Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co.

Special Johannes Gehrling
Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co.
Quelle: Apple

Nintendo ist derzeit mit der Switch sehr erfolgreich und verkauft die Konsole millionenfach, auch Mobile-Games generieren ordentliche Umsätze - es läuft gut für das Unternehmen, nachdem es zur Zeit der Wii U nicht so rosig für die japanische Firma aussah. Doch was macht eigentlich die Konkurrenz? Ein Blick über den Tellerrand aus Sicht eines Nintendo-Spielers.

Als die Switch im März 2017 erschien, befand sich Nintendo in angespannten Zeiten. Der 3DS lief zwar gut, mit der Wii U ließ das Unternehmen aber gerade erste einen grandiosen Flop hinter sich - das Heimkonsolen-Business lag mehr oder minder am Boden. Seit der Vorstellung der neuen Hybrid-Konsole Ende 2016 blickten viele Nintendo-Fans zwar wieder voller Hoffnung auf die Zukunft, vielerseits war man sich aber auch unsicher, ob die Switch ein Erfolg werden kann. Mittlerweile wissen wir es besser und Nintendo ist wieder zu altem Erfolg erwachsen, denn die Switch verkauft sich durchgehend gut und Spiele für die Plattform ebenso. Doch wie sieht es eigentlich bei der Konkurrenz aus? Next-Gen, Spiele-Flatrates, Game-Streaming, 4K und HDR, Ray-Tracing ... das sind nur einige Stichworte, die in der heutigen und baldigen Gaming-Welt eine zunehmend wichtige Rolle spielen, bei Nintendo aber (bisher) kaum. Wagen wir deshalb einen Blick über den (Nintendo-)Tellerrand - was geht gerade so ab bei Sony, Microsoft, Google, Apple und Co.?

Sony: PS4/5 & PS Now

Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (5) Quelle: Sony Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (5) Der Nintendo-Konkurrenz Sony ist im Gegensatz zum Mario-Unternehmen zwar breiter aufgestellt und nicht nur im Gaming-Bereich umtriebig, sondern bietet auch viele weitere Produkte wie Fernseher oder Smartphones an, ein beachtlicher Teil des jährlichen Umsatzes stammt aber mittlerweile aus der Game-Sparte. Kein Wunder, hat Sony mit der Playstation doch eine seit mittlerweile mehreren Jahrzehnten sehr erfolgreich laufende Konsole mit mehreren Generationen und auch Handheld-Ablegern im Angebot. Apropos Handheld: Die Produktion der PS Vita wurde 2019 nach "nur" rund 15 Millionen verkauften Einheiten eingestellt und stellt damit den größten Flop im Playstation-Bereich dar. Sony plant deswegen auch derzeit keine weitere Handheld-Konsole.

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Umso besser läuft es dafür aber mit der Playstation 4. Die im November 2013 erschienene Heimkonsole hat im Sommer 2019 die magische Marke von 100 Millionen verkauften Einheiten überschritten und ist damit ein voller Erfolg. Für Ende 2020 steht mit der PS5 bereits die nächste Generation offiziell in den Startlöchern und soll dank SSD-Speicher und potenter Hardware einen weiteren großen Sprung bei der Leistung machen. Nicht zuletzt ist Sony mit Playstation Now seit einigen Jahren auch im Spiele-Streaming und -Flatrate-Business tätig. PS Now umfasst derzeit rund 650 Spiele von PS2, PS3 und PS4 inklusive dreimonatig rotierender aktueller Blockbuster wie GTA5 oder God of War. Der Clou: Alle Spiele lassen sich auf die PS4 streamen beziehungsweise teilweise auch herunterladen und offline genießen, doch auch auf Windows-PCs läuft der Dienst, was Playstation-exklusive Spiele abseits Sonys eigener Hardware spielbar macht. Der günstige Preis, der erst im Oktober 2019 deutlich gesenkt wurde, tut sein Übrigens für einen Service, der durchaus das Potential hat, zusammen mit der Playstation 5 in Zukunft noch deutlich relevanter zu werden.

Microsoft: Xbox Scarlett & Game Pass

Ebenfalls ein Big-Player im Spielebusiness ist Microsoft. Das US-amerikanische Unternehmen besitzt gegenüber Nintendo als auch Sony einen entscheidenden Vorteil: Es ist nicht von seinem Gaming-Business abhängig. Cloud-Services, Betriebssysteme, Software, Office, Business-Kunden und Co. spülen weiterhin Quartal für Quartal Milliardenumsätze in die Unternehmenskassen, die Spiele-Sparte muss daher nicht unbedingt profitabel sein, zumindest noch nicht. Tatsächlich ist Microsoft mit der aktuellen Xbox One auch nicht so erfolgreich wie Sony, rund 45 Millionen Mal ging die Konsole bisher über die Ladentheke, diesen Wert dürfte die Switch bereits bald überholen. Wie auch die PS4 ist die Xbox One im November 2013 erschienen und ebenfalls wie Sony bringt Microsoft Ende 2020 die nächste Konsolengeneration heraus - derzeit noch unter dem Projektnamen "Xbox Scarlett" bekannt.

Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (3) Quelle: Microsoft Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (3) Doch das Unternehmen aus Redmond bietet auch eine Spieleflatrate namens Xbox Game Pass an. Zum vergleichsweise sehr günstigen Preis bietet Microsoft über 100 Spiele an, darunter viele aktuelle Titel und sofort zum Release neue Microsoft-Games. Der Service lässt sich auf der Xbox One, auf dem PC mit Windows oder auf beiden Plattformen gleichermaßen nutzen. Streaming bietet Microsoft hierbei im Gegensatz zu Sony nicht an, alle Spiele des Angebots werden also auf das jeweilige Gerät heruntergeladen und von der Hardware selbst ausgeführt. Dafür laufen sämtliche Spiele offline, was beim Sony-Angebot nur für ausgewählte Titel möglich ist.

Google: Stadia & Play Pass

Auch der Internet-Gigant Google mischt neuerdings am Gaming-Markt mit. Mit welcher Relevanz ist derzeit noch nicht absehbar, doch das Unternehmen hat Großes vor. Einerseits hat Google mit Stadia einen Spiele-Streaming-Service im Angebot, bei dem alle Games auf Servern in Rechenzentren berechnet werden. Das Spielen ist auf unterschiedlichen Geräten möglich und benötigt keine große Leistung: Chromecasts, TVs, Smartphones, Tablets, Laptops und PCs dienen als Spielgerät, die Eingabe ist über Maus und Tastatur, den speziellen Stadia-Controller oder auch alle anderen Gamepads möglich. Bei Stadia handelt es sich aber nicht um eine Spiele-Flatrate wie bei PS Now oder Xbox Game Pass. Stattdessen muss man einzelne Titel käuflich zum Vollpreis erwerben. Dafür wird aber auch keine monatliche Gebühr fällig, um die Spiele streamen zu können. Ein Abo für rund zehn Euro gibt es zwar, das ist aber optional und beinhaltet neben ein paar kostenlosen Titeln vor allem die Möglichkeit, mit bis zu 4K, HDR sowie Dolby Surround 5.1 zu spielen. Während das kostenpflichtige Pro-Angebot für Vorbesteller einer speziellen "Founder's Edition" Mitte November 2019 an den Start geht, ist der Release der kostenlosen Basis-Variante für Anfang 2020 vorgesehen. Im Zuge von Stadia hat Google auch die Entwicklung eigener Videospiele angekündigt, das erste "Stadia Studio" wurde im Oktober 2019 in Kanada eröffnet. Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (2) Quelle: Google Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (2)

Mit dem sogenannten Play Pass hat Google außerdem auch eine Flatrate für Android-Spiele und -Apps im Angebot. Play Pass ist seit Oktober 2019 in den USA und anderen Märkten verfügbar, in Deutschland derzeit aber noch nicht, und beinhaltet neben Mobile-Games und Apps auch einige Indie-Titel wie Stardew Valley und ältere Multiplattform-Games.

Apple Arcade

Nicht nur Google ist ein noch recht junger Player am Spielemarkt, auch Apple mischt seit kurzem mit. Im Angebot hat das iPhone-Unternehmen mit Apple Arcade eine Spiele-Flatrate zum günstigen Preis, die Games laufen auf iPhones, iPads, Macs und Apple TV. Der im September gestartete Dienst umfasst Mobile-Games, Indie-Titel, Exklusivspiele und Multiplattform-Games. Apple hat im Vorfeld viel Geld in die Hand genommen, um einige Titel zeitlich exklusiv für den eigenen Service einzukaufen, diese Spiele dürfen erst nach einer festgelegten Frist auch für andere Plattformen erscheinen. Ganz ähnlich also wie es Epic Games, das Unternehmen hinter Fortnite, mit dem eigenen Epic Games Store macht. Vorteil für Entwickler: Sie bekommen eine festgelegte Summe Geld, unabhängig vom tatsächlichen Erfolg des Spiels. Apple verspricht, bei Games im Apple-Arcade-Angebot auf In-Game-Käufe, Mikrotransaktionen und Co. zu verzichten. Mobile-Games des Angebots, die normalerweise auf diese Monetarisierungsmodelle setzen, werden für Arcade entsprechend angepasst. Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (1) Quelle: Apple Erfolgskonzept Switch: Was macht eigentlich Nintendos Konkurrenz? - Next-Gen und Co. (1)

Nvidia Shield

Nvidia ist seit vielen Jahren, vor allem dank seiner leistungsstarken Grafikkarten, weithin bekannt unter Spielern, ganz besonders unter PC-Gamern. Auch das Herzstück der Nintendo Switch, der Nvidia Tegra X1, das verrät schon der Name, stammt vom kalifornischen Unternehmen. Nvidia stellt aber auch komplette eigene Spielekonsolen her, die unter dem Namen Nvidia Shield vermarktet werden. So erschien schon vor einigen Jahren eine Handheld-Konsole mit diesem Namen und Android als Betriebssystem, neben dem eigenen Spieleangebot laufen auf dem Gerät daher auch für Android und im Google Play Store verfügbare Spiele. Die Handheld-Variante wird aber nicht mehr vom Hersteller unterstützt, nach wie vor bietet Nvidia aber mit Shield TV eine Heimkonsolen-Variante des gleichen Konzepts an. Auch am TV bietet Nvidia TV neben einem eigenen Angebot Spiele für Android und aus dem Google Play Store, beispielsweise auch viele Indie-Titel oder Fortnite.

Starke Konkurrenz?

Ordentlich Konkurrenz also für Nintendo, oder? Ja und nein. Natürlich steht Nintendo mit seiner Hybrid-Konsole automatisch im Wettkampf mit allen Geräten und Diensten, die ähnlich sind. Heißt einerseits: mit Handhelds. Hier ist die Konkurrenz aber insofern überschaubar, als dass mit der PS Vita die letzte direkte Handheld-Konkurrenz bereits zu Grabe getragen wurde. In dieser Hinsicht muss sich die Switch vor allem mit Apple Arcade sowie Google Stadia messen, da beide Services nicht nur, aber auch auf mobilen Geräten laufen. Etwas anders sieht es mit der Switch als Heimkonsole aus. Hierbei steht das Gerät natürlich in Konkurrenz mit (noch) PS4 und Xbox One, ab Ende 2020 dann mit den Nachfolgemodellen der beiden Konsolen.

Wenig Konkurrenzdruck dürfte Big N aktuell (noch) bei Spiele-Flatrates und -Streaming haben. Erste Schritte in diesem Terrain wagt Nintendo bisher lediglich mit den NES- sowie SNES-Titeln für die Switch, beim Streaming ist das Unternehmen aktuell gar noch gar nicht am Endkundenmarkt tätig. Man darf aber auch nicht vergessen: Wohl wie kein zweites Unternehmen besitzt Nintendo ein extrem starkes und beliebtes eigenes Franchise-Line-up mit Mario, Zelda, Metroid, Pokémon, Donkey Kong, Kirby und Co. - hier hat die Konkurrenz tatsächlich kaum etwas entgegen zu setzen. Außerdem ist der Spielemarkt insgesamt heutzutage deutlich größer und globaler als noch vor 20 Jahren. Die Spielerschaft ist riesig, weil heute sehr viele Leute spielen, deswegen ist der Markt auch groß genug für viele (große) Player gleichzeitig. Nintendo kann also weiterhin erfolgreich sein, auch wenn mehr und mehr Flatrates und Streaming-Services an den Start gehen und auch wenn Sony und Microsoft ihre nächsten Heimkonsolen veröffentlichen.

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