Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - Leitfaden für Spiele-Journalisten: Lair Reviewers Guide

Special Max Falkenstern

Der Gamesmarkt ist ein hartes Pflaster. Im Wettbewerb um die Gunst der Spieler ziehen Entwickler und Publisher mit immer größer werdenden Marketingbudgets zu Felde. Einige Werbekampagnen verfehlen allerdings ihre Wirkung, schlimmer noch: Sie gehen unerwartet nach hinten los. Wir lassen heute die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Branche Revue passieren.

So wird's gespielt: Sonys Test-Leitfaden für das verkorkste Drachenspiel Lair

PS3-Fans der ersten Stunde dürfte Lair noch ein Begriff sein. Das Drachenspiel aus dem Hause Factor 5 wurde im Vorfeld mit viel Tamtam angekündigt und sollte das Aushängeschild für Sonys neuartige Sixasis-Steuerung sein. Diese Eingabemethode wurde dem heiß ersehnten Actiontitel letztendlich aber zum Verhängnis. Pressevertreter schimpften über die unglaublich verkorkste Implementierung der Sixasis-Funktion, die akrobatische Flugaktionen mit den Drachen zu einem reinen Glücksspiel werden ließ.

Nachdem abzusehen war, dass die Wertungen für Lair aufgrund dessen schlecht ausfallen würden, hat sich Sony zu einer äußerst merkwürdigen Entscheidung durchgerungen. Anstatt den Fehler bei dem Produkt zu suchen, sah man die Schuld offensichtlich bei den Journalisten, die ja einfach nicht wissen konnten, wie das so mit der Sixasis-Steuerung funktioniert. Viele Redaktionen staunten nicht schlecht, als sie später Post von Sony erhielten. In dem Paket befand sich ein hübsch gestaltetes Booklet mit der Aufschrift "Reviewers Guide", dabei handelt es sich um eine Art Leitfaden für Lair.

Das PR-Desaster nahm seinen Lauf. Obwohl viele unserer Kollegen, etwa Greg Miller von IGN, die Aktion mit Humor nahmen, war sie insgesamt doch sehr ärgerlich. Denn Sony warf den Journalisten damit indirekt vor, dass sie ihren Job nicht richtig machen und das Potenzial von Lair verkennen würden. Natürlich war das Gegenteil der Fall, dafür sprechen viele kritische Stimmen, insbesondere von zahlreichen Käufern. Dabei wäre die Lösung des Problems doch so naheliegend gewesen: Ein Patch, der die Steuerung über Analogsticks erlaubt, und die Sache wäre aus der Welt. So wurde Lair wegen schlechter Absatzzahlen zum Sargnagel für die US-Niederlassung der Kölner Talentschmiede Factor 5.

In diesem Artikel

  1. Seite 1 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - Sonys 'rassistische' PSP-Werbekampagne
  2. Seite 2 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - John Romero und sein Baby Daikatana]
    [IMG=1669727][EMBHTML=84435]
    Vor der Jahrtausendwende befand sich Entwickler John Romero auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Der US-Amerikaner gehört zu den Gründern der legendären Shooter-Schmiede id Software und hat an Meisterwerken wie Doom und Quake mitgearbeitet. Der Erfolg scheint im offensichtlich zu Kopf gestiegen zu sein. Nachdem er zusammen mit seinem id-Freund Tom Hall sein eigenes Entwicklerstudio namens Ion Storm gründete, bezog er im JPMorgan Chase Tower in Dallas ein riesiges Büro und ließ dort den Fußboden mit feinstem Marmor ausschmücken.

    Sein erstes Projekt sollte der Ego-Shooter Daikatana werden. Von sich selbst vollkommen überzeugt, spuckte Romero im Vorfeld große Töne versprach nichts weiter als eine Revolution. Pressevertreter schenkten ihm Glauben, denn die ersten Konzeptzeichnungen und Screenshots sahen einfach umwerfend aus und gaben keinen Grund zum Zweifeln. Das positive Medienecho dürfte Romero wohl endgültig den Verstand vernebelt haben. Der Entwickler setzte sich wie in Rockstar ins Szene und ließ anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung von Daikatana eine beispiellose Marketingkampagne vom Stapel - eine Aktion, die er später bereuen sollte.

    Ion Storm buchte in diversen Magazinen Werbeseiten. Auf einem roten Hintergrund prangte der Slogan "John Romero's about to make you his bitch. Suck it down." Neben dem Titel fanden sich nur noch Logos von Ion Storm und Eidos auf der Seite, jedoch kein Hinweis auf das geworbene Spiel. Der Spott, der über Romero nach diesem Egotrip hereinbrach, hätte sich vermutlich in Grenzen gehalten, wenn sein Spiel den hohen Erwartungen standgehalten hätte. Daikatana entpuppte sich allerdings als Mega-Flop, Journalisten gaben teilweise vernichtende Kritik ab. Romero entschuldige sich später für sein Verhalten, doch für seine Karriere war es da schon zu spät.

    [INDEX]

    [MPB TITLE=__Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - Ein beispielloses Fiasko: Der Fall 'Ocean Marketing'
  3. Seite 3 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - Leitfaden für Spiele-Journalisten: Lair Reviewers Guide
  4. Seite 4 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - God of War 2-Party mit toter Ziege
  5. Seite 5 Bildergalerie
  1. Seite 1 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - Sonys 'rassistische' PSP-Werbekampagne
  2. Seite 2 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - John Romero und sein Baby Daikatana][br][IMG=1669727][EMBHTML=84435][br]Vor der Jahrtausendwende befand sich Entwickler John Romero auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Der US-Amerikaner gehört zu den Gründern der legendären Shooter-Schmiede id Software und hat an Meisterwerken wie Doom und Quake mitgearbeitet. Der Erfolg scheint im offensichtlich zu Kopf gestiegen zu sein. Nachdem er zusammen mit seinem id-Freund Tom Hall sein eigenes Entwicklerstudio namens Ion Storm gründete, bezog er im JPMorgan Chase Tower in Dallas ein riesiges Büro und ließ dort den Fußboden mit feinstem Marmor ausschmücken.[br][br]Sein erstes Projekt sollte der Ego-Shooter Daikatana werden. Von sich selbst vollkommen überzeugt, spuckte Romero im Vorfeld große Töne versprach nichts weiter als eine Revolution. Pressevertreter schenkten ihm Glauben, denn die ersten Konzeptzeichnungen und Screenshots sahen einfach umwerfend aus und gaben keinen Grund zum Zweifeln. Das positive Medienecho dürfte Romero wohl endgültig den Verstand vernebelt haben. Der Entwickler setzte sich wie in Rockstar ins Szene und ließ anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung von Daikatana eine beispiellose Marketingkampagne vom Stapel - eine Aktion, die er später bereuen sollte.[br][br]Ion Storm buchte in diversen Magazinen Werbeseiten. Auf einem roten Hintergrund prangte der Slogan "John Romero's about to make you his bitch. Suck it down." Neben dem Titel fanden sich nur noch Logos von Ion Storm und Eidos auf der Seite, jedoch kein Hinweis auf das geworbene Spiel. Der Spott, der über Romero nach diesem Egotrip hereinbrach, hätte sich vermutlich in Grenzen gehalten, wenn sein Spiel den hohen Erwartungen standgehalten hätte. Daikatana entpuppte sich allerdings als Mega-Flop, Journalisten gaben teilweise vernichtende Kritik ab. Romero entschuldige sich später für sein Verhalten, doch für seine Karriere war es da schon zu spät.[br][br][INDEX][br][br][MPB TITLE=__Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - Ein beispielloses Fiasko: Der Fall 'Ocean Marketing'
  3. Seite 3 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - Leitfaden für Spiele-Journalisten: Lair Reviewers Guide
  4. Seite 4 Die wohl größten Marketing-Fails der Spiele-Industrie - God of War 2-Party mit toter Ziege
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk