Nier Automata im Switch-Test: Existenzkrise für die Hosentasche

Test Stefan Wilhelm
Nier Automata im Switch-Test: Existenzkrise für die Hosentasche
Quelle: Platinum Games / Square Enix

Eines der bestenSpiele der letzten Konsolengeneration ist jetzt für Nintendo Switch verfügbar: Nier Automata. Wie gut ist der Port gelungen? Test!

Aus diesem System ergibt sich allerdings auch eine der größten Schwächen des Spiels: Es dauert zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nicht lange, bis ihr durch die Vorteile der Chips quasi unbesiegbar werdet. Vor allem die prinzipiell cool designten Bosskämpfe können dadurch ordentlich an Reiz verlieren. Auf "Schwer" zu stellen, schafft kaum Abhilfe, denn auch dort gerät die Balance schnell aus den Fugen: Manche Gegner töten euch mit einem einzigen Angriff und die Shoot-em-Up-Einlagen sind ohne die richtigen Chips kaum zu schaffen - blöd, dass ihr euer Setup nur zu Fuß ändern könnt! Kurz gesagt: Das Spiel ist entweder zu leicht oder zu schwer, eine angenehme Mitte erreicht es nur selten.

Auch technisch gesehen ist Nier: Automata seit jeher kein perfektes Stück Software. Trotz seiner recht altbackenen Optik verlangt das Spiel ordentlich Hardware-Power, was vermutlich der aufwendigen globalen Beleuchtung der Spielwelt und der schieren Masse an Objekten in bestimmten Szenen geschuldet ist. Auf den Basiskonsolen der letzten Generation peilte das Spiel 60 Bilder pro Sekunde bei einer Auflösung von 900p an, eine wirklich konstante Bildrate wurde aber nur selten erreicht.

Schärfer, aber langsamer

Die Switch-Version ist ihren Kollegen nun sogar in einem Punkt voraus: Im TV-Modus läuft das Spiel in etwas schärferer 1080p-Auflösung, im Handheld-Betrieb werden 720p ausgespielt. Logischerweise musste Port-Entwickler Virtuos aber einige Einstellungen herunterregeln, um diese Resultate zu erreichen: Umgebungstexturen sind stark vereinfacht und sehen mancherorts fast wie einfarbige Flächen aus.

Volumetrische Beleuchtungseffekte sind stark reduziert und entfernte Objekte poppen gerne mal abrupt ins Bild. Insgesamt sieht das Spiel trotzdem besser aus als Platinum Games' gerade veröffentlichtes Bayonetta 3, das Bild ist insgesamt schärfer und ruhiger.

Weil hier immer noch Platinum Games am Werk ist, geizt das Spiel nicht mit Action-Setpieces. Manche eurer Gegner sind hunderte Meter groß.  Quelle: PC Games Weil hier immer noch Platinum Games am Werk ist, geizt das Spiel nicht mit Action-Setpieces. Manche eurer Gegner sind hunderte Meter groß. 

Erkauft wird das allerdings mit einer deutlichen Einschränkung: Nier läuft auf der Switch mit maximal 30 Bildern pro Sekunde und landet in actionreichen Sequenzen auch gerne mal drunter. Das ist nun kein totaler Beinbruch, aber bei einem so schnellen, dynamischen Titel nagt die niedrige Bildrate doch spürbar am Spielerlebnis.

Die Switch-Fassung spielt sich nicht so direkt und fluffig wie die anderen Versionen. Als kleines Trostpflaster spendiert euch die fair bepreiste End-of-Yorha-Edition dafür ein paar schicke kosmetische Items und Kostüme, die es nur auf der Switch gibt.

An Bord der Flugmaschinen-Mechs wird Nier: Automata vollends zum Shoot 'em Up. Selbst hier kriegen die Entwickler noch Gameplay- und Perspektivwechsel unter. Quelle: PC Games An Bord der Flugmaschinen-Mechs wird Nier: Automata vollends zum Shoot 'em Up. Selbst hier kriegen die Entwickler noch Gameplay- und Perspektivwechsel unter.

Spielt dieses Spiel!

Multiplattform-Zockern würden wir also eher eine der anderen Fassungen ans Herz legen und einen Zweitkauf rechtfertigen die Kosmetik-Items kaum. Habt ihr Nier: Automata aber bisher verpasst oder seid exklusiv auf der Switch unterwegs, dann muss dieses Meisterwerk in jede gut sortierte Spielesammlung. Trotz der halbierten Bildrate hat Virtuos einen respektablen Port abgeliefert und die Balancing-Probleme tun den überragenden Qualitäten des Spiels kaum einen Abbruch.

Meinung

Wertung zu Nier: Automata (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Fantastische Geschichte voller Wendungen und TiefgangPhänomenaler Soundtrack, der das Spielerlebnis wirklich bereichertUnverbrauchtes Setting mit schrägen, liebenswerten FigurenAbwechslungsreicher Gameplay-Mix, der toll funktioniertSpielt gekonnt mit Eigenheiten des MediumsSpaßiges, befriedigendes KampfsystemFlexible Upgrade-MechanikGelungene, hübsche Portierung …
… die sich wegen der niedrigeren Bildrate spürbar schwächer spielt als auf anderen PlattformenUnausgegorenes Balancing macht das Spiel entweder zu leicht oder zu schwerNebenquest-Design schwanktViel Wiederholung zwischen erstem und „echtem“ Ende

Nier: Automata - The End of YoRHa Edition ist am 06. Oktober zum Preis von 40 Euro für Nintendo Switch erschienen. Neben der digitalen Version ist auch eine physische Box mit Wendecover verfügbar. Den DLC mit den Switch-exklusiven Kostümen und Accessoires könnt ihr kostenlos im eShop herunterladen.

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