Nintendo und die Miis: Wie die hässlichen Avatare die Wii-Ära prägten

Special Nicolai Brülke Lukas Schmid
Nintendo und die Miis: Wie die hässlichen Avatare die Wii-Ära prägten
Quelle: Nintendo

Mit den Miis prägte Nintendo über Jahre das Image der Firma. Auf der Nintendo Switch sind die Avatare jedoch kaum noch vertreten. Woran das liegt, klären wir in diesem Special.

Auf dem 3DS war das Ganze komplizierter, denn bei Handhelds gestaltet sich das kooperative Spielen auf einer Konsole als schwierig. Nintendo hatte sich jedoch einige Dinge überlegt, um das Konzept der Miis weiter nutzen und relevant halten zu können.

Eines davon war die Street-Pass-Funktion. Wenn man sie aktivierte und das Gerät dann im Stand-by-Modus mit nach draußen nahm, konnte man Miis mit anderen Spielern austauschen, denen man auf der Straße über den Weg lief.

Das hatte aber nicht nur einen sammeltechnischen Zweck. Zusätzlich gab es nämlich die Mii Plaza, dank der man mit den getroffenen Miis interagieren und sie in verschiedenen Minispielen benutzen konnte.

Zudem war der 3DS die erste Konsole, auf der tatsächlich Spiele mit den Miis als Hauptprotagonisten erschienen. Davor waren die kleinen Avatare ja hauptsächlich Mittel zum Zweck, das änderte sich jedoch mit dem Release von Tomodachi Life.

Hier waren die Miis erstmalig die Hauptfiguren. Das Konzept ist ähnlich wie bei Animal Crossing. Ihr verwaltet eine Insel und könnt dort verschiedene Bewohner einziehen lassen. Der Clou dabei ist, dass jeder Bewohner durch einen Mii repräsentiert wird, der komplett selbst gestaltet werden kann.

Das bietet enorm viele Möglichkeiten. Ihr könnt nicht nur euch selbst und eure Freunde digital nachstellen, sondern auch alle möglichen Prominenten und fiktive Figuren. Mit der Zeit wird eure Insel erweitert und die verschiedenen Bewohner interagieren mit euch und untereinander, was für viele lustige Momente sorgt.

Gameplay-technisch ist das natürlich alles ziemlich simpel, aber wer entspannende und lustige Spiele zum Abschalten mag oder immer schon einmal zusammen mit Michael Jackson, Homer Simpson und Mr. Bean unter einem Dach leben wollte, der hat mit Tomodachi Life definitiv sein Spiel gefunden.

Wii Party Quelle: Nintendo Doch auch diejenigen, die lieber mehr Action haben wollen, wurden auf dem Mii-Spiele-Markt fündig. 2017 erschien Miitopia, welches sich in jeglicher Hinsicht von allen anderen vorangegangen Spielen mit den und über die kleinen Avatare unterscheidet. Es handelt sich hierbei nämlich um ein waschechtes RPG mit rundenbasierten Kämpfen - und eben mit Miis.

Ihr stellt euch eine eigene Truppe zusammen und macht euch auf den Weg, den bösen Dämon zu besiegen, der allen Bewohnern von Miitopia ihre Gesichter gestohlen hat. Dabei gibt es verschiedene Klassen und Charaktere, die von euch mit euren erstellten Miis besetzt werden müssen und verschiedene Fähigkeiten haben.

Auch hier können die Figuren untereinander interagieren und sich anfreunden oder eine Rivalität entwickeln, was sich auch auf die Kämpfe auswirkt. Durch diese kreativen Aspekte bieten Mii-Spiele durchaus ein sehr einzigartiges Spielerlebnis. Miitopia erhielt später sogar einen Remaster für die Nintendo Switch, Interesse an dieser Art von Unterhaltung scheint also durchaus weiterhin zu bestehen.

Miis als sozialer Klebstoff

Doch nicht nur auf Nintendos Konsolen waren die Miis vertreten, sie ebneten zusätzlich den Schritt auf den Mobile-Markt. Im März 2016 erschien mit Miitomo der Android- und iOS-Debüttitel aus dem Hause Nintendo (Pokémon als Marke ist nicht im alleinigen Besitz des Mario-Konzerns). Kern des Spiels war die soziale Interaktion mit anderen. Nachdem ihr euren Mii erstellt hattet, musstet ihr immer wieder Fragen von ihm beantworten.

Die Antworten auf die Fragen wurden dann an Freunde weitergeleitet. Ihr konntet also über eure Miis indirekt miteinander kommunizieren. Dieses Konzept sollte vor allem schüchternen Menschen helfen, soziale Kontakte zu knüpfen. Je mehr Fragen beantwortet wurden, desto mehr Münzen konntet ihr abstauben. Mit diesen konntet ihr dann neue Kleidung und Accessoires für euren Mii kaufen.

An sich eine nette Idee, die Inhalte der App waren jedoch leider genauso umfangreich, wie es sich anhört, weswegen der Support für Miitomo trotz eines wirklich guten Starts nur etwas mehr als zwei Jahre später eingestellt wurde.

Wii Sports Quelle: Nintendo Die Hochzeit der neuen Nintendo-Maskottchen war also ganz klar die 3DS-Ära und die Miis waren, trotz ihres simplen und von vielen Fans auch durchaus als hässlich angesehenen Designs, sehr beliebt. Wenig überraschend waren die ikonischen Avatare prädestiniert dafür, auch auf Nintendos nächster Heimkonsole eine wichtige Rolle einzunehmen.

Blöd nur, dass es sich dabei bedauerlicherweise um die Wii U handelte, einen der größten Flops, den Nintendo in der traditionsreichen Geschichte des Unternehmens jemals zu verzeichnen hatte.

Auf der neuen Heimkonsole, von der viele dachten, dass sie einfach nur eine neue Version der Wii sei, waren die Miis zwar weiterhin präsent, so viel wie auf den Vorgängerkonsolen bekam man hier aber bei Weitem nicht mehr von ihnen mit - vor allem deswegen, weil relativ bald der Software-Nachschob fehlte.

Während der ganzen Lebensspanne der Wii U erschienen nur drei Titel, in denen sie prominent zum Einsatz kamen: Wii Sports Club, Wii Fit U und Wii Party U. Wie die Namen es vermuten lassen, war zudem jeder dieser Titel ein Port bzw. Nachfolger eines Wii-Spiels, was nicht wirklich ein gutes Kaufargumente war.

Viel wichtiger waren die Miis auf der Wii U im Rahmen des Miiverse, Nintendos missglücktem Versuch, eine eigene Social-Media-Plattform für die Spieler aufzubauen.

Dort konnte sich jeder mit seinem Mii-Avatar ein Profil erstellen und Screenshots aus Spielen posten, Kunstwerke teilen oder sich mit anderen Nutzern austauschen. Das Ganze war in verschiedene Communitys unterteilt, damit jeder genau das finden konnte, was ihn interessierte. Viele Spiele, die für die Wii U erschienen, hatten eine Miiverse-Funktion implementiert, damit man direkt aus dem Spiel heraus Dinge posten konnte.

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