Wir kämpfen nicht alleine: Spiele, die Menschen verbinden
Special
In Zeiten, in denen wir voneinander Abstand nehmen müssen, können wir zumindest virtuell ein wenig aufeinander zukommen. Wir empfehlen euch die besten Spiele, in denen ihr in einer starken Community zusammen spielt oder einander helft.
Wir leben in interessanten Zeiten. Unser Leben verändert sich aktuell drastisch und dieser Zustand wird sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern: Wenn wir uns in Gesellschaft begeben, tragen wir Masken und viele von uns arbeiten von zuhause aus. In diesen Zeiten bedeutet aufeinander acht zu geben, paradoxerweise voneinander Abstand zu nehmen. Langsam, aber sicher gewöhnen wir uns daran, doch irgendwie fehlt, trotz Warn-App und Quarantäne-Lockerungen, das menschliche Miteinander. Als Spieler habt ihr in dieser Situation natürlich einen enormen Vorteil: Ihr könnt euch online mit euren Freunden treffen und die Welt retten oder sogar völlig Unbekannten helfen. Spiele können verbinden und selbst über Sprachbarrieren hinweg kurze, intensive Freundschaften kreieren. Deshalb stellen wir euch an dieser Stelle nicht etwa die besten Multiplayerspiele vor, sondern die besten Spiele, die Menschen verbinden.
Unser Augenmerk liegt dabei zum einen auf Spielmechaniken, die den hilfreichen Umgang miteinander unterstützen. Zum anderen werfen wir einen langen Blick auf die Community des betreffenden Spiels - denn eine starke Basis ist für ein gutes kooperatives Erlebnis extrem wichtig. Abschließend müssen alle Spiele auf dieser Liste ein Gefühl hervorrufen, dass sich am besten als "Zusammen gegen die Welt" beschreiben lässt. Kooperative Entspannungsspiele wie Animal Crossing: New Horizons sind zwar ebenfalls Balsam für die Seele. Wir wollen jedoch eiserne Bande der Gemeinschaft schmieden und das geht mit einem Angelausflug mit anschließendem Picknick nur schwer.
Journey
Quelle: PC Games
Journey ist, selbst nach einer langen Zeit, immer noch ein Meisterwerk der zwischenmenschlichen Emotionen. Seid nett zu eurem Begleiter, denn er verlässt sich auf euch.
Manchmal möchte man nach einem anstrengenden Tag einfach nur bei einem kurzen Spiel ein wenig entspannen. Journey ist dafür gut geeignet, denn eine Partie ist mit einer bis anderthalb Stunden recht kurz. Auf dem Weg löst ihr einfache Puzzles und absolviert leichte Jump'n'Run-Einlagen, garniert mit einem Spritzer Adventure. Dramatische Kulissen und ein trauriger, getragener Soundtrack komplettieren das Abenteuerpaket. Das alles ist jedoch nur schmückendes Beiwerk, denn seinen Titel als eines der besten Spiele aller Zeiten verdient der Titel aus dem Hause von Thatgamecompany auf eine andere Art und Weise: Journey versteht menschliche Emotionen und zwischenmenschliche Kommunikation auf einer so grundlegenden Ebene, dass selbst der härteste CS: GO Spieler Tränen in den Augen hat, wenn der Abspann über den Bildschirm flimmert. Der Trick an Journey ist, dass ihr gemeinsam mit einem anderen Spieler eine wunderschöne Welt erforscht, die einen Kataklysmus hinter sich hat, der fast alles Leben auf dem Planeten auslöschte. Wer in der Nähe seines Partners bleibt, springt höher und fliegt weiter, sodass die Reise zum weit entfernten Berggipfel nicht mehr ganz so unmöglich erscheint. Die Story wird dem Spieler dabei allein durch die Umgebung und Bilder vermittelt.
Journey ist ein Spiel, das durch die Bewegung des Spielers eine Geschichte erzählt - sei es seine eigene Reise oder die aufmunternden Hüpfer und Glockenlaute, die euer Mitspieler von sich gibt, wenn ihr einmal nicht mehr weiter wisst. In dem Moment, in dem euer Partner verschwindet, fühlt ihr euch leicht panisch. In dem Moment, in dem er hinter der nächsten Düne auftaucht, fühlt ihr, wie euch eine Erleichterung durchspült, die in keinem Verhältnis zu der simplen Grafik steht. Journey hält euch den Spiegel vor und versteht es auf einzigartige Weise, durch seinen Spielfluss und die Kooperation mit einem stummen Partner, persönliche Gefühle und Erinnerungen zu berühren. Sollten euch mitten im Spiel auf einmal Tränen über das Gesicht laufen, seid beruhigt, denn ihr seid nicht allein. Am Ende eurer Odyssee werden euch die Nametags aller Spieler genannt, die euch auf eurer Reise begleitet haben. Schickt ihnen eine freundliche Nachricht, sie werden es euch danken!
Deep Rock Galactic
Quelle: PC Games
Bier, Spitzhacken, Kanonen und Gold: Deep Rock Galactic kann ein knallharter Shooter sein – öfter sind aber Momente des Wunders und der Kameradschaft.
In dem Überraschungshit aus dem Hause Coffee Stain Publishing schlüpft der Spieler in die Haut eines zwergischen Bergarbeiters. Anstatt jedoch mit der Axt auf dem Rücken Mithril in den Tiefen Morias zu schürfen, legt ihr eure Servorüstung an und ladet eure Minigun mit Hochgeschwindigkeitsgeschossen - der Planet Hoxxes IV beherbergt nicht nur eine Menge kostbares Morkite, sondern auch einen ganzen Zoo aus hungrigen Aliens, die euch an den Bart wollen. Deep Rock Galactic ist in seinem Kern ein kooperativer Shooter. Mit Genregrößen wie Left 4 Dead oder Borderlands 3 hat das Spiel allerdings nicht viel zu tun. Das Spiel will seine Spieler weder mit hektischer Daueraction noch mit der Jagd nach dem nächsten Item unterhalten. Stattdessen zieht die Mannschaft aus vier Zwergen los, um in einer voxelbasierten und komplett verformbaren Untergrundlandschaft wertvolle Mineralien zu schürfen. Lange Perioden aus konzentrierter Stille wechseln sich mit der dramatischen Abwehr eines Alien-Schwarms ab. Die Erzadern befinden sich oft an unzugänglichen Stellen, sodass die Spezialfähigkeiten der Zwerge zum Einsatz kommen: Der Buddler gräbt mit seinen riesigen Felsbohrern Tunnel, der Schütze besitzt eine Seilbahn-Kanone und der Ingenieur verteilt Plattformen für den Scout - der seinerseits einen Enterhaken und eine Leuchtfackel-Kanone besitzt. Haben wir bereits erwähnt, dass die Tunnel unter Hoxxes IV in völliger Finsternis liegen?
Durch seine prozedurale Generierung und die methodische Suche nach Schätzen wirkt Deep Rock Galactic nicht so sehr wie ein handelsüblicher Shooter, sondern eher wie ein Abenteuer. Hinter jeder Ecke kann eine gigantische Kaverne voller Gold warten, jeder dunkle Tunnel kann einen tödlichen Prätorianer verbergen. Der Charakter der Zwerge sorgt währenddessen dafür, dass jede Bergbauoperation zu einem Fest wird: Die Jungs haben bereits alles gesehen und erlebt, freuen sich jedoch auf Knopfdruck über jede Erzader und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Dieser Sinn für Abenteuer und Gemeinschaft überträgt sich praktisch eins zu eins auf die Community von Deep Rock Galactic. Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und ein Feierabendbier in der Raumstation gehören in der zwergischen Spielerschaft zum guten Ton. Jedem der Lust auf entspannte Expeditionen in einer brüderlichen Atmosphäre hat, legen wir Deep Rock Galactic stark ans Herz.
Monster Hunter World
Quelle: PC Games
Für ein Gefühl des Miteinanders gibt es nichts besseres, als ein tonnenschweres Ungetüm in einem zwanzigminütigen Bosskampf in einem Team Gleichgesinnter zu besiegen.
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Wir haben eingangs erwähnt, dass uns ein Gefühl von "Gemeinsam gegen die Welt" wichtig ist. Und Monster Hunter World schlägt exakt in diese Kerbe. Der Spieler stellt sich als normaler Mensch schier übermächtigen Monstern gegenüber. Es gibt keine steigenden körperlichen Attribute, keine Magie und keine Auserwählten - euer einziges Hilfsmittel ist die Ausrüstung, die ihr euren Feinden im wahrsten Sinne des Wortes aus den Rippen schneidet. Gemeinsam mit drei anderen furchtlosen Jägern einen sieben Tonnen schweren Lindwurm zu erlegen ist jedes Mal ein erhebendes Gefühl. Unterstützt wird das Ganze von den Biomen des Spiels, die mit ihrem durchdachten Design praktisch einen Charakter für sich darstellen. Lavaströme sorgen für einen Hitzestau in der Rüstung, Schlamm muss mühsam durchwatet werden und verschiedene Pflanzen und Pilze dienen zur Konstruktion von Heiltränken und Munition. Monster Hunter World versetzt den Spieler in die Steinzeit, in der Neandertaler im Team gegen riesige Kreaturen kämpfen, um sich von ihnen zu ernähren und sich in ihre Felle zu kleiden - nur, dass die Neandertaler in diesem Fall drei Meter lange Schwerter und schwere Maschinengewehre tragen. Nach dem Ende einer langen Hatz können Jäger zusammen ein geselliges Bier heben oder sich im Armdrücken beweisen.
Fallout 76
Quelle: PC Games
Als neuer Spieler wird man in Fallout 76 selten Hunger leiden. Im Notfall kann man sich auf die offenen Türen und soliden Verteidigungsanlagen fremder Spielercamps verlassen.
Den Start von Fallout 76 durchwachsen zu nennen, wäre eine massive Untertreibung: Thermonukleare Bugs und vernichtende Kritiken katapultierten das Spiel ins Abseits. Während die meisten Spieler die Survival-Sandbox enttäuscht verließen, bildete sich jedoch ein harter Kern aus Fans, die das Spiel nicht aufgeben wollten. Über die Zeit hinweg wuchs eine Community um diesen Kern herum, die in dieser Weise in einem Open-World-Survivalspiel einzigartig ist: Horrorgeschichten von unsozialem Verhalten in Rust oder absichtlich zugepflasterten PvE-Servern in Ark sind in diesem Genre alltäglich. Deshalb ist es umso bewundernswerter, dass sich die Community von Fallout 76 schlicht und ergreifend weigerte, ungewünschtes PVP zu betreiben, oder neue Spieler zu drangsalieren. "Player Killer" wurden damals gejagt, bis sie ihre Lektion lernten - zumindest, bis das Spiel in Abenteuer- und Überlebenswelten gepalten wurde. Die auf PvP fokussierten Überlebenswelten erhielten jedoch einen so geringen Zuspruch, dass Bethesda den Testlauf einstellte. Fallout 76 ist damit die einzige große Survival-Sandbox, die praktisch ausschließlich von PvE-Spielern erobert wurde; und das so nachhaltig, dass die Entwickler selbst nachziehen mussten.
Heute stellt die Community von Fallout 76 eine der angenehmsten Umgebungen für interessierte Neueinsteiger dar. Wer als niedrigstufiger Charakter einem Event beitritt, wird nicht selten mit Munition, Waffen und einer Rüstung ausgestattet. Ganze Spielercamps werden als Ausrüstungs-, Medizin- und Dekontaminierungsstationen konstruiert, die müden Reisenden dringen benötigte Rast bieten. Wenn ihr durch die Appalachen zieht und ein Spielerhaus nach dem anderen besucht, zählt doch einmal die verschlossenen Türen, denen ihr begegnet. Wir können garantieren, dass es nicht viele sein werden. So katastrophal der Start von Fallout 76 auch war - seine Community beweist, dass die Zivilisation zumindest nach einem virtuellen Atomkrieg nicht zwingend untergehen muss.
Welche Spiele sind euch wegen der tollen Community in besonders guter Erinnerung geblieben? Teilt es uns in den Kommentaren mit!
