PCG Garage: Codemasters, Electronic Arts und die Gefahr des Misserfolgs der F1

Special Michael Grünwald
PCG Garage: Codemasters, Electronic Arts und die Gefahr des Misserfolgs der F1
Quelle: Electronic Arts

Nach den Anfängen der F1 im Gaming übernahmen in den 2000ern Codemasters und Electronic Arts des Ruder. Die Formel 1 fährt sich seitdem im Mainstream fest.

Die Traumkombination mit Codemasters?

Ab dem Jahr 2009 übernahmen die Rennspiel-Gurus von Codemasters das Ruder der virtuellen Königsklasse. Bis heute bleibt es bei der Simcade-Ausrichtung und einem Physik-Modell, das die breite Masse anspricht. Jährliche Veröffentlichungen scheinen Pflicht zu sein, denn bis zur aktuellen Saison ziehen die Entwickler ihr Programm strikt durch.

Dafür bieten die Titel weiterhin die offiziellen Lizenzen, eine TV-Präsentation mit Kommentaren vor und nach den Rennen sowie einen starken Umfang. Seit dem Jahr 2020 gibt es unter anderem den MyTeam-Modus, bei dem ich meinen eigenen Rennstall auf die Beine stellen darf.

Mit Braking Point kommt außerdem noch ein Story-Modus rund um Nachwuchsfahrer Aiden Jackson in jedem zweiten Jahr ins Spiel. Die zwischenzeitlich eingeführten Klassikfahrzeuge sind dagegen wieder von der Bildfläche verschwunden. Die Community fordert die Oldtimer zwar regelmäßig zurück, doch bislang sieht es schlecht mit einem Comeback aus.

Die klassischen Fahrzeuge aus den Codemasters-Spielen waren echte Fan-Lieblinge. Mittlerweile wurden die Boliden aber durch andere Features ersetzt. Quelle: PC Games Die klassischen Fahrzeuge aus den Codemasters-Spielen waren echte Fan-Lieblinge. Mittlerweile wurden die Boliden aber durch andere Features ersetzt. Ein ähnliches Schicksal müssen Realismus-Enthusiasten über sich ergehen lassen. Denn seit dem Ende der Grand-Prix-Reihe macht sich die Königsklasse sehr rar für Sim-Racer. Die Spiele beschränken sich auf Simcades oder Fun-Racer wie F1 Superstars.

Das Risiko des Misserfolgs

Das liegt nicht nur daran, dass sich Sim-Racing noch in einer Nische befindet, sondern eben auch an Schwierigkeiten aus der Vergangenheit. Die offiziellen Lizenzen sind teuer und ein finanzieller Misserfolg für den internationalen Motorsportverband und den Publisher nicht akzeptabel.

Das Risiko ist gegeben, da Hardcore-Simulationen deutlich unzugänglicher als Mainstream-Spiele sind. Selbst viele Fans ziehen Unterhaltung und Atmosphäre der nerdigen Datenanalyse vor. Trotz der Erfolge von iRacing, Assetto Corsa, Le Mans Ultimate und Co. ist die Reichweite noch nicht hoch genug, um einen Verkaufserfolg für die Königsklasse zu garantieren.

An der Technik scheitert es nicht, denn zumindest einzelne F1-Boliden findet man in diversen Simulationen. In iRacing gibt es den Mercedes-AMG aus dem Jahr 2021 und Assetto Corsa EVO hat erst kürzlich den Ferrari SF-25 integriert. Die Umsetzung wäre für die Entwickler also ohne größere Herausforderungen möglich.

Als Charles Leclerc oder Lewis Hamilton können Sim-Fans mittlerweile auch in Assetto Corsa EVO im F1-Ferrari des Jahres 2025 ihre Runden drehen. Quelle: 505 Games Als Charles Leclerc oder Lewis Hamilton können Sim-Fans mittlerweile auch in Assetto Corsa EVO im F1-Ferrari des Jahres 2025 ihre Runden drehen. Die Hauptprobleme liegen daher nicht nur bei der Nachfrage, sondern beim Zusammenspiel von teuren Exklusivrechten und jährlichen Updates. F1-Spiele sollen schließlich Jahr für Jahr erscheinen, um die Spieler immer auf dem aktuellen Stand zu halten: Regeln ändern sich, Fahrer wechseln Teams und neue Strecken kommen in den Kalender.

Die Königsklasse bleibt mit der aktuellen spielerischen Ausrichtung massentauglich und wirft wirtschaftlich bessere Zahlen ab. Im Vergleich dazu werden Racing-Sims wie iRacing, Assetto Corsa, Raceroom und Co. über Jahre ausgebaut und eigene Ökosysteme geschaffen. Die Community bleibt zusammen und arbeitet gemeinsam an Verbesserungen.

Die Unterschiede beißen sich und sind wohl auch in der Zukunft unüberwindbar. Viele Content Creator bringen die beiden Welten zwar immer wieder zusammen, wodurch stetig das Interesse wächst, aber noch reicht das nicht, um den Entwicklern die nötige Sicherheit zu geben.

Mich würde dennoch sehr interessieren, wie eine aktuelle Umsetzung der F1 im Sim-Racing heutzutage aussehen würde und wie so ein Titel im Vergleich zur Codemasters-Reihe abschneidet. Was dabei aber häufig ebenfalls nicht beachtet wird: Formel-1-Boliden sind wesentlich schwerer zu fahren als Straßenfahrzeuge, Tourenwagen und GT3s.

Obwohl die modernen F1-Spiele als Simcade zählen, enden Crashs schnell mit einem Totalschaden. Eine Rückspulfunktion und optionale Schwierigkeitsanpassungen helfen aber, um den Frust einzudämmen. Quelle: PC Games Obwohl die modernen F1-Spiele als Simcade zählen, enden Crashs schnell mit einem Totalschaden. Eine Rückspulfunktion und optionale Schwierigkeitsanpassungen helfen aber, um den Frust einzudämmen. Es hat seine Gründe, warum es höchstens eine Handvoll Rookies jedes Jahr in die Königsklasse schaffen. Es ist äußerst herausfordernd, ein F1-Auto mit Spitzengeschwindigkeiten über die Rennstrecken dieser Welt zu bewegen. Das wäre im Sim-Racing nicht anders und birgt ein schnelles Frustrisiko. Dadurch steigt erneut die Gefahr des finanziellen Misserfolgs.

Was findet ihr in einem Formel-1-Spiel wichtiger: Realismus oder Unterhaltung? Lasst es uns in den Kommentaren wissen. Wenn ihr außerdem weiterhin Infos rund um die Welt des Sim-Racing bekommen möchtet, seid auch wieder in der nächsten Folge der PCG Garage dabei. Bis dahin heißt es wieder: Drivers, start your engines!

  1. Seite 1 Einleitung und Sim-Racing-News
  2. Seite 2 Erste Formel-1-Spiele, die Grand-Prix-Reihe und F1 auf der PlayStation
  3. Seite 3 Codemasters, Electronic Arts und die Gefahr des Misserfolgs der F1
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