Mount & Blade 2: Warum Bannerlord mit Warband den Boden aufwischt - Meinung

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Mount & Blade 2: Warum Bannerlord mit Warband den Boden aufwischt - Meinung
Quelle: TaleWorlds 

Mount & Blade ist eine der Serien, die man entweder liebt oder hasst - und Bannerlord dreht alle Features auf Anschlag. Im Meinungsartikel von Christian erfahrt ihr, warum Fans von Mount & Blade: Warband unbedingt den Nachfolger ausprobieren sollten.

Es ist wieder Erntezeit! Mount and Blade 2: Bannerlord donnert bereits seit einer geraumen Weile in einem berittenen Sturmangriff durch die Steam-Server, regt Spieler mit furchtbaren Bugs auf und bietet erstklassige frühmittelalterliche Unterhaltung. Wer den Vorgänger gespielt hat, dürfte sich also wie zuhause fühlen, denn auch TaleWorlds erster Ausflug nach Calradia startete als im Jahr 2008 als komplett sperrige aber vor Potenzial geradezu brummende Open-World-Bonanza. Auch wenn das türkische Entwicklerstudio als Liebes-Projekt eines engagierten Entwickler-Ehepaares begann, folgt es heutzutage einem eher traditionellen Firmenaufbau. Zum Glück, denn die meisten Bugs von Bannerlord konnten durch TaleWorlds solide Arbeit inzwischen behoben werden. Bannerlord steht jedoch nicht für sich alleine.

Es muss sich außerdem gegen seine Brüder behaupten: "Mount & Blade" stellte den fulminanten Auftakt der Serie dar, "Mount & Blade: With Fire and Sword" wird von der Community gerne vergessen und "Mount & Blade: Napoleonic Wars" war vor allem ein Mehrspieler-Hit. Der eigentliche Star der Reihe ist jedoch "Mount & Blade: Warband", was vor allem an der großen Menge hochqualitativer Mods liegt. Auch wenn Bannerlord enorm erfolgreich ist, nimmt die Beliebtheit von Warband in der Zwischenzeit keinesfalls ab. Ich erkläre euch jedoch an dieser Stelle, warum Bannerlord seinem kleinen Bruder so weit voraus ist, dass selbst Hardcore-Warband-Fans gerade jetzt einen Blick riskieren sollten. Ich gehe sogar noch weiter: Bannerlord wischt mit Warband den Boden auf.

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Mord und Totschlag für alle!

Zuerst das Wichtigste: Die Schlachten in Mount & Blade 2: Bannerlord (jetzt kaufen 29,39 € / 44,99 € ) sind den Kämpfen von Warband so überlegen, dass man nicht einmal mehr die Staubwolke am Horizont erkennt. Das liegt nicht nur an der Grafik, die sich im Vergleich zum Vorgänger stark verbessert hat, sondern vor allem an der epischen Größe der Schlachten. Wo Warband bei dreihundert wild umherfuchtelnden Soldaten bereits mit vorsichtigem Grafik-Stottern auf einen bevorstehenden Kollaps hinwies, tummeln sich bei Bannerlord mehr als eintausend wild auf einander einprügelnde Krieger auf dem Schlachtfeld. Natürlich solltet ihr euch auch in diesem Fall beeilen, um die Schlacht zu gewinnen, bevor euer Arbeitsspeicher mit einem schicksalsergebenen Winseln in Flammen aufgeht - doch ohne Ruckeln und Stottern wäre es kein echtes Mount & Blade. Die charmante Autoscooter-Optik der alten Pferde weicht Szenen, die sich so auch in Braveheart oder dem Herrn der Ringe abspielen könnten: Staub, Chaos und Schulter an Schulter stehende Truppen, die sich die Seele aus dem Leib brüllen, während ihr euch durch das Gemenge schiebt und blutige Ernte haltet. Im Vergleich dazu sieht Warband aus, wie ein Unfall in einer Marionetten-Werkstatt. Und ja: Eine gute Grafik macht ein Spiel schlicht und ergreifend besser.
Macht was ihr wollt: Erobert euch einen eigenen Thron, übernehmt ein bestehendes Land oder lebt im Wald und esst Eichhörnchen – es gibt keinen „besten“ Spielstil. <br> &nbsp; Quelle: TaleWorlds  Macht was ihr wollt: Erobert euch einen eigenen Thron, übernehmt ein bestehendes Land oder lebt im Wald und esst Eichhörnchen – es gibt keinen „besten“ Spielstil.
 

Eines der besten Features von Mount & Blade, und die einzig echte Art und Weise die Reihe zu spielen, stellt natürlich der Permadeath-Modus dar. Wo der eigene Charakter in Warband noch die schlimmsten Unfälle überlebte und lediglich die rekrutierten Truppen dran glauben mussten, gibt es bei Bannerlord eine deutlich bessere Option: Wer im Optionsmenü den Punkt "Tod ermöglichen" anklickt, muss jederzeit damit rechnen, dass der eigene Charakter, oder mühsam aufgepäppelte NPCs an seiner Seite, einen gewaltsamen Tod stirbt. Korrekt, damit sind auch eure festen Begleiter gemeint - jeder kann (und wird vermutlich) in einem Bannerlord-Permadeath-Run sterben! Das Beste kommt allerdings erst noch, denn wenn euer Charakter nicht durch das Schwert stirbt, dann wird er durch den Zahn der Zeit dahingerafft. Wer im hohen Alter keine Erben gezeugt hat, beendet seinen Run, ganz friedlich, auf seinem Totenbett. Zusammen mit dem Managen eines eigenen Königreiches, kommt damit fast ein wenig Crusader-Kings-Feeling auf. Wenn ihr alleine bei dem Gedanken an ein voreingestelltes "Zeitlimit" für den eigenen Charakter vor Bannerlord zurückschreckt, kann ich euch hiermit beruhigen: Zu verlieren ist ein fester Teil der Mount & Blade Reihe. Sterben macht Spaß, denn hinter jedem Tod steckt eine kleine Geschichte und Bannerlord verziert diese Dramen mit einer Prise Game of Thrones. Jemand hat euren Familienpatriarchen getötet?

Seine Tochter ergreift das Schwert und führt einen blutigen Kreuzzug gegen die Mörder! Dörfer stellen für euch frisch gedeckte Speisetafeln dar und ihr seht in Bauern nur ungenutztes Kapital? Auch kein Problem. Selbst wenn ihr absolut keine Lust habt, auch nur einen einzigen Schritt in Richtung eines eigenen Königreiches zu tun, macht Bannerlord eine Menge Spaß, denn euer Clan kann genauso gut aus Sklaven jagenden Mordbrennern bestehen. Bannerlord nimmt die Freiheit von Warband und garniert sie mit der exakt richtigen Prise Mord und Totschlag, denn alle NPCs spielen nach den gleichen Regeln wie ihr. Händler müssen ihre Waren von Stadt zu Stadt karren und andere Lord rekrutieren ihre Truppen aus den gleichen Dörfern wie eure persönliche Dynastie. Jeder Schritt auf dem politischen Parkett muss auch von euren Feinden sehr vorsichtig geplant werden. Wer braucht schon groß angelegte Geschichten im Stil der Mass-Effect-Reihe, wenn ihr euch ebenso gut euer eigenes Epos schreiben könnt? Es gibt eine Menge Spiele, die mit dem Kampfbegriff der "Open World" um sich werfen, doch in Bannerlord könnt ihr die Welt im wahrsten Sinne des Wortes nach euren Wünschen formen oder erobern. Auf welche Weise bleibt euch überlassen.
Der richtige Einsatz eurer Truppen ist immens wichtig: Wer berittene Bogenschützen mit schwerer Infanterie kontert, hat zum Beispiel keine Chance. <br> &nbsp; Quelle: TaleWorlds  Der richtige Einsatz eurer Truppen ist immens wichtig: Wer berittene Bogenschützen mit schwerer Infanterie kontert, hat zum Beispiel keine Chance.
 

(Un)Kontrolliertes Chaos

Das geradezu berauschende Gefühl der Eskalation wird in den Mehrspielerschlachten von Bannerlord auf die Spitze getrieben. Wenn ihr mir nicht glaubt, dann nehmt an einer der Belagerungsschlachten teil und versucht, bis zum Ende zu überleben: Einhundert Spieler, die sich in einem Burgtor drängen und krampfhaft versuchen, nicht im Dreck zu landen, stellen eine beeindruckende Kulisse für euren ersten Ausflug in Mittelalter dar. Klar, die Organisation der Belagerungsschlachten gleicht dem Versuch, eine Horde panischer, mit Speeren bewaffneter Wildkatzen, in die Schlange einer Supermarktkasse einzureihen - doch Bannerlord vermittelt auf erstklassige Art und Weise das Gefühl mit anderen Spielern in einer echten Schlacht zu stehen. Vergleicht man das Ganze mit Warband, schneidet der Großvater von Bannerlord natürlich immer noch gut ab. Doch die enorme Wucht einer Belagerungsschlacht zu vermitteln ist sehr schwer, wenn die Animation der eigenen Soldaten sich auf das demotivierte Auf- und Abwippen des Schwertarmes beschränken.

Das Chaos des Schlachtfelds lockt euch, doch euer strategisches Hirn sehnt sich nach Ordnung? Wenn ihr nach Wettbewerb hungert und euch von Mehrspielerkämpfen messbare Erfolgskriterien versprecht, seid ihr im Captain-Mode hervorragend aufgehoben. Hier führt ihr eine Gruppe aus Bauern, Rittern oder schweren Infanteristen ins Feld. Jeder Kamerad leitet seinen eigenen kleinen NPC-Trupp an und führt diesen gegen die Feldherren der Gegenseite. Die Crux an der Sache ist jedoch, dass einmal getötete Soldaten während des gesamten Matches tot bleiben. Was dabei herauskommt, ist ein strategischer Tanz, der einiges an Koordination erfordert: Groß angelegtes Denken, Schlachtfeldüberblick und die Umsetzung von im Vorhinein abgesprochenen Taktiken sind spielentscheidend und übertrumpfen heldenhafte Alleingänge jederzeit. Das soll jedoch nicht heißen, dass es keinen Raum für Helden gibt, denn ihr selbst stellt eine der größten Gefahren auf dem Schlachtfeld dar. Momente, in denen euer Schachzug von einem brillant kämpfenden Feind gekontert wird oder Showdowns, während derer ihr euch inmitten einer tobenden Schlacht mit einem anderen Spieler duelliert, bleiben unvergesslich. Bannerlord lässt euch nie verschnaufen, denn ihr könnt euch nie sicher sein, ob ihr einem Spieler gegenübersteht oder einem NPC.
Das Diplomatie- und Politiksystem ergänzt Bannerlord, im Vergleich zu Warband, um einen solides Feature, welches ganz hervorragend zum Spiel passt. <br> &nbsp; Quelle: TaleWorlds  Das Diplomatie- und Politiksystem ergänzt Bannerlord, im Vergleich zu Warband, um einen solides Feature, welches ganz hervorragend zum Spiel passt.
 
Es gibt keine Markierungen, die einen feindlichen Kommandanten auszeichnen, also müsst ihr euch auf euer Urteil verlassen und stets aufmerksam sein - sobald ihr die Schwerter mit einem Soldaten kreuzt, wisst ihr, mit dem ihr es zu tun habt. Das alles macht den Captain-Mode zu einem absoluten Juwel unter den unzähligen Mittelalter-Nahkampf-Simulatoren im Stile von Mordhau oder Chivalry. Sobald die Spieler des Captain-Modes eine E-Sport-Liga aufgestellt haben, bin ich der erste, der kein Match verpasst. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass Mount & Blade 2: Bannerlord auch für komplett Gaming-fremde Zuschauer interessant wäre. Wenn wir League of Legends als Beispiel nehmen, versteht kein Neuling, warum ein Master Yi einen Jax kontert. Warum es eine dumme Idee ist, mit seiner Kavallerie ungebremst in eine Speermauer zu rasseln, kann sich jedoch selbst ein komplett unwissender Zuschauer zusammenreimen. Selbst die Wirksamkeit der Rüstungen kann sekundenschnell erfasst werden; popkulturelles Wissen über das Mittelalter ist völlig ausreichend. Nichts ist hier schnell, nichts ist stilisiert - Bannerlord vertritt bis ins letzte das Prinzip "Was du siehst, bekommst du auch."

Die bessere Version eines hervorragenden Spiels

Endlich wurde die Frage beantwortet, was passiert, wenn Mount & Blade alle Regler auf Anschlag dreht. Denn Mount & Blade 2: Bannerlord ist kein wirklich neues Spiel. Im Gegenteil, es ist lediglich Warband mit besserer Grafik und ein paar Zusatzfeatures. Die vereinzelten neuen Funktionen und einige leicht aufgebohrte Varianten von bereits vorhandenen Features schaffen es jedoch, Bannerlord zu einem Traumspiel für Fans der Reihe zu machen. Mehr Drama, mehr Schlacht, mehr Bildschirmtode: Bannerlord stellt das derzeitige Nonplusultra offener Mittelalter-Welten dar - zumindest für Spieler, mit einer hohen Schmerztoleranz.

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