Die Spieleperlen 2016 - Zweiter Teil + Video
Special
Fernab vom Massenmarkt gibt es sie noch: Die irren Ideen, die innovativen Konzepte, die ergreifenden Geschichten, kurz: die kleinen, aber feinen Titel, die zahllose Spieler auch ohne große Budgets und blumiges Marketing begeistert haben! Doch weil 2016 mehr PC-Spiele als je zuvor erschienen sind, war es umso schwieriger, diese Perlen aus der schieren Flut an Veröffentlichungen rauszufischen. Hier kommt unser Special ins Spiel: Wir werfen einen Blick zurück auf 2016 und stellen 25 kleine und große Hits abseits des Mainstreams vor, die man unbedingt kennen sollte! UPDATE: Das Special umfasst jetzt alle 25 Spiele plus drei Videos!
Große Gefühle, kreative Welten, knüppelharte Pixel-Action und innovative Online-Taktik - im zweiten Teil unseres Specials rücken wir ungewöhnliche Highlights wie Duelyst, Virginia oder Samorost 3 in den Mittelpunkt. Muss man die unbedingt gespielt haben? Nein, natürlich nicht! Aber es sind faszinierende Titel mit jeder Menge Charme, Persönlichkeit und eigenständigen Ideen - und nicht nur für Genre-Fans einen Blick wert. Auch diesmal haben wir Spiele auf dieser Seite in ein eigenes Video gepackt - viel Spaß beim Anschauen!
In diesem Artikel
Owlboy
Quelle: PC Games
Owlboy (D-Pad Studio)
Fast neun Jahre lang war Owlboy in Entwicklung - das Ergebnis der Mühen ist ein wunderschön gepixelter 2D-Plattformer, der vom ersten Moment an mit prachtvollem 16-Bit-Design und gefühlvoller Musik für dichte Stimmung sorgt. Als stummes Eulenkind namens Otus erleben wir ein ungewöhnliches Abenteuer voll liebenswerter Charaktere, heiterer Momente und dramatischer Wendungen. Spielerisch präsentiert sich Owlboy weniger als Jump & Run, eher als Action-Adventure aus der Seitenansicht, in dem wir relativ frei durch große Levels fliegen, Puzzles lösen und Kämpfe bestreiten. Da unser Held praktisch wehrlos ist, muss er einen von drei bewaffneten Begleitern aufheben und ihn durch die Lüfte tragen. Wie in einem Twinstick-Shooter lassen wir unseren Kameraden dann mit dem rechten Analogstick ballern, während wir Otus mit dem linken Stick kontrollieren. Eine nette Idee, die sich aber aufgrund der wenigen Waffen und Upgrades sehr schnell abnutzt - Kämpfe sind daher keine Stärke von Owlboy!
Dafür überrascht das Spiel mit gelungenen Rätseln, cool designten Bossen und jeder Menge Abwechslung: Otus und seine Freunde erkunden Dornenwälder, Schneehöhlen, Grotten, Lavatempel und geraten sogar mitten in eine dramatische Belagerungsschlacht! Mehrmals muss der Held außerdem ausgedehnte Schleichabschnitte meistern und sich vor den Blicken feindlicher Luftpiraten verstecken - sehr ungewöhnlich, aber gut gemacht! Einzig bei den Nebenaufgaben schwächelt Owlboy leider, die Welt bietet nur sehr wenige Geheimnisse und optionale Upgrades zu entdecken - auch darum ist der Indie-Hit keinesfalls mit einem Metroidvania zu verwechseln.
(Empfohlen von: Felix Schütz)
Entwickler: D-Pad Studio
Preis: ca. 23 Euro.
Hier geht's zum Test von Owlboy!
Firewatch
Quelle: Games Aktuell
Firewatch (Campo Santo)
Walking Simulatoren - Spiele ohne echten spielerischen Anspruch, in denen wir primär von Interaktionspunkt zu Interaktionspunkt rennen, um die Geschichte voranzutreiben - nehmen in den letzten Jahren ein wenig Überhand. Wenn sie so gut gemacht sind wie Firewatch, wollen wir uns aber nicht beschweren. In Gestalt des Protagonisten Henry verweilen wir hier während eines Sommers im Jahre 1989 in einem Randbereich des Yosemite Nationalparks. Was zu Beginn wie ein einfacher, geruhsamer Job erscheint, entwickelt sich durch zwei verschwundene Teenager, eine mysteriöse Gestalt, welche Henry bedroht, durch seine Probleme, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, sowie durch ein sich langsam ausbreitendes Feuer zu einem höchst emotionalen Mystery-Thriller. Henrys einziger Kontakt zur Außenwelt während dieses ereignisreichen Sommers ist seine Vorgesetzte Delilah, mit der er via Walkie-Talkie in Kontakt steht - und die brillant geschriebenen, extrem zu Herzen gehenden Dialoge der beiden Figuren stellen fraglos das Highlight des Spiels dar. Wer narrativen über spielerischen Anspruch stellt, wird mehr als glücklich!
(Empfohlen von: Lukas Schmid)
Entwickler: Campo Santo
Preis: ca. 20 Euro
Hier geht's zum Test von Firewatch!
Quelle: Games Aktuell
Firewatch (Campo Santo)
Motorsport Manager
Quelle: SEGA/Playsport Games
Motorsport Manager (Playsport Games)
Seit den Tagen eines Pole Position von Ascaron oder dem F1 Manager von Software 2000 fristet das Manager-Genre im Bereich des Motorsports ein eher kümmerliches Dasein. Doch der Motorsport Manager ist genau das Richtige für PS-Fans mit einem Schuss Organisationstalent. Für den Erfolg des Teams gilt es, die kostbare Zeit zwischen den einzelnen Rennwochenenden so effektiv wie nur möglich zu nutzen. Sponsoren wollen angeworben, das Gelände ausgebaut und neue Teile für den Rennboliden entwickelt werden. Das alles natürlich im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets. Um mehr Geld zu verdienen, muss Erfolg auf der Strecke her. Entscheidend dafür ist, welche Reifen, Tuning-Einstellungen und Boxenstrategie man wählt. Zusätzlich ist es hilfreich wenn Fahrer und Auto stetig verbessert werden. Doch dazu braucht es wieder mehr Geld. Durch die stückweise Verbesserung des eigenen Teams entsteht eine Motivationsspirale, die stundenlang fesselt. Einziger Wermutstropfen: Es gibt keine Lizenzen. Teams, Fahrer und Strecken tragen nur Fantasienamen. Die angekündigte Mod-Unterstützung sollte da Abhilfe schaffen.
(Empfohlen von: Matthias Dammes)
Entwickler: Playsport Games
Preis: ca. 35 Euro
Shantae: Half-Genie Hero
Quelle: WayForward
Shantae: Half-Genie Hero (WayForward)
Spiele auf dieser Seite:
Der erste Teil der beliebten Shantae-Reihe, die von einer mutigen orientalischen Bauchtänzerin handelt, erschien 2002 noch exklusiv für Nintendos Game Boy Color. Dank gut gemachter Umsetzungen der diversen Handheld-Abenteuer hat es sich die Serie aber auch auf dem PC gemütlich gemacht. Der jüngste Ableger Half-Genie Hero wurde per Kickstarter finanziert und wartet als erster Serienteil mit schöner HD-Optik auf. Nicht nur deswegen sollten sich Liebhaber von erkundungslastigen Plattformern den Titel aber keineswegs entgehen lassen - er ist spielerisch nämlich, wie von Shantae gewohnt, wieder richtig gut geworden und begeistert mit sympathischen Figuren und jeder Menge Humor. Anders als etwa in Castlevania erwartet uns hier keine frei zu erforschende Welt, sondern in sich abgeschlossene Levels, die mit zahlreichen optionalen Sammelgegenständen vollgestopft sind. Dank ihnen können wir die Fähigkeiten unserer Heldin verbessern.
Quelle: WayForward
Shantae: Half-Genie Hero (WayForward)
Besonders cool sind wieder Shantaes Verwandlungstalente, durch die sie etwa die Form eines Affen annimmt, der problemlos an Wänden klettern kann, oder sie nimmt die Gestalt einer Spinne an, für die auch spiegelglatte Decken kein unüberwindbares Hindernis darstellen. Trotz all der Liebe, welche offensichtlich in die Entwicklung dieser 2D-Perle geflossen ist, sollen einige Kritikpunkte nicht verschwiegen werden: Manchmal nervt das häufige Backtracking, die deutschen Texte strotzen vor peinlichen Übersetzungsfehlern und die überzogen sexistische Darstellung sämtlicher weiblicher Figuren wäre wirklich nicht nötig gewesen. Der pure Spaß, den das Abenteuer versprüht, lässt einen aber darüber hinwegsehen.
(Empfohlen von: Lukas Schmid)
Entwickler: Wayforward
Preis: ca. 20 Euro
Samorost 3
Quelle: Amanita Design
Samorost 3 (Amanita Design)
Ein drolliger Gnom im Schlafanzug lebt in einem Turm auf einem kleinen Himmelskörper und träumt davon, das All zu bereisen. Das Ziel von Samorost 3 ist es, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Im Prinzip funktioniert das wie in vielen anderen Adventures auch: Klickt Objekte an, interagiert so mit ihnen und löst Rätsel. Ungewöhnlich ist aber, dass der Titel von Amanita Design (Machinarium) ohne gesprochene Dialoge auskommt; die Verständigung mit anderen Lebewesen geschieht über universell verständliche Botschaften wie Laute oder Körpersprache. So fühlt man sich selbst wie ein Astronaut zu Besuch in fremden Welten, die wunderschön zum Leben erweckt werden. Nicht nur optisch, auch akustisch verwöhnt Samorost 3 selbst anspruchsvollste Spieler. Die surreale Atmosphäre kann zwar in manch einem Moment das Finden des Lösungsweges - oder gar das Identifizieren der Aufgabe - erschweren, das virtuelle Hinweisbuch des kleinen Helden nimmt sich dieses Problems aber an, ohne zu viel zu verraten. Zwar ist Samorost 3 mit etwa fünf Stunden Spielzeit recht kurz, dafür handelt es sich aber auch um einzigartige Adventure-Kost.
(Empfohlen von: Katharina Reuss)
Entwickler: Amanita Design
Preis: ca. 20 Euro
Virginia
Quelle: Variable State
Virginia (Variable State)
Von der groben 3D-Grafik sollte man sich nicht abschrecken lassen: Auch ohne Technikbombast inszeniert Virginia ein faszinierendes Mystery-Drama mit starker Atmosphäre! Wir erleben die Geschichte durch die Augen der frischgebackenen FBI-Agentin Anne Tarver. Ihr erster Einsatz: Im Sommer 1992 soll sie soll das Verschwinden eines Jungen im US-Staat Virginia aufklären. Was wie ein trauriger Routinefall beginnt, entwickelt sich Verlauf der zweistündigen Handlung zu einer ergreifenden, intimen Charakterstudie, die komplett ohne gesprochene Dialoge auskommt. Stattdessen setzen die Entwickler auf einen exzellenten orchestralen Soundtrack und eine cineastische Erzählweise: Genau wie im Film schneidet das Spiel kurzerhand von einer Szene zur nächsten - blitzschnell, sauber und unabhängig davon, welche Aktion der Spieler gerade ausführt.
Virginia fühlt sich im Grunde wie ein Film-Experiment an, in dem man hier und da auch ein bisschen herumlaufen oder etwas anklicken kann. Rätsel lösen oder Items sammeln darf man aber nicht, es steht das Erleben und Verstehen im Vordergrund - denn die Entwickler verwenden eine verwirrende Symbolsprache, vollgepackt mit Motiven und kryptischen Bildern, die vor allem Fans von Kultregisseur David Lynch (Twin Peaks, Blue Velvet) begeistern dürfte. Im letzten Akt hebt die Handlung allerdings zu stark ab, hier kann man eigentlich nur noch raten, was die Entwickler (die eine offizielle Deutung stoisch ablehnen) mit ihrem Werk beabsichtigen wollen. Doch egal ob man es am Ende kapiert oder nicht: Virginia ist und bleibt ein bewegendes, erzählerisch starkes Erlebnis, das zwar nicht als Adventure, aber dafür als interaktiver Film voll ins Schwarze trifft.
(Empfohlen von: Felix Schütz)
Entwickler: Variable State
Preis: ca. 10 Euro
Enter the Gungeon
Quelle: PC Games
Enter the Gungeon (Dodge Roll)
Spiele auf dieser Seite:
Der Nachschub an Rogue-likes reißt einfach nicht ab. Nach Süchtigmachern wie The Binding of Isaac oder Nuclear Throne versuchte sich im letzten Jahr auch Enter the Gungeon an dem Konzept - mit Erfolg! Hinter der hübsch gepixelten Grafik im 16-Bit-Stil verbirgt sich ein klasse spielbares, haarsträubend schwieriges Ballerfest, das uns nach jedem Bildschirmtod an den Anfang zurückversetzt. Bei Spielstart wählen wir einen neuen Helden, mit dem wir in einen zufallsgenerierten Dungeon hinabsteigen, wo tonnenweise Gegner, Fallen und Beute auf uns warten. Hohes Tempo und eine präzise Steuerung, dank der wir Geschossen lässig per Seitwärtsrolle ausweichen, sorgen für guten Spielfluss, während wir eine Unzahl abgefahrener Waffen sammeln: Regenbogenblaster, Bienenstöcke, Taschentuchwerfer, Liebesbogen sowie jede Menge Upgrades. Die brauchen wir auch, um gegen die sackschweren Bosse zu bestehen, die uns mit wahren Kugelhageln konfrontieren! Wer die Herausforderung nicht scheut, bekommt launige Action, viele Geheimnisse, charmantes Retro-Design und Unmengen an Knarren geboten. Auch lokal im Koop spielbar!
(Empfohlen von: Felix Schütz)
Entwickler: Dodge Roll
Preis: ca. 15 Euro
Hier geht's zum Test von Enter the Gungeon!
Duelyst
Quelle: Counterplay Games
Duelyst (Counterplay Games)
Wer virtuelle Kartenspiele für ein ausgelutschtes Konzept hält, hat wohl noch nie Duelyst gespielt. Das fair designte Free2Play-Spiel kombiniert nämlich das Sammelkartenprinzip eines Hearthstone mit klassischen, rundenbasierten Taktikkämpfen: Ganz ähnlich wie etwa in Heroes of Might & Magic oder Nintendos Fire Emblem platzieren wir Helden und Einheiten auf einem schachbrettartig aufgebauten Spielfeld, setzen Buffs und Zauber ein, machen uns die individuellen Stärken unserer Truppen zunutze. Das Konzept ist in wenigen Minuten kapiert, sechs Fraktionen und mehr als 400 sammelbare Karten sorgen aber für Vielfalt und taktischen Tiefgang. Besonders cool: Das Spiel ist angenehm gepolished und auf Tempo getrimmt. Online-Matches sind auf fünf bis zehn Minuten angelegt, der Client lädt blitzschnell und sogar die Anmeldung über Steam ist binnen Sekunden erledigt. Lernduelle gegen die KI sind ebenfalls möglich. Für Duelyst, das über Kickstarter finanziert wurde, zeichnen unter anderem Keith Lee (bis 2008 der Producer von Diablo 3) und Glauber Kotaki (Lead Artist von Rogue Legacy) verantwortlich.
(Empfohlen von: Felix Schütz)
Entwickler: Counterplay Games
Preis: Free2Play mit optionalen Ingame-Käufen
Quelle: Counterplay Games
Duelyst (Counterplay Games)
