Kickstarter, Weltraumsimulationen, Humble Bundle, Oculus Rift und viele mehr: In diesem Jahr präsentierten Entwickler zahlreiche tolle Ideen und Trends für PC- sowie Videospiele. Welche Projekte uns in diesem Jahr am besten gefallen haben, verraten wir euch in diesem Artikel und in einem exklusiven Video - schaut rein!
Early Access - Spiele, die beim Kunden reifen
Beta-Tester, das waren früher die ganz Harten. Schmerzbefreite Menschen, die Programmierfehlern in Spielen trotzten (meistens frühe Online- Rollenspiele), um dazu beizutragen, dass die Entwickler bei Verkaufsstart ein fertiges Produkt in die Regale stellen konnten. Dazu galt es aber erst einmal, ein Formular auszufüllen und sich für den unentgeltlichen Job als Spieletester zu bewerben. So war das damals, vor der Jahrtausendwende.
Für Bugs zahlen
Heute ist jeder Beta-Tester. Oder zumindest jeder, der Lust darauf hat und das nötige Kleingeld im Portemonnaie. Early Access nennt sich das Konzept, das 2013 die PC-Spielelandschaft revolutioniert hat: Interessierte Kunden kaufen direkt beim Hersteller oder über den Download-Anbieter Steam ein Spiel, das sich noch in Entwicklung befindet, zum Beispiel die Göttersimulation Godus. Anschließend dürfen sie sofort losspielen: Der Hersteller ermöglicht dem Kunden Zugang zu einer frühen Beta- oder gar Alpha-Version. Die ist meist kaum mehr als ein Gerüst für die Technik: Die Benutzeroberfläche ist unfertig, komplette Spielinhalte fehlen, Effekte, Texturen, Videos, Sprachausgabe – wird alles später nachgeliefert. Mit der Zeit fügen kostenlose Updates neue Elemente hinzu: Missionen, einen Editor, radikal veränderte und neu ausbalancierte Gameplay-Teile oder gar die anfangs fehlende Tastatursteuerung (State of Decay). Das Besondere: Wie früher haben die Spieler die Möglichkeit, Feedback zu geben und Änderungswünsche zu äußern. Nur eben nicht mehr per E-Mail-Formular, sondern in direkten Austausch mit den Entwicklern, in Internetforen oder auf der Kickstarter-Seite des Spiels.
Early Access und Kickstarter
Wie sich 2013 gezeigt hat, sind die beachtlichen Erfolge in Sachen Crowdfunding-Spendenaufrufe des letzten Jahres nämlich oftmals nicht genug, um die Entwicklung eines Spiels zu finanzieren. Das hat Tim Schafer mit Broken Age ebenso gemerkt wie Peter Molyneux mit Godus oder die Planetary Annihilation-Macher von Uber Entertainment. Was tun? Na klar: Das Spiel Stück für Stück veröffentlichen. Der Gedanke ist naheliegend: Kickstarter-Projekte haben von Anfang an mit Alpha- und Beta-Zugängen für besonders spendable Unterstützer geworben – da ist es nur ein kleiner Sprung hin zum regulären Verkauf der Early-Access- Version an alle anderen Interessierten.
Die Folgen
Neue Spiele sind dadurch schon Monate oder gar Jahre vor Fertigstellung verfügbar, einige werden vielleicht nie fertiggestellt, weil die Einnahmen aus dem Early-Access-Angebot unter den Erwartungen bleiben. Release-Termine verlieren zunehmend an Bedeutung: Wann ein Spiel wirklich fertig ist, interessiert immer weniger Spieler, wenn sie es doch vorab schon zum oft verminderten Preis kaufen und spielen können. Dadurch beschäftigt man sich über einen größeren Zeitraum mit einzelnen Spielen, schaut alle paar Wochen mal wieder rein, wenn ein neuer Patch Änderungen vornimmt. Und man zeigt sich verständnisvoller gegenüber Macken und Problemen des gekauften Spiels: "Ist ja noch Alpha", geistert es durch die Steam-Foren. Indes: Der Blick hinter die Kulissen birgt die Gefahr, Spiele zu entzaubern. Wenn der lang erwartete Titel dann endlich fertig ist, verbindet man mit ihm vielleicht hauptsächlich frustige Stunden, in denen man sich über die Bugs der Alpha-Version geärgert hat. Nicht vergessen: Mit Early-Access-Spielen kaufen wir kein fertiges Produkt – ähnlich wie bei Kickstarter-Aktionen investieren wir unser Geld in das Versprechen auf ein gutes Spiel. Es liegt an den Entwicklern, dieses Versprechen einzulösen.
