Mit den Miis prägte Nintendo über Jahre das Image der Firma. Auf der Nintendo Switch sind die Avatare jedoch kaum noch vertreten. Woran das liegt, klären wir in diesem Special.
Der Gedanke Nintendos war es, eine kinderfreundliche Plattform zu schaffen, auf der sich die Spieler über ihre Interessen austauschen und, wenn nötig, Hilfe beim Spielen bekommen konnten. Eine tolle Idee, die auch funktionierte - aber da kaum jemand die Konsole besaß, blieb natürlich auch der Erfolg des Miiverse hinter den Erwartungen zurück.
Nintendo sah zwar durchaus Potenzial in diesem Social-Media-Konzept und brachte es sogar noch per Update auf den 3DS, aber auch die Entwickler mussten irgendwann einsehen, dass das Konzept nicht so aufging, wie erhofft.
Das Miiverse wurde am 8. November 2017 abgeschaltet. Auf der zu Beginn desselben Jahres erschienenen Nintendo Switch wurde es gar nicht mehr umgesetzt. Mit dem Miiverse starb der letzte Versuch Nintendos, mithilfe der kleinen Kokeshi-Avatare ein soziales Netzwerk aufzubauen.
Generell treten die Miis seit der Switch immer mehr in den Hintergrund. Die Verantwortlichen scheinen ihre kleinen Maskottchen langsam aufzugeben. Wenn man sich die Firmenentwicklung und den Sinn der Nintendo Switch genauer ansieht, wird jedoch auch schnell klar, warum.
Switch-Miisere
Nach dem Fehlschlag mit der Wii U hat Nintendo die Firmenstrategie geändert. Wii, Wii U und 3DS waren sehr kindliche und familienfreundliche Konsolen und genauso wurden sie auch beworben. Bei der Switch sieht das ganz anders aus. Die Zielgruppe ist deutlich erwachsener und die gesamte Konzeptionierung war seit der ersten Ankündigung deutlich seriöser.
Quelle: Nintendo
Da passen die kleinen, puppenartigen Avatare einfach nicht mehr so richtig rein. Zwar gibt es immer noch einen Mii Maker, der auf der Switch sogar so viele Optionen wie noch nie bietet, dieser bekommt aber keinen extra Platz im Menü, sondern versteckt sich tief in den Einstellungen.
Einen wirklichen Nutzen haben die Kokeshi-Figuren jetzt auch nicht mehr. Zwar kann man sie immer noch als seinen Profilavatar benutzen, aber die Alternativen, die einem die Switch hier bietet, macht sie auch in dieser Rolle ziemlich überflüssig.
In den Spielen sieht das nicht anders aus. Nintendo setzt immer mehr auf individuelle, auf das jeweilige Franchise zugeschnittene Charaktere, anstatt eine Avatarvariante für alle Titel anzubieten. Zwar kann man seine Miis immer noch als Fahrer in Mario Kart 8 Deluxe, als Kämpfer in Super Smash Bros Ultimate oder als Charakter in New Super Mario Bros U Deluxe auswählen, bei allen drei liegen die Ursprünge aber bei der Wii U.
Und auch, was reine Mii-Spiele angeht, herrscht seit dem Ende von Wii U und 3DS Flaute. Klar, es gibt Miitopia, welches ja, wie bereits erwähnt, einen Nintendo-Switch-Remaster spendiert bekommen hat, aber das ist eine der wenigen, großen Ausnahmen.
Dass Nintendo die einstigen Aushängeschilder immer mehr ersetzen will, zeigt vor allem der Fall Nintendo Switch Sports. Denn welcher Titel könnte sich besser dafür eignen, die Miis zurückzubringen, als ein neuer Teil der Reihe, die die digitalen Ebenbilder damals eingeführt hat?
Bei der Ankündigung im Februar 2022 dürften die begnadeten Mii-Fans dann aber sehr enttäuscht in ihre Sitze gesunken sein. Denn im neuen Teil der Wii-Sports-Reihe spielen eigens designte, deutlich realistischere Avatare namens Sportsmates die Hauptrollen. Zwar kann man optional auch weiterhin mit seinen Mii-Charakteren spielen, die Körperproportionen bleiben aber menschlich und der Charme der alten Wii-Sports-Spiele geht dadurch verloren.
Ein Königreich für einen Mii
Die neue Schiene, die Nintendo seit dem Ende der Wii U fährt, ist zweifellos gut für die Firma, die Miis kostet das Rebranding jedoch Kopf und nicht vorhandenen Kragen. Eine seriöse und schlichte Konsole wie die Switch, die auf ein erwachseneres Publikum abzielt, bietet nun mal weniger Platz für kleine Spielereien wie individualisierbare, digitale Spielfiguren.
Der Erfolg bestätigt, dass dieser Weg richtig ist. Schließlich hat sich die Nintendo Switch auch mit deutlich weniger Mii-Power mindestens so oft verkauft, wie wir in diesem Artikel das Wort "Mii" verwendet haben. Es sieht also ganz so aus, als wären wir langsam aber sicher am Ende der Lebensspanne unserer Lieblings-Großkopfavatare angekommen.
Gerade für Spieler, die mit der Wii oder dem 3DS aufgewachsen sind, dürften die Miis immer ein Teil von Nintendo gewesen sein, weswegen deren schleichender Abgang für den ein oder anderen vielleicht verwunderlich sein mag.
Letztendlich ist die Mii-Phase aber auch das nur ein Teil der Entwicklungsgeschichte der Firma. Manchmal ist es besser, nicht zu sehr an Dingen festzuhalten, die früher einmal funktioniert haben, wenn das aktuelle Konzept ansonsten darunter leiden würde. Bei der Nintendo Switch war das auf jeden Fall der richtige Schritt.
Gut möglich, dass die kleinen Kokeshi-Begleiter irgendwann nur noch ein nostalgisches Kapitel in der großen Nintendo-Historie sein werden. Viele Fans werden jedoch bestimmt weiterhin viele positive Emotionen mit den Miis verbinden. Sei es, weil die Wii ihre erste Konsole war, oder weil sie sich und ihre gesamte Familie im Mii Editor nachgebaut haben und nun akzeptieren müssen, dass diese Miis bis ans Ende ihrer Tage in einer alten und irgendwann vergessenen Spielekonsole gefangen sein werden ...
