Nintendo Labo: Das Robot Kit im Test - Mit der Pappe auf Du und Du
Test
Nintendo Labo - das Robot Set im Test: Bau-Wahnsinn der ausgefeilten Art: Dank des Nintendo Labo Robot Kit kommen wir einem VR-Erlebnis auf Switch näher als jemals zuvor! Wir haben stundenlang Kartons zusammengesteckt, uns die fertige Pappkonstruktion umgeschnallt und getestet, wie viel Spaß es macht, als Roboter durch die Gegend zu stapfen. Die Antwort gibt's in unserem Review!
Erinnert sich noch jemand an Project Giant Robot? Dabei handelte es sich um ein angekündigtes Spiel für die Wii U, das bis zum unrühmlichen Ende der Konsole als "in Entwicklung" angegeben wurde. Wir durften den Titel auf einem Nintendo-Event sogar einmal selbst ausprobieren! Darin stapfte man als riesiger Roboter durch eine Stadt und verwandelte via Gamepad-Bewegungserkennung und Schultertasten Hochäuser, die Umgebung und andere Roboter in Schutt und Asche.
Die Wii U kam und ging und von Project Giant Robot ward nichts mehr gehört - bis zum April dieses Jahres. Da stellte Nintendo die beiden Labo-Sets vor und es war schnell klar, dass das Robot Kit das Endergebnis der langen und mysteriösen Project Giant Robot-Entwicklung ist. Tatsächlich hat sich am Grundkonzept zwischen der ersten Demo und dem finalen Produkt gar nicht mal so viel geändert - nur dass wir uns jetzt eben einen Papp-Rucksack umschnallen müssen, um spielen zu können. Jetzt ist das tolle Ding da und wir haben es mehrere Tage lang unter die Lupe genommen. Kann das an Kinder gerichtete Labo-Set überzeugen?
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Wir bauen uns einen Roboter
Quelle: PC Games
Unsere Bewegungen werden überraschend präzise auf den Bildschirm übertragen. Nicht schlecht für ein Gebilde, das lediglich aus dickem Papier und Schnüren besteht!
Bevor man loslegen kann, muss erst einmal gebastelt werden - und das ausführlich. Während wir uns beim Multi-Set entscheiden können, welches Spielzeug wir als Erstes bauen wollen, und wo jeder Bauvorgang etwa eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, erwartet uns beim Robo-Set stattdessen ein einziges, großes Spielzeug, ein Robo-Rucksack samt angeschlossenen Hand- und Fuß-Sensoren und Visier für den Kopf. Heißt im Klartext: Hier muss vor dem Spielspaß wirklich alles zusammengebaut werden. Angesichts der schieren Menge an Pappbögen, Schnüren, Leuchtklebern und mehr fühlt man sich dabei erst einmal etwas überrumpelt - bis man die dazugehörige Switch-Software startet. Die darin enthaltene digitale Aufbauanleitung ist nämlich extrem gut gelungen.
Quelle: PC Games
Angesichts der schieren Menge an Bastelmaterialien fühlt man sich zu Beginn des Bauprozesses etwas erschlagen. Bis man fertig ist, dauert es zudem gut vier, fünf Stunden.
Jeder noch so kleine Schritt wird haargenau erklärt, wir können das virtuelle Abbild der Bauteile frei vergrößern, verkleinern und drehen und durch die locker-flockigen Texte voller Wortwitze kommt der eigentlich sehr eintönige Vorgang ganz unterhaltsam daher. Allerdings braucht man schon reichlich Zeit zum Basteln. Im normalen Tempo benötigt man gut drei, vier Stunden, bis der Robo-Rucksack fertig vor einem steht. Schnell mal reinspielen, wenn man das Robot Kit zum Geburtstag geschenkt bekommt, ist also nicht drin! Je nachdem, wie viel Spaß man am Bauen hat, ist das freilich ein positiver oder ein negativer Aspekt der Labo-Erfahrung. Sehr positiv überrascht waren wir auf jeden Fall von der Verarbeitungsqualität der Karton-Vorrichtung. Kein Teil war auch nur ansatzweise falsch ausgeschnitten, alle Laschen, Löcher und Co. passen perfekt mit ihren Steck-Gegenstücken zusammen - geklebt muss gar nicht werden. Trotzdem beim Spielen ständig irgendwelche Teile aneinanderreiben, verrichtet unser Rucksack nach mehreren Tagen Dauereinsatz noch immer tadellos seinen Dienst und zeigt keine Verschleißerscheinungen.
Quelle: PC Games
Die ausschließlich via Switch-Software verfügbare digitale Bauanleitung ist ungemein gut gelungen und erklärt den Aufbauvorgang bis ins kleinste Detail.
Allerdings: Dadurch, dass das Robot Kit wirklich aus sehr vielen Einzelteilen besteht, wollen wir nicht ausschließen, dass irgendwann einmal eines der innen verbauten Teile den Geist aufgibt - und dann könnte das Reparieren etwas kompliziert ausfallen. Dafür, dass Nintendo uns hier im wahrsten Sinne des Wortes Pappe verkauft, kommt das Set jedoch extrem wertig daher. Lediglich der Tragekomfort lässt zu wünschen übrig - Karton-Riemen sind nun einmal nicht sonderlichbequemund der Rucksack drückt oft relativ hart auf den Rücken.
Do the Robot!
Quelle: PC Games
Wenn wir unser Papp-Visier senken, schaltet das Geschehen in eine Ego-Ansicht um. Das macht Laune, funktioniert aber nicht so präzise wie aus der normalen Perspektive.
Es ist wirklich ungemein beeindruckend, was die Entwickler technisch aus der völlig aus analogen Materialien bestehenden Konstruktion herausholen. Wir platzieren einfach die Joy-Cons der Switch in zwei Slots am Rücken und dem Robo-Visier. Diese reagieren auf unsere Bewegungen sowie dank spezieller weißer Sticker im Robo-Inneren via Infrarot auf verschiedene Manöver und interpretieren sie entsprechend. Als Spieler ziehen wir den Rucksack über, setzen das Visier auf, stecken die Füße in mittels Schnüren mit dem Rucksack verbundene Schlaufen und nehmen zwei ebenso verknüpfte Kartongriffe in die Hand. Anschließend können wir unsere Bewegungen fast eins zu eins auf unseren Roboter-Avatar auf dem Bildschirm übertragen. Und es ist wirklich beeindruckend, wie gut die Erkennung funktioniert! Wir gehen, schlagen, treten, weichen aus und noch viel, viel mehr. Unser Ziel im primären Spielmodus ist nämlich dasselbe wie auch zu Project Giant Robot-Zeiten: in einem offenen Gebiet alles kurz und klein schlagen!
Gebäude und andere Roboter warten auf unsere stählerne Faust - im wahrsten Sinne des Wortes, denn Widerwehr gibt es keine. Es geht alleine darum, im Rahmen eines Zeitlimits so viel Kram wie möglich zu zerstören. Am Ende gibt's einen Highscore. Verschiedene Areale, Feinde und mehr sind Fehlanzeige. Sehr schade. Die pure Freude an der Zerstörung lässt sich aber nicht abstreiten, zumal wir über ein ganz schön ausgeklügeltes Bewegungsrepertoire verfügen. Strecken wir die Arme zur Seite, können wir fliegen und Stampfattacken ausführen, gehen wir in die Knie, verwandeln wir uns in ein Auto und können mit Lasern um uns ballern. Transformers für Labo kann kommen! Aufgeladene Schläge und allerlei andere Manöver, die stets gut erkannt werden, runden das Geschehen
Im zweiten, interessanteren Spielmodus erlernen wir sogar noch weitere Bewegungen. In insgesamt 15 Herausforderungen müssen wir hier in linearen Levels mittels angegebener Manöver Feinde ausschalten. Als Belohnung winken die erwähnten neuen Bewegungen beziehungsweise Updates, welche diese schneller und mächtiger machen. Alles schön und gut, bis man merkt, dass es völlig egal ist, wie man die Missionen abschließt. Hauptsache, alle Feinde sind besiegt. Außerdem gibt es erneut keine Gegenwehr, wieder steht bloß der Highscore im Mittelpunkt und nach etwa einer Stunde hat man alle Aufgaben gemeistert. Aus der guten Idee hätte man mehr machen können.
Abseits der Metallschlachten
Quelle: PC Games
Ein kleiner, kompetitiver Modus hat es auch ins Spiel geschafft. Darin hauen wir und ein Freund, der auch den Papp-Rucksack besitzt, uns virtuell zu Robo-Schrott.
Als dritter Modus stehen uns kompetitive Schlachten zur Verfügung beziehungsweise EINE kompetitive Schlacht, denn verschiedene Spielmodi, Arenen oder Ähnliches gibt es auch hier nicht. Außerdem benötigt man natürlich einen zweiten Spieler mit eigenem Robot Kit an seiner Seite. Dann macht das Gekloppe vermutlich schon Spaß (wir konnten den Modus in Ermangelung eines zweiten Rucksacks noch nicht ausprobieren), wenngleich es eben keinerlei Varianz zu bieten hat. Auf einem quadratischen Feld geben wir uns auf die Metallrübe, bis einer der beiden Teilnehmer vom Feld geflogen ist - so simpel ist das Ganze. Zu guter Letzt können wir uns auch noch musikalisch austoben. Einer der Menüpunkte erlaubt es uns, den Robo-Rucksack in eine Art Instrument zu verwandeln, wobei die linke und die rechte Hand sowie die beiden Füße jeweils einen Ton erzeugen, wenn wir schlagen beziehungsweise treten. Zusätzlich können wir einige Aspekte wie die Tonhöhe oder den Klang verstellen. Klingt jetzt nicht ultraspannend und ist es auch nicht. Wenn man das Geklimpere und Getröte einmal ausprobiert hat, lässt man es anschließend wohl eher links liegen.
Wenig drin im Robo-Paket
Quelle: PC Games
Knien wir uns auf den Boden, so aktivieren wir die Auto-Funktion unseres Roboters. In bester Transformer-Manier rasen wir dann über die Arena und ballern herum.
Und das war's dann auch schon, was im Robot Kit steckt. Zusätzlich können wir uns noch unseren Kalorienverbrauch anzeigen lassen, in einem zugegebenermaßen gut gemachten Text-Tutorial alles zu den verschiedenen Elementen des Sets und ihren Funktionsweisen nachlesen und die Farbe unseres Roboters verändern - stilecht mit Kartonschrauben, die wir in Löcher in der Schachtel stecken und anschließend zur Farbauswahl drehen müssen. Wenn man nicht selbst aktiv werden und eigene Spielzeuge programmieren will (siehe Abschnitt - Mach's dir selbst), dann hat man hier aber innerhalb kürzester Zeit alles gesehen, was das Set zu bieten hat. Anschließend kann man lediglich noch Aufgaben wiederholen oder versuchen, in den verschiedenen Modi des Spiels seine eigenen Highscores zu übertrumpfen.
Somit ist das Nintendo Labo (jetzt kaufen 115,55 € ) Robot Kit am Ende des Tages vor allem zwei Dinge: einerseits ein mit der typischen Nintendo-Qualität gefertigtes Produkt für Kinder, die trotz der schnell monoton werdenden Aufgaben hier wohl deutlich mehr Spielspaß herausholen können als der durchschnittliche Erwachsene; andererseits ein beeindruckendes Proof of Concept, das zeigt, was technisch mit simplen Methoden alles möglich ist, wenn man die vorhandenen Mittel kreativ einsetzt. Trotz anfänglicher Skepsis blicken wir der Labo-Zukunft nun optimistisch entgegen. Denn auch wenn der erste Versuch einer tiefgründigeren Spielerfahrung nicht perfekt gelungen ist, ist das vorhandene Potenzial groß. Von einer Wertung sehen wir im Falle von Labo aufgrund des ungewöhnlichen Konzepts und der klaren Zuschneidung auf eine Zielgruppe übrigens ab.
Mach's dir selber: Papp-Basteleien mit der Toy-Con-Garage
Sowohl in der Software des Multi-Kits als auch des Robot Kits ist die sogenannte Toy-Con-Garage, mit der wir selber Spielzeuge programmieren können. Wir haben sie uns angeschaut und versucht, unser eigenes Pappkarton-Erlebnis zusammenzuschustern!
Quelle: PC Games
Die Toy-Con-Garage bietet vielfältige Einstellungsmöglichkeiten.
Direkt im Menü des Spiels anwählbar und inhaltsgleich auch im Multi-Set enthalten - dieser Abschnitt des Artikels gilt also für beide Nintendo Labo-Versionen - findet sich die sogenannte Toy-Con-Garage. Dabei handelt es sich um die Labo-Version eines Editors. Mit simplen Wenn-dann-Befehlen kann man hier einzelne Controller-Elemente wie die Vibrationsfunktion, die Infrarot-Kamera und mehr frei beeinflussen und auf diese Weise eigene Spiele basteln - entweder mithilfe beiliegender Pappformen und der Spielzeuge wie dem Robo-Rucksack oder dem Piano oder aber freilich mit selbst erstellten Karton-Kunstwerken. Es ist unglaublich, was sich hier, kreatives Talent vorausgesetzt, alles machen lässt! Allerdings funktioniert die Toy-Con-Garage ganz schön kompliziert. Der Großteil der eigentlichen Labo-Zielgruppe, Kinder, wird mit ihr wohl nicht viel anfangen können, sodass das Joy-Con-Programmieren vor allem für ältere Bastler interessant ist. Außerdem kommt die Aufmachung wirklich sehr minimalistisch daher und die Aufklapp-Menüs erinnern an alte Windows-Betriebssysteme.
