Paper Mario: Höhen, Tiefen, Kontroversen der Nintendo-Reihe im Retro-Special

Special Nicolai Brülke Lukas Schmid
Paper Mario: Höhen, Tiefen, Kontroversen der Nintendo-Reihe im Retro-Special
Quelle: Nintendo

Der schnauzbärtige Klempner Mario wurde nicht nur durch seine 2D-Jump-'n-Runs berühmt. Auch die 3D-Spiele und Spin-offs haben zu seinem Erfolg beigetragen. Eins davon ist die Paper-Mario-Reihe, welche seit ihrem Bestehen sehr kontrovers diskutiert wurde. Mehr dazu erfahrt ihr in diesem Special.

Im Jahr 1985 erschien mit Super Mario Bros. für das NES das erste Mario-Spiel mit der bekannten 2D-Jump-'n-Run-Formel. Diese Formel verfolgte Nintendo für einige Zeit und brachte den pummeligen Klempner an die Spitze der Videospielwelt. Mehr als 10 Jahre später entschied sich die Firma, einen neuen Weg mit ihrer IP einzuschlagen und die Super-Mario-Rollenspiele (RPGs) wurden geboren.

Das erste erschien 1996 in Japan und Nordamerika und wollte mit seinem Namen direkt klarmachen, worum es ging: Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars. Bis es das erste Rollenspiel im Mario-Gewand allerdings nach Europa schaffte, dauerte es noch vier weitere Jahre. Schließlich erschien im Jahr 2001 Paper Mario für den N64 auch auf unserem Markt. Mit diesem Spiel war eine Reihe geboren, die bis heute wohl so kontrovers diskutiert wird wie keine andere.

Insgesamt sechs Teile sind bis heute erschienen und alle haben ihre ganz eigene Essenz, die jedes Spiel zu etwas Besonderem machen soll. In diesem Special schauen wir uns alle bisher erschienenen Paper-Mario-Teile an und analysieren, wie sich die Reihe verändert hat - sowohl positiv als auch negativ.

Paper Mario - Ein unbeschriebenes Blatt

Ursprünglich unter dem Namen Super Mario RPG 2 entwickelt und in Japan bereits 2000 als Super Mario Story erschienen, markiert Paper Mario den Anfang der Reihe. Nintendo entschied sich dazu, für die Rollenspiele ihres Hauptkassenschlagers eine andere Grafik sowie ein anderes Konzept als bei den Jump-'n-Run-Ablegern zu fahren, um sie von der Hauptreihe abzuheben.

Die Charaktere und Objekte wurden als Papier designt und waren zweidimensional, während die Spielwelten dreidimensional aufgebaut waren. Der Papier-Aspekt war dabei ein wichtiges Feature, auf dem viele Rätsel und Animationen aufbauten. Dieses Konzept war neu auf dem Videospielmarkt und für das Entwicklerstudio Intelligent Systems war es das erste Mario-Spiel aus ihrer Hand. Der Erfolg des Spiels war also nicht prädestiniert.

Marios erstes Abenteuer im Papier-Look. Quelle: Nintendo Marios erstes Abenteuer im Papier-Look. Die Sorgen waren aber unbegründet und Paper Mario setzte sich zu Release direkt an die Spitze der japanischen Verkaufscharts. Die innovativen Gameplay-Mechaniken und die gute, aber für Mario-Spiele zuvor eher zweckmäßige Story kamen sehr gut an.

Es geht nicht nur darum, Prinzessin Peach aus den Klauen von König Bowser zu befreien, der sie mal wieder mitsamt ihrem Schloss entführt hat, die Geschichte wird um einen weiteren Story-Strang erweitert. In diesem erhält Mario die Aufgabe, die sieben großen Sterne zu retten, die von Bowser, welcher sich die Macht des Sternenstabs zu eigen gemacht hat, in verschiedenen Bereichen des Pilzkönigreichs festgehalten werden. Nur mit ihrer Macht kann Mario es schaffen, zum fliegenden Schloss des fiesen Koopa-Königs zu gelangen, ihn im Kampf zu besiegen und Peach zu befreien.

Natürlich ist das storytechnisch nichts bahnbrechendes, aber eine schöne Abwechslung zu der immerzu gleichen "Peach-wurde-entführt-und-du-musst-sie-retten" -Geschichte.

Auch beim Gameplay unterscheidet sich Paper Mario von seinen 2D-Vorgängern. Da es sich um ein RPG handelt, sind hier die Kämpfe deutlich umfangreicher gestaltet. Die Gegner bewegen sich wie Mario auf der Karte. Bei Kontakt mit ihnen wechselt das Setting zu einer Art Arena, in der Mario nun rundenbasiert mit seinen Angreifern aufräumt.

Nach jedem Kampf erhält er rollenspieltypisch Erfahrung in Form von Sternenpunkten. Wenn man genug davon gesammelt hat, steigt Marios Level und man kann seine Werte verbessern.

In den Kämpfen gibt es verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Neben den Angriffen per Sprung oder per Hammer gibt es noch die Möglichkeiten, Items einzusetzen oder einen Fluchtversuch zu starten. Mit der Zeit erlernt Mario auch neue Fähigkeiten, die im Kampf eingesetzt werden können, sei es durch die Kraft der befreiten Sterne oder durch die Partner, die Mario im Laufe seines Abenteuers trifft und die ihn auf seiner Reise unterstützen.

Bei jedem Angriff, der ausgeführt wird, ist es wichtig, das richtige Timing zu treffen. Nur plump einen Sprung einsetzen und abwarten, führt in den wenigsten Fällen zum Erfolg. Man muss im richtigen Moment die richtigen Knöpfe drücken, um den maximalen Schaden zu machen.

Es spielt außerdem eine Rolle, welche Ausrüstung Mario trägt. Denn auch seine Schuhe oder Hämmer lassen sich mit der Zeit verbessern. Hinzu kommen noch die Orden, die Mario angelegt werden können. Diese Orden verleihen ihm neue Fähigkeiten, allerdings benötigen sie jeweils eine gewisse Anzahl an Ordenpunkten. Diese lassen sich auch durch Level-Ups erhöhen.

Eine weitere untypische Neuerung waren die Figuren, die Mario trifft. Die Partner und alle anderen Charaktere haben ihre ganz eigene Persönlichkeit und unterscheiden sich auch optisch voneinander. Das gibt der Spielwelt ihren ganz eigenen Charme, der die Fans damals wie heute begeistert hat.

Paper Mario hat also mit der ursprünglichen Mario-Formel nur noch das Hüpfen gemeinsam. Das hat seinen Erfolg allerdings nicht gemindert. Das Rollenspiel-Genre war beliebt und Mario sowieso. Insgesamt hat sich das Spiel 1.38 Millionen mal verkauft und die Kritiken waren sehr überzeugend. Nintendo tat also gut daran, einen Nachfolger zu entwickeln.

Paper Mario: Die Legende vom Äonentor - Der Maßstab der gesamten Reihe

Nach dem Erfolg des ersten Paper Mario wollte Nintendo die Reihe etablieren und brachte drei Jahre später einen Nachfolger auf den Markt. Paper Mario: Die Legende vom Äonentor unterscheidet sich gameplaytechnisch nicht sehr von seinem Vorgänger.

Paper Mario 2 gilt als eines der besten Gamecube-Spiele. Quelle: Nintendo Paper Mario 2 gilt als eines der besten Gamecube-Spiele. Allerdings wurde der Papier-Aspekt hier etwas mehr ins Spiel eingebunden. So erlernt Mario mit der Zeit Fähigkeiten, die seine Papiereigenschaften nutzen, wie das Verwandeln in einen Papierflieger, das Falten eines Papierboots oder das Zusammenrollen, um durch schmale Lücken zu schlüpfen. Auch die Umgebung wirkt deutlich mehr papiermäßig. Zum Beispiel können versteckte Schätze freigelegt werden, indem die verdeckenden Objekte einfach weggeblasen werden. Wie Papier eben.

Das Kampfsystem ist größtenteils gleichgeblieben. Es ist immer noch wichtig, mit seinen Angriffen das richtige Timing zu treffen, um möglichst viel Schaden zu machen. Die Spezialangriffe, Partner, Items und Orden unterscheiden sich aber teilweise vom ersten Ableger.

Storytechnisch ist Paper Mario 2 aber ganz anders als es der Standard vermuten lässt. Der Hauptschauplatz des Spiels ist die Stadt Rohlingen, in der es vor Ganoven nur so wimmelt. Unter der Stadt befindet sich das legendäre Äonentor, hinter dem ein großer Schatz versteckt sein soll.

Prinzessin Peach erwirbt eine Schatzkarte, welche sie an Mario schickt und ihn bittet, auch nach Rohlingen zu kommen. Kurz darauf wird sie entführt ... mal wieder. Aber nicht von Bowser, sondern von den Crucionen, einer seltsamen Gruppe an Bösewichten, die Peach als Austausch für einen Dämon braucht, der hinter dem Äonentor verschlossen liegt. Also begibt sich Mario zusammen mit der Gumba-Studentin Gumbrina auf die Suche nach den sieben Sternjuwelen, mit deren Hilfe sie das Tor öffnen und Peach retten wollen.

Wie im ersten Teil trifft Mario auch hier auf verschiedene Charaktere, die ihn bei seinem Abenteuer begleiten. Einige dieser Charaktere haben auch eigene kleine Story-Stränge, die sich in die Hauptstory einfügen. Dadurch wirkt das Spiel durch und durch lebendig.

Nach dem Ende jedes Kapitels hat man sogar die Möglichkeit, kurze Sequenzen als Bowser oder Peach zu spielen und die Geschichte aus ihren Augen zu erleben. Im ersten Teil war das mit Peach auch zwar auch möglich, in Paper Mario 2 haben diese Story-Stränge aber deutlich mehr Bedeutung und Charme. Selbst eine Liebesgeschichte zwischen der Prinzessin und einem Computer wird dem Spieler übermittelt.

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