche Gefecht-Gameplay funktioniert wie anno dazumal, wir greifen also mit Sprung und Hammer an und verstärken Attacken beziehungsweise minimieren Schaden durch gutes Timing. In wirklich ausnahmslos jeder Auseinandersetzung erwartet uns nun aber vor dem eigentlichen Kampf eine Art Puzzle-Spiel. Die Duelle finden stets in einer kreisrunden Arena statt, mit uns in der Mitte und den Feinden drumherum. Die Felder, auf denen sie stehen, lassen sich entweder im respektive gegen den Uhrzeigersinn drehen und die einzelnen Spalten zudem in beide Richtungen verschieben. Die Aufgabe: die Widersacher innerhalb eines Zeitlimits möglichst perfekt anordnen, dafür gibt es erhöhte Angriffskraft und wir können eine maximale Anzahl an Feinden mit Sprung oder Hammer beackern.

Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (10) Quelle: PC Games Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (10) Dieses System ist im Kern interessant und macht ziemlich genau drei Runden lang Spaß. Danach hat man es verstanden und es hat sich auch schon überlebt. Kämpfe, die sonst wenige Sekunden dauern würden, ziehen sich durch das Geplänkel im Vorfeld gut dreimal so lange hin. Macht man einen Fehler, entweder aus Genervtheit oder weil man ein Muster nicht durchschaut, dann noch mal deutlich länger. Weil das des Ärgers noch nicht genug war, bestehen die Auseinandersetzungen erstmals in der Serie übrigens auch gerne mal aus mehreren Wellen.

Wir rekapitulieren: Kämpfe, denen man oft genug nicht ausweichen kann und für deren Bestehen es keinerlei Belohnung abseits von Münzen gibt, die dreimal bis zehnmal so lange dauern, wie sie dauern müssten, dank eines Vorspiels, das schon nach kürzester Zeit keinen Spaß mehr macht. Das ist genauso dumm, wie es sich anhört und zieht die Qualität des Gesamterlebnisses in einem Maß nach unten, wie wir es selten zuvor in einem ansonsten ziemlich grandiosen Spiel erlebt haben.

Und wir sind noch gar nicht fertig mit dem Ärgern! Weniger kritisch, aber auch nicht sonderlich relevant: Die nach und nach befreiten Toads säumen die Tribünen um uns herum und für einen geringen Münzeinsatz werfen sie uns zufällig Heilitems zu oder schaden Feinden. Kann man machen, wenngleich wir wenigstens in den Kämpfen gerne der dauernden Toad-Armada entgangen wären.

Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (11) Quelle: PC Games Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (11) Viel schlimmer aber: Neben allem anderen, was seit Jahren bei den Paper-Mario-Kampfsystemen falsch läuft, haben es die Entwickler neben all den anderen Verschlimmbesserungen in The Origami King nicht einmal geschafft, das Ressourcen-System über Bord zu werfen. Spezialangriffe werden durch besonders starke Hämmer und Stiefel ausgelöst, die nach einigen Einsätzen kaputtgehen. Das hat keinerlei Gameplay-Nutzen, nervt, wenn man keine dieser Helferlein mehr dabei hat, erfordert unnötige Laufarbeit, wenn man vor einem Kampf zum Shop muss, um neue Items zu kaufen und ist das i-Tüpfelchen auf dem Riesenhaufen Mist, den die Entwickler mit dem Kampfsystem des Spiels verbrochen haben. So invasiv wie das Ressourcen-Management in den beiden Vorgängern ist jenes im aktuellen Spiel nicht, ein gehöriger weiterer Störfaktor aber dennoch. Nicht einmal eine Herausforderung ergibt sich durch all die neuen, unnötigen bis nervigen Systeme, denn all dem Ärger zum Trotz ist das Switch-Paper-Mario eine ziemlich einfache Angelegenheit.

Mehr Spaß mit Bossen

Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (12) Quelle: PC Games Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (12) Ungleich besser sieht die Situation bei den Bosskämpfen aus. Die haben zwar auch wenig mit dem zu tun, was man als Serienkenner gewohnt ist, der Neuansatz funktioniert hier aber wirklich sehr gut. Das liegt nicht zuletzt daran, dass einen bei Bosskämpfen Dinge wie fehlende Erfahrungspunkte nicht tangieren und man an sie ganz anders herangeht als an Standard-Feind XY, aber auch daran, dass das Arena-System hier gänzlich anders genutzt wird als im übrigen Spielverlauf.

Hier stehen nicht wir im Zentrum des kreisrunden Kampffeldes, sondern der Obermotz hat sich dort breitgemacht. Und wir müssen die Felder nicht für Angriffe anordnen, sondern uns mittels Pfeilen einen Weg zusammenpuzzlen, auf dem Weg Lebensenergie, Angriffs-Verdoppler und andere Helferlein mitnehmen und das Ganze auf einem Attacke-Feld enden lassen. Ein- und Ausschalter für Spezialangriffe, Immunitäten des Bosses gegen bestimmte Aktionen, von ihm gesetzte Felder, die tunlichst umgangen werden sollten und Kampfstrategien, die erst nach und nach erschlossen werden müssen, sorgen hier für zusätzlichen Spielspaß.

Etwas schade ist bloß, dass wir neben riesigen Origami-Kreaturen lediglich im wortwörtlichen Sinne gegen Bürobedarf antreten, zum Beispiel gegen eine Schachtel Buntstifte oder einen Ballen Gummibänder. Immerhin sind die Dialoge dieser etwas einfallslosen Widersacher genauso witzig geschrieben wie alle anderen auch, trotzdem hätten wir uns hier eigenständigere, interessantere Bösewichte gewünscht. Auch sonst trifft man in den Standard-Kämpfen ausschließlich auf Origami-Feinde.

Freude durch Pappmaché

Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (13) Quelle: PC Games Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (13) Wenn Nintendo sich schon weigert, mit einem Erfahrungspunkte-System zu arbeiten, dann hätte man die gelungenen Bosskämpfe behalten und die sonstigen rundenbasierten Gefechte schlicht und ergreifend streichen sollen. Es gibt tatsächlich auch einen wesentlich besser passenden Ersatz: Immer wieder trifft man im Spielverlauf auf Pappmaché-Feinde. Die bezwingen wir ebenfalls in Kämpfen, aber direkt in der Spielwelt, und zwar, indem wir zuerst einen markierten Schwachpunkt attackieren, dann ihren Angriffen ausweichen und sie mit dem Hammer bekloppen.

Das System geht flott von der Hand, macht Laune und wird sowohl im Rahmen von Standard- als auch Quasi-Bosskämpfen genutzt. Zwar gibt es auch hier keine großen Belohnungen für Siege, das fällt durch den wesentlich geringeren Aufwand und den dynamischen Ablauf aber kaum ins Gewicht. Ein wenig erinnern diese Auseinandersetzungen an die Echtzeit-Kämpfe aus Super Paper Mario, und das ist ausschließlich positiv gemeint. Hätte Nintendo anstatt auf die rundenbasierten Auseinandersetzungen alleine auf dieses Sub-Kampfsystem gesetzt, wäre The Origami King ein um Welten besseres Spiel.

Ein verhindertes Meisterwerk

Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (16) Quelle: PC Games Test zu Paper Mario: The Origami King - Frust und Freude liegen nah beieinander (16) Dann hätte man auch über weitere kleinere Schwachpunkte wie die eigentlich lange Spielzeit, die aber durch sehr viele wenig berauschende Sammelquests erkauft wird - neben den vermaledeiten Kämpfen -, deutlich leichter hinwegsehen können. So einfach ist die Sache aber nicht, und aufgrund der vorhandenen und völlig vermeidbaren Fehler ist ein Spiel, welches mit jeder Ader seines Seins Qualität, Liebe zum Detail und richtig tollen Humor atmet, trotzdem eine ziemliche Enttäuschung. Was Paper Mario: The Origami King gut macht, macht es so gut, dass es dadurch davor bewahrt wird, noch weiter in den Wertungsgefilden hinabzusteigen. Was es schlecht macht, macht es aber dermaßen schlecht, dass man eine vollumfängliche Kaufempfehlung hier einfach nicht guten Gewissens aussprechen kann.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Paper Mario: The Origami King (NSW)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Wahnsinnig lustig geschriebenTolle AtmosphäreGrafisch beeindruckendSchön gestaltete, zusammenhängende SpielweltSehr spaßige BosskämpfeViele NebenaufgabenJede Menge SammelkramWenn das Spiel gut ist, ist es sehr gutGroßer Umfang ...
… erkauft durch Designfehler und Fetch QuestsWenn das Spiel schlecht ist, ist es sehr schlechtGrundsätzlich interessantes, aber sehr schnell mühsames KampfsystemKeinerlei richtige Belohnungen für GefechteKämpfen kann oft nicht ausgewichen werdenWenige interessante, neue FigurenToads, Toads, überall ToadsNerviges Ressourcen-Management in KämpfenNicht lange, aber häufige LadezeitenSehr einfach
Fazit

Freude und Ärger liegen nahe beieinander in diesem zutiefst charmanten Spiel, welches sich an jeder zweiten Ecke selbst ein Bein stellt.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Paper Mario: The Origami King im Test, Seite 1 - Technik, Spielwelt, Story, Humor und mehr
  2. Seite 2 Paper Mario: The Origami King im Test, Seite 2 - Kampfsystem, Bosskämpfe, vermeidbare Fehler, Meinung und Wertung
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