Methoden und ihre Zukunft

Special Maximilian Köhler

Ob bei Zappelphilipps, Phobien oder langjährigen Traumata: Computerspiele beweisen immer häufiger ihre therapeutischen Qualitäten.

Arachnophobiker können mithilfe einer Simulation ihre Angst vor Spinnen bekämpfen Arachnophobiker können mithilfe einer Simulation ihre Angst vor Spinnen bekämpfen Im Auge des Betrachters
Von modernen, digitalen Therapieansätzen profitieren auch Schlaganfall-Patienten. Kommt es zu einer solchen fatalen Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns, kann dies katastrophale Auswirkungen für den Betroffenen haben. Die Symptome äußern sich vielfältig: Permanenter Schwindel ist eine häufige Folge, genau wie Lähmungen oder ein Gesichtsfeldausfall. Bei letzterem erblindet das Opfer teilweise auf Lebenszeit, unwiderruflich. Linderung der Einschränkungen verspricht das Sakkadentraining. Als Sakkaden bezeichnet der Mediziner ruckartige Bewegungen der Augäpfel. Das Training sieht nun vor, dass der Patient zufällig auftauchende Zahlen auf einem Monitor mit der Maus wegklicken muss – ähnlich dem Moorhuhn-Prinzip. Während die Zahlen anfangs nur im gesunden Sichtfeld auftauchen, erscheinen sie mit der Zeit auch im blinden Bereich. Laut Studien der Universitätsaugenklinik Tübingen reicht bereits ein täglicher Durchlauf von zwei mal dreißig Minuten fünf Tage die Woche, um die Reaktionszeit zum Erkennen im Blind-Bereich erheblich zu verkürzen. Nicht nur das: Als äußerst positiver Nebeneffekt ist aufgefallen, dass trainierte Schlaganfall-Patienten schneller Blickkontakt zu Fremden aufbauen, sich nicht mehr – wie oft zu beobachten ist – von Außenstehenden abschotten und eine ganz neue Lebensqualität erfahren.

Was bringt die Zukunft? Schlaganfall-Patienten können mit dem Knobelspiel-Klassiker Tetris therapiert werden. Schlaganfall-Patienten können mit dem Knobelspiel-Klassiker Tetris therapiert werden.
Konzentrationsübungen für hyperaktive Kinder, Phobie-Therapien, Traumata-Vorbeugung: hinsichtlich der überraschenden Studienergebnisse in jüngerer Vergangenheit, könnte man vorschnell vom Allheilmittel Computerspiel sprechen. Diese Aussage wäre jedoch genauso realitätsfern, wie das ständige Lamentie diverser Spielekritiker. Trotzdem: Das therapeutische Potential virtueller Welten wurde erkannt und könnte Kindern wie Phillip in Zukunft das Schlucken einer Ritalin-Tablette ersparen.

  1. Seite 1 Videospiele als Heilmittel: Games als virtuelle Therapiestunde
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