Nintendo Labo: Nintendo-Pappe in der Vorschau - Was taugt's?
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Dass Nintendo anders ist als seine Branchenkonkurrenz, wissen Fans des japanischen Unternehmens nicht erst seit gestern. Das beweisen die Japaner mit Nintendo Labo mal wieder aufs Neue. Was steckt hinter den Sets aus Pappe? Was erwartet euch mit Labo eigentlich genau? Und was zur Hölle hat sich Nintendo dabei eigentlich gedacht?
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Spiele aus Pappe? Diese Frage stellten sich sicher einige Nintendo-Fans, als Big N vor kurzem Nintendo Labo (jetzt kaufen 115,55 € ) vorstellte. Bei der neuen Produktlinie handelt es sich um eine Kombination aus Bastel- und Spieleerlebnis, die zusammen mit der Switch erst zum Leben erwacht. Das soll laut Nintendo für Kreativität und Spielspaß sorgen. Die interaktiven Bausätze namens Toy-Con verschmelzen hier mit den Switch-Joy-Con und werden so zu einem interaktiven Erlebnis, den Sensoren und anderen Funktionen der Controller sei Dank. Wie funktioniert das?
Von A wie Auto bis K wie Klavier
Zur Erstveröffentlichung am 27. April 2018 erscheinen zwei Sets. Sie enthalten neben Pappe auch alle anderen Bastelutensilien, die ihr benötigt, um beispielsweise ein ferngesteuertes Auto, ein Klavier oder einen Roboter zu basteln. Habt ihr ein Konstrukt fertiggestellt, platziert ihr die Joy-Con an den vorgesehenen Stellen, steckt die beliegende Switch-Softwarekarte in die Konsole und legt los. Das Auto beispielsweise steuert ihr über den Touchscreen der Switch, das Fahrzeug selbst bewegt sich auf Grundlage der Controller-Vibration fort. Gleichzeitig nimmt der Infrarotsensor des rechten Joy-Cons seine Umgebung wahr und zeigt euch sie als Nachtsichtbild oder Wärmebild auf dem Bildschirm der Switch an. Klingt ziemlich abenteuerlich, ist es auch, funktioniert aber erstaunlich gut. Das behauptet zumindest ziemlich einstimmig der Teil der Presse, der Nintendo Labo schon ausprobieren durfte, was vor allem im englischsprachigen Raum der Fall ist. Wir durften bisher leider nicht ran, holen das aber bald nach.
Quelle: Nintendo
Beim Klavier habt ihr nicht nur 13 Tasten zur Verfügung, die dank Infrarotsensor zuverlässig erkannt werden, sondern auch Regler für neue Soundeffekte und Töne.
Besonders beeindruckend ist der Roboteranzug, der so groß ist, dass er in einem eigenen Set veröffentlicht wird. Habt ihr ihn zusammengebaut, legt ihr ihn an und steuert anschließend auf der Switch beziehungsweise dem Fernseher einen gigantischen Roboter und zerstört die Stadt. Um zwischen einer First-Person- und einer Third-Person-Ansicht zu wechseln, klappt ihr einfach das Pappvisier herunter. Geht ihr in die Knie, faltet sich der virtuelle Roboter Transformer-mäßig zu einem Fahrzeug zusammen. All das funktioniert unseren ersten Eindrücken nach sehr akkurat, zuverlässig und schnell, was der modernen Technik der Joy-Con zu verdanken ist. Eine zentrale Rolle spielt dabei der multifunktionale Infrarotsensor des rechten Joy-Cons, der verschiedene Bewegungen wahrnimmt. Beim Klavier beispielsweise erkennt der Controller so die gedrückten Tasten und gibt einen entsprechenden Ton aus. Zum allerersten Mal also können die Joy-Con ihr volles Potenzial ausschöpfen; mehr noch als bei 1-2-Switch.
Wer ist die Zielgruppe?
Quelle: Nintendo
Mit dem Haus könnt ihr auf vielfältige Art und Weise interagieren, beispielsweise die Bewohner füttern oder Portale öffnen. Erinnert an bisschen an Tamagotchi.
Was will Nintendo mit der Veröffentlichung von Labo bezwecken beziehungsweise wen will es erreichen? Nun, die Switch verkauft sich bisher nicht nur prächtig, sie hat auch eine noch immer recht beschränkte Zielgruppe. So sind die meisten Käufer bisher Männer im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30. Abseits davon verkauft Nintendo natürlich auch Switch-Konsolen, aber in deutlich geringerer Menge. Mit Labo will Nintendo laut eigener Aussage "[...] der Philosophie des Unternehmens entsprechend, Menschen ein Lächeln auf das Gesicht zaubern." und natürlich auch neue Käufergruppen erreichen. Dazu gehören vor allem bastelfreudige Personen, Kinder und deren Eltern. Viele Reaktionen auf Social-Media-Plattformen nach Bekanntgabe von Nintendo Labo schienen genau diesen Plan aufgehen zu lassen. Nintendo ist eben anders als alle anderen.
Nintendo und das Spielzeug
Nicht vergessen darf man auch Nintendos Ursprung. Big N wurde 1889 nämlich als Produzent klassischer japanischer Spielkarten gegründet. Natürlich lebt die Firma seit vielen Jahrezehnten vom Videospielgeschäft, doch auch heute noch werden die Karten produziert. Außerdem versuchte sich Nintendo in den 1970er-Jahren mehr oder minder erfolgreich an diversem Plastikspielzeug. Nintendo hat also mehr mit Spielzeug gemein, als man zunächst glauben würde. Eine gewisse Expertise bei der Herstellung solcher Produkte sollten die Japaner also haben.
Berechtigte Bedenken
Direkt nach der Präsentation von Labo wurden viele Bedenken laut. So sei beispielsweise der Preis zu hoch. Klar, 70 beziehungsweise 80 Euro für die ersten Sets sind ein stolzer Preis, dafür enthält aber vor allem das Multi-Set gleich viele verschiedene Bausets, zudem liegt auch immer eine Switch-Karte mit Software bei. Dank Toy-Con Garage habt ihr zudem die Möglichkeit, euch eigene Konstrukte einfallen zu lassen und umzusetzen. Dabei handelt es sich um eine Software für die Switch, ein einfaches Programmier-Tool, das auf vorgefertigten Bausteinen namens "building blocks" basiert. Dabei handelt es sich großteils um einfache "if/then"-Befehle, also zum Beispiel: drücke Button A, dann vibriert der rechte Joy-Con. Natürlich könnt ihr auch dabei alle Möglichkeiten der Switch und ihrer Controller nutzen, also auch den Infrarotsensor beispielsweise als Nachtsichtkamera. Damit eröffnet Toy-Con Garage unglaublich viele Möglichkeiten, mit eigener Pappe und Ideen kreativ zu werden.
Quelle: Nintendo
Der Roboteranzug scheint sehr aufwendig zu sein, besticht aber mit viel Liebe zum Detail.
Auch die Haltbarkeit wird in Frage gestellt. Darüber kann natürlich nur die Zeit entscheiden, grundsätzlich ist Pappe aber recht widerstandsfähig, es gibt ja sogar Möbel aus diesem Material. Umweltfreundlicher als Plastik sind Kartons allemal, zudem könnt ihr einzelne Teile mit Pappe aus dem eigenen Abfall ersetzen. Langzeitspaß, ebenfalls ein Kritikpunkt, kann durch bloßes Spielen mit den Sets von Nintendo sicher kaum geboten werden, durch eigene Ideen und Toy-Con Garage aber schon. Zudem ist es recht wahrscheinlich, dass Nintendo in Zukunft noch weitere Sets veröffentlicht.
Großes Potenzial
Nintendo Labo, obwohl wir die neue Produktlinie noch nicht ausprobieren konnten, scheint großes Potenzial zu besitzen. So kann Nintendo eine große neue Zielgruppe erreichen und neue Kunden an Nintendo als familienfreundliches und kreatives Unternehmen binden. Das sorgt kurzfristig für zusätzlichen Absatz von Switch-Konsolen, langfristig für neue Nintendo-Fans. Durch die Möglichkeit, mit eigenen Ideen und Basteleien sowie Toy-Con Garage kreativ zu werden, eröffnen sich zudem so viele Möglichkeiten, dass sogar beruflich kreativ arbeitende Leute etwas mit Labo anfangen können. Dazu muss Nintendo freilich auf die richtige Marketingstrategie setzen und das System stetig weiter entwickeln.
