Im Test von Norse zeigt sich: Die Entwickler hätten besser noch ein paar Wochen ins Feintuning investiert.
Helden und Ausrüstung
Gute Ansätze und nervige Schwächen zeigen sich auch beim Ausstatten eurer Kämpfer. Man erhält zwar regelmäßig neue Speere, Rüstungen, Äxte, Helme und anderen Kram, doch die Items wandern allesamt in ein unübersichtliches Menü, aus dem man jeden Gegenstand für jede Figur einzeln rausfischen muss.
Das ist anfangs kein Problem, wird aber mühsam, sobald man mehr als fünf Leute zu verwalten hat.
Besser ist da die simple Charakterentwicklung, da alle Helden aufleveln und dabei verschiedene Verbesserungen lernen können. Das ist nicht anspruchsvoll, aber mächtig! Da lernt der Axtkämpfer zum Beispiel, mehrere Feinde gleichzeitig umzuholzen, und die Bogenschützin führt einfach mal zwei komplette Züge nacheinander aus. Dadurch fühlen sich eure Lieblingskämpfer im Laufe der Spielzeit spürbar stärker an.
Quelle: PC Games
Bei der lüsternen Näherin lassen wir uns neue Ausrüstung herstellen.
Das gleicht dann auch einige Kampfsituationen aus, die sich hin und wieder unfair anfühlen. Gerade in späteren Missionen seid ihr zu Beginn oft von wahren Gegnermassen umzingelt und müsst das Beste hoffen, während eure Einheiten gnadenlos attackiert werden.
Auch ein Bosskampf gegen einen Wolf hat uns eher genervt, da man plötzlich nur mit Gunnar kämpft, während seine Verbündeten nutzlos herumstehen. Ist der Held hier nicht gut ausgerüstet, kann die Sache schnell böse enden. Solche Momente wirken nicht zu Ende gedacht. Immerhin haben sich die Entwickler aber Missionen mit Zuglimits verkniffen, ihr habt also alle Zeit der Welt. Allerdings gibt es dafür keinerlei optionale Nebenmissionsziele, die für Spannung und zusätzliche Anreize sorgen könnten. Das haben andere Spiele in dem Genre also schon besser gelöst.
Test mit Hindernissen
Für diesen Artikel lag uns eine testfähige Version von Norse: Oath of Blood (jetzt kaufen 30,59 € ) vor. Die erhielt während unseres Reviews auch noch zwei größere Patches, sodass sie der fertigen Verkaufsfassung entspricht. Trotzdem krankt das Spiel noch an zig Kinderkrankheiten. Vieles davon bemerkt man an der Benutzeroberfläche, aber auch bei der Gegner-KI zeigen sich manchmal Aussetzer. Da verharren manche Gegner lieber in Verteidigungsstellung, anstatt sich am Kampf zu beteiligen. Oder ein feindlicher Bogenschütze flüchtet plötzlich sinnlos zum Kartenrand, anstatt Schüsse abzugeben.
Einmal hat uns das Spiel auch eine kostbare, einzigartige Axt aus Versehen verdreifacht, dafür aber an anderer Stelle einen gekauften Bogen kurzerhand verschwinden lassen. Es gibt fehlende Texte in den Tooltipps. Und beim Erkunden verheddern sich unsere Partymitglieder gerne mal zu einer zitternden Menschenkugel.
Quelle: PC Games
Unsere Bogenschützin Sigrid wehrt einen Speer mit der bloßen Hand ab. Oder mit einem unsichtbaren Pfeil. Sinn ergibt beides nicht.
Manche Bugs sind fast schon wieder witzig, etwa wenn unser Berserker wütend auf einen Gegner zustürmt, während sein Oberkörper auf seiner alten Position zurückbleibt. Oder ein besiegter Gegner, der nach seinem Tod wie ein Balletttänzer posiert, anstatt sich artig ins Heu zu legen. Nicht zu vergessen: der dramatische Bosskampf, in dem ein böser Jarl eine Frau als Geisel schützend vor sich hält. Oder zumindest vermuten wir das, denn die Frau war plötzlich nicht mehr zu sehen, der Typ dagegen sehr wohl.
Und falls ihr lieber mit einem Controller oder am Steam Deck spielen wollt, seid gewarnt: Die Gamepad-Steuerung ist zwar implementiert, fühlt sich aber noch umständlich an, außerdem konnten wir manche Menüs nicht vernünftig bedienen und mussten doch wieder auf die Maus ausweichen.
Quelle: PC Games
Norse hätte noch ein paar Wochen Polishing gebrauchen können. Gute Grundlagen sind aber da.
Auch die Performance ist ein Ärgernis. Natürlich sind bei einem Rundentaktikspiel keine 120 Bilder pro Sekunde nötig. Aber wenn die Framerate zwischendurch immer wieder einknickt oder Klicks nicht sauber registriert werden, ist definitiv Nachbessern angesagt. Mehrere Grafiksettings und Upscaling-Optionen können hier zwar helfen, doch selbst auf niedrigen Einstellungen ist die Performance ein klarer Schwachpunkt. Das spiegelt sich auch deutlich in den ersten User-Wertungen auf Steam wider. Immerhin: Die Entwickler haben seit dem Release mehrere Patches veröffentlicht, die einige Schwachpunkte angehen - doch es bleibt immer noch einiges zu tun. Mehr Infos zum aktuellen Patch 1.0.4 findet ihr hier.
Meinung
Norse: Oath of Blood wurde vom nordischen Entwicklerteam Arctic Hazard entwickelt. Die PC-Fassung ist seit dem 17. Februar 2026 über Steam, Epic Store und GOG verfügbar. Der Preis liegt bei rund 34 Euro.
Konsolenumsetzungen für PS5 und Xbox Series S/X sollen im Frühling erscheinen. Die Texte wurden ins Deutsche übersetzt, die Sprachausgabe ist auf Englisch. Wir prüfen derzeit, ob Norse: Oath of Blood auch auf dem Steam Deck vernünftig spielbar ist. Transparenzhinweis: Für diesen Artikel wurde uns eine testfähige Pre-Release-Version vom Publisher zur Verfügung gestellt.
