OlliOlli World im Test: Auf die Fresse fliegen war nie schöner!
Test 17,99 €
Mit OlliOlli World geht die beliebte 2D-Skateboard-Reihe in die dritte Runde. Warum das Spiel ein kleines Meisterwerk ist, klärt unser Test.
Seit 2015 war es still um die OlliOlli-Reihe, zwei sehr beliebte und bockschwere Skateboardspiele im 2D-Pixellook. In der Zwischenzeit gab es sicherlich das eine oder andere Skateboardspiel, beispielsweise das Tony-Hawk-Remake aus dem Jahr 2020, oder das nicht besonders brillante Skatebird aus dem letzten Jahr. Doch nach fast sieben Jahren gibt es aus dem Hause Roll7 jetzt mit OlliOlli World den dritten Teil der Reihe.
Man hat bei Roll7 allerdings nicht nur Däumchen gedreht, sondern einiges am Konzept der Skateboard-Reihe verändert: Einerseits gibt es einen komplett neuen Grafikstil, welcher sich ganz klar vom früheren Pixellook der Reihe abhebt. Andererseits soll das Spiel deutlich einsteigerfreundlicher sein, als die bockschweren Vorgänger. Sowohl neue OlliOlli-Fans mit mehr oder weniger flinken Fingern, als auch Veteranen der Reihe sollen von OlliOlli World begeistert werden, ohne den Anspruch der Reihe komplett über Bord zu werfen. Sicherlich kein kleines Risiko, denn Neuinterpretationen einer beliebten Serie, gerade nach fast sieben Jahren, sind in der Vergangenheit nicht immer gut ausgegangen.
Kann das Skateboard-Abenteuer also alte wie neue Spielerinnen begeistern und somit die eigens gestellten Ansprüche erfüllen? Oder haut des Roll7 mit dem dritten Teil der OlliOlli-Serie mächtig auf die Fresse?
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Der olle Olli
OlliOlli World (jetzt kaufen 15,03 € / 17,99 € ) ist ein 2D-Skateboardspiel, in welchem ihr euren Skater wie in Jump&Run-Manier durch verschiedene Level von A nach B manövrieren müsst. Dabei dienen euch verschiedene Tricks wie Grinds, Manuals und die namensgebenden Ollies zur Fortbewegung und Meisterung der Level. Euren Skater könnt ihr dabei in puncto Aussehen beliebig gestalten. Die zwei auffälligsten Aspekte sind dabei einerseits der neue Grafikstil, welcher stark an die Serie Adventure Time erinnert, und andererseits der Lo-Fi-esque Soundtrack, welcher das Spiel untermalt. Beides sprüht vor Atmosphäre und vermittelt sofort einen sehr entspannten und sehr entspannenden Eindruck.
Das gesamte Spiel geht stilistisch in Richtung Lo-Fi-Hipstertum. Das wird nicht nur an der Musik und an der Grafik deutlich, sondern auch an den Cutscenes.
Ein Gott auf Rädern
Quelle: PC Games
Sonnenbrille, Mütze, pinker Schnauzbart: Unser Skater ist bestens für die Herausforderungen in OlliOlli World gerüstet und passt perfekt in die an Adventure Time erinnernde Ästhetik.
OlliOlli World bietet uns eine Kampagne, in welcher unser Möchtegern-Tony-Hawk zu einer wortwörtlichen Skategottheit werden will. Nicht besonders einprägsam, aber völlig solide für ein Skateboard-Videospiel, welches sich zudem oft nicht allzu ernst nimmt.
Auf dem Weg zum Facebookstatus "Gott" begleiten uns verschiedene NPCs, welche vor und nach den Levels mehr oder weniger lustige Aussagen zu unseren Fähigkeiten tätigen. Ein paar Mal ist dies auch noch relativ unterhaltsam, erneut aufgrund des sehr gelungenen Artdesigns.
Quelle: PC Games
OlliOlli World: Das Skateboard-Abenteuer im Test! (2)
Doch werden die Cutscenes praktisch immer aus derselben Kameraposition dargestellt und sind leider auch nur mit Fantasiesprache vertont. Zudem fällt die mehr oder weniger unterhaltsame Nutzung "krasser" Skatersprache auf. Inwiefern das die Spielerinnen "tight" oder "fresh" finden, bleibt abzuwarten.
Tatsächlich hat Roll7 an dieser Stelle mitgedacht und versucht, die Spielerschaft nicht mit unter Umständen nervigen Unterhaltungen vom Spielspaß abzuhalten. Wer keine Lust auf unlustige oder mit Fremdscham versehene Dialoge hat, kann diese einfach überspringen.
Lustigerweise äußert sich sogar unser Skater-Alter Ego meist recht süffisant zu den sich anbahnenden Dialogen mit Antworten wie "Lass mich einfach skaten" oder "Interessiert mich nicht". Diese Art von Service zieht sich durch das gesamte Spiel.
Die Kampagne lässt uns sehr viel Freiheit darin, wie wir unser Abenteuer bestreiten. Du möchtest einfach die Kampagne abschließen ohne irgendwelche Nebenquests? Kein Problem! Du möchtest Level A und B abschließen, um fortzufahren, anstatt Level A und C? Auch kein Thema! Du möchtest eine andere Route im Level einschlagen? Do it!
Freiheit, Gleichheit, Sturz, Brüderlichkeit
OlliOlli World geht aber noch einen Schritt weiter: OlliOlli 1 und 2 waren unter anderem für ihren relativ hohen Schwierigkeitsgrad bekannt. Dieser ist im dritten Teil zwar vorhanden, jedoch optional.
Die Kampagne ist in weniger als sechs Stunden erledigt und fordert die Spielerschaft praktisch nie dazu auf, besonders komplexe Tricks auszuführen oder spektakuläre Combos zu vollführen. Komme von Punkt A zu Punkt B, das war's. Und von Punkt A zu Punkt B zu kommen, ist in OlliOlli World, gemessen an der Reputation der Vorgänger, ziemlich einfach.
Zwar lernt man im Spiel Stück für Stück verschiedene neue Moves via Tutorials, jedoch ist fast keiner davon notwendig, um die Kampagne abzuschließen. Gleichzeitig sei gesagt, dass die Kampagne nicht durchgespielt werden muss, wenn man gottgleich Combos und Tricks ausführen möchte. Alle Moves stehen von Anfang an zur Verfügung, die Tutorials sind lediglich optional und manchmal ein wenig unverständlich.
Ein zwiespältiges Spiel
Quelle: PC Games
Gegen den Strom: In OlliOlli World geht es auch mal von rechts nach links, anstatt von links nach rechts.
Einerseits bietet diese Spielstruktur eine fantastische Möglichkeit, OlliOlli World sehr entspannt zu genießen, gerade mit Blick auf die tolle Atmosphäre. Auch wenn man keinen der beiden Vorgänger gespielt hat, dürfte man sich recht schnell im Gameplay zurechtfinden und Fortschritte in der Kampagne machen.
Die Level sind dabei gerade gegen Ende sehr kreativ gestaltet und meistens auch visuell abwechslungsreich. Bekannte Videospielthemenbausteine wie Wüsten, Wälder oder Fabriken werden zu erstaunlich effektiven und interessanten Orten kombiniert.
Auch das Level-Design macht meistens Spaß und kreiert somit eine absolut solide und entspannende Erfahrung. Und der Flow, welcher in den Leveln entstehen kann, weiß zu überzeugen, trotz teilweise mangelnder Komplexität. Andererseits lernt man als Spielerin somit durch die Kampagne alleine praktisch nie die Möglichkeiten des Gameplays kennen.
Quelle: PC Games
Nebenaufgaben sind in OlliOlli ein Highlight. Gegen einen Bären in einem Wettrennen anzutreten, macht beispielsweise sehr viel Spaß.
Kein Vergleich zu frühen Tony-Hawk-Spielen, welche der Spielerschaft viel abverlangten, damit man den Abspann sehen konnte. Gerade Combos spielen in der Kampagne keine große Rolle, obwohl alle Bausteine dafür vorhanden sind. Diese Bausteine jedoch werden für den Online-Modus sowie Nebenmissionen innerhalb der Kampagne genutzt.
Genau hier kommen die mannigfaltigen Möglichkeiten des Gameplays zum Tragen und hier wird OlliOlli World dann auch bockschwer. Denn nur, wer seinen Skater ganz genau beherrscht und verschiedene Tricks miteinander über einen langen Zeitraum kombiniert, kann am Ende eines Levels mit einer hohen Punktzahl angeben oder eine sehr lange Combo gestalten.
In diesem Modus wird OlliOlli World zu einem völlig anderen Spiel.
Die Entspannung der Kampagne weicht der konstanten Anspannung, bloß keinen Fehler zu machen, bloß den Trick richtig zu landen und den Highscore aufrechtzuerhalten.
Sowohl die Levels der Kampagne als auch die Online-Level, geben euch die Möglichkeit, online eure Bestleistungen zu vergleichen und zu versuchen, an die Spitze der Liste zu gelangen. Somit gibt es für jene, welche bereit sind, sich in die Feinheiten des Gameplays hineinzufuchsen, durchaus viel Anreiz. Der Ehrgeiz, seine eigenen Highscores Stück für Stück zu verbessern, ziemlich ansteckend.
Wie erwähnt sind jedoch die Tutorials manchmal ein wenig konfus, ebenso wie die Move-Liste im Menü. Eine genauere Erklärung der Manöver wäre hier sehr wünschenswert. So kann es passieren, dass die Skateboarderei zu Button-Mashing verkommt, einfach will man sich der vielen Möglichkeiten gar nicht bewusst ist.
Moden-Sch- au, mein Bein!
Quelle: PC Games
Auf der Karte sehen wir unsere nächsten Ziele, hinter welchen sich die Level in der Kampagne verbergen. Wem die Kampagne an sich zu leicht ist, kann sich mit Nebenaufgaben und zusätzlichen Levels beschäftigen, welche den Anspruch deutlich anheben!
Aber Skaten heißt ja nicht nur, sich waghalsig auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu schwingen, sondern dabei auch cool auszusehen. OlliOlli World bietet von Anfang an einen umfangreichen Charakter-Editor, wohlgemerkt ohne Mikrotransaktionen oder NFTs.
Im Laufe der Kampagne werden Klamotten für das Skate-Alter Ego freigeschaltet. Je mehr optionale Challenges erfüllt werden, umso mehr Klamotten erhaltet ihr. Eine nette Motivation, welche jedoch ironischerweise dadurch ihren Reiz verliert, dass der Editor bereits von Beginn an sehr umfangreich bestückt ist.
OlliOlli World ist ein kleiner, sympathischer Hansdampf in allen Gassen. Das Spiel brilliert nicht nur mit seinen Mechaniken, sondern auch mit seinen verschiedenen Möglichkeiten, es zu erleben. Die Kampagne ist zwar erzählerisch keine Offenbarung, doch demonstriert sie gemeinsam mit den Online-Herausforderungen die Vielfältigkeit des Spiels.
Egal ob entspannte Skate-Spazierfahrt, eine Reihe kniffliger Herausforderungen, oder eine Tony-Hawk-esque Highscore-Jagd, OlliOlli World bietet all das in Reinform. Sprich, jede Zielgruppe kommt auf ihre Kosten. Es bleibt zu hoffen, dass Roll7 DLCs mit neuen Levels nachliefern wird, um die Motivation für die Videospiel-Skateboard-Gemeinde auf lange Sicht aufrechtzuhalten.
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OlliOlli World erscheint am 8. Februar auf PC, PS5, PS4, Switch und Xbox One und Xbox Series X/S. Wenn ihr noch mehr Lust auf aktuell virtuelle Skateboard-Action hat, kann sich beispielsweise unseren Test zum Tony-Hawk-Remake ansehen, oder auf die Fortsetzung der Skate-Reihe freuen, sollte diese jemals erscheinen.
