Publisher Nacon im Blick: Nische statt Einheitsbrei sagt Ubisoft-Formel den Kampf an

Special Antonia Dreßler
Publisher Nacon im Blick: Nische statt Einheitsbrei sagt Ubisoft-Formel den Kampf an
Quelle: Daedalic Entertainment

Große Videospielproduktionen oder doch lieber kleine und feine Indie-Titel? Dazwischen liegt das oft vergessene Segment der Double-A-Spiele, von etablierten Studios, die mit kleinen Budgets haushalten müssen. Als Publisher schreibt sich Nacon auf die Fahne fast ausschließlich in diesem Rahmen zu produzieren, was für die Spieler sowohl Vor- als auch Nachteile bringen kann.

Bei 31 Grad im Schatten ist es eine Wohltat, zur Pressekonferenz in den Keller geleitet zu werden, wo eine Klimaanlage für den nötigen Temperatursturz sorgt, um den Studioleitern des französischen Publishers Nacon zuhören zu können. Seit drei Jahren kauft das Unternehmen verschiedene Double-A-Studios ein, mit dem festen Plan sich den Sektor der mittleren Budgets zu eigen zu machen. So finden sich auf der Bühne die Repräsentanten von Spiders, Rogue Factor und KT Racing, die sich alle einig sind, dass Nacon ein großer Gewinn für ihr jeweiliges Studio ist. Wie genau die Abläufe hinter den Kulissen sind, können wir freilich nicht beurteilen, ziemlich außergewöhnlich ist Nacons Vision aber definitiv schon.

Bereits 15 kleine bis mittelständige Studios hat man schon unter dem Mutterschiff zusammengetragen und möchte durch den Fokus auf den Double-A-Markt neue Möglichkeiten eröffnen. So sollen die Studios die Chance haben, spezialisierte Titel ohne allzu breite Zielgruppe zu entwickeln. Diese Spiele kosten dann im Normalfall nicht den Preis eines Vollpreistitels, aber müssen dafür im Umkehrschluss mit geringeren Budgets auskommen. Das klingt nach einem guten Deal, wenngleich das natürlich nicht bedeutet, dass auch immer automatisch absolute Toptitel entstehen. Manchmal treffen zu hohe Ambitionen dann auf doch zu geringe Mittel.

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Herausforderungen von Double-A

Greedfall etwa ist ein solides Rollenspiel, etwas mehr Budget und Zeit hätten das Spiel aber sogar zum absoluten Highlight machen können. Und auch Werewolf The Apocalypse: Earthb lood hatte damit zu kämpfen, dass manche Mechaniken nicht ausgereift genug waren. Andere Titel wie WRC mausern sich zwar zu sehr beliebten Genrevertretern und beweisen, dass hier definitiv Know-how existiert - manchen Titeln merkt man aber leider an, dass sie mit mehr Zeit und Geld zu absoluten Spielebomben avancieren könnten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Spiele sind meistens gut und verfügen über viel Potenzial, es fehlt nur teilweise die nötige Politur.

Greedfall hätte mit mehr Zeit und Liebe ein absolutes Highlight werden können. Quelle: PC Games Hardware Greedfall hätte mit mehr Zeit und Liebe ein absolutes Highlight werden können. Nacon wird diesem Pfad in Zukunft definitiv noch weiterverfolgen. Das ist auch daran erkennbar, dass Studio Spiders nicht nur an Greedfall 2 arbeitet und seine Ressourcen auf ein einzelnes Projekt konzentriert, sondern seine Produktionskräfte aufteilt und gleichzeitig Steelrising produziert. Daran allein lässt sich natürlich noch nicht ablesen, wie viel Zeit und Mittel letztlich in den Nachfolger des Rollenspiels Greedfall gesteckt wird.

Potenzial und Mittel sind auf jeden Fall da und Nacon hat die Chance, hier eine Fortsetzung zu schaffen, die die Ansätze des ersten Teils perfektioniert. Das "System Double-A" hat, wie der Publisher selbst sagt, viele gute Seiten.

Möglichkeiten von Double-A

Kleinere Spiele müssen nicht jeden ansprechen und so können Entscheidungen und Mechaniken in das Spiel implementiert werden, die nicht jedermanns Geschmack sind, den Spielemarkt aber durchaus auflockern. Das aktuellste Beispiel stellt das bereits genannte Steelrising dar, welches den für mache Spieler unerhörten Schritt geht und trotz Souls-like-Gameplay einen Assist-Modus einführt.

Laut den Entwicklern soll der Modus helfen, Bossmechaniken zu lernen und kann einen auf Wunsch unverwundbar machen. Eine Einblendung im Bildschirm soll verhindern, dass Spieler sich ungerechtfertigterweise in Let's Plays profilieren.

Bestimmte Achievements sowie der New-Game-Plus-Modus können so ebenfalls nicht freigespielt werden. Trotzdem wird dieses Feature so manchem Genreveteranen übel aufstoßen - für andere Spieler wird Steelrising so erst interessant und hat die potenzielle Chance, sich als Einsteiger-Souls-like neben den Toptiteln des Genres zu platzieren.

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