Der Multiplayer von Monster Hunter Wilds hat ein großes Problem - was haben sich die Entwickler da bloß gedacht?

Kolumne Annika Menzel
Der Multiplayer von Monster Hunter Wilds hat ein großes Problem - was haben sich die Entwickler da bloß gedacht?
Quelle: Capcom, PC Games

Eigentlich ist Monster Hunter Wilds perfekt dafür geeignet, um zusammen mit Freunden zu jagen. Doch die Angelegenheit gestaltet sich unnötig kompliziert.

Gemeinsam mit seinen Jagdfreunden durch die offene Welt von Monster Hunter Wilds streifen und nach Herzenslust Monster niederstrecken - verlockend, nicht wahr? Allerdings klingt das einfacher, als es ist. Viel einfacher.

Lobbys, Jagdgruppen, Jagdfreundschaften, Verbindungsgruppen, Umgebungsgruppen ... dafür, dass Monster Hunter eigentlich darauf ausgelegt ist, zusammen mit anderen Spielern auf die Ungeheuer einzudreschen, ist das Multiplayer-System übermäßig kompliziert.

Es ist also nicht nur nervig, sondern auch absolut kontraproduktiv. Was habt ihr euch nur dabei gedacht, Capcom?

Viele Wege führen zum Multiplayer

Dass sich die Spieler online darüber beschweren, kann ich nur zu gut verstehen. Mein Jagdgefährte und Kollege Stefan ist zum Release ebenfalls bei Monster Hunter Wilds (jetzt kaufen 79,99 € / 62,99 € ) eingestiegen, weshalb ich ihm durch den Test schon viele Ränge voraus war.

Kampf gegen einen Doshaguma Quelle: Capcom Zusammen spielen wollten wir trotzdem - eigentlich gar kein Problem. Ich wühlte im Zelt einfach nach einer älteren Rüstung und bereits ausrangierten Waffe, damit mein hochrangiges Equipment nicht jedes seiner Zielobjekte mit einem Schuss umhaut.

Dank Crossplay fanden wir uns schnell in derselben Jagdgruppe wieder, obwohl er am PC und ich an der PS5 saß. Damit uns niemand dazwischengrätschte und wir in Ruhe als dynamisches Duo auf Jagd gehen konnten, erstellte ich eine private Lobby und gab die entsprechende ID weiter.

Aber irgendwie war sie dann bei Stefan nicht auffindbar. Na gut, es gibt ja zum Glück noch die Verbindungsgruppen als Alternative. Also lud ich ihn kurzerhand ein und konnte dann über einen bestimmten Reiter bei der Quest-Auswahl direkt seiner aktiven Mission beitreten.

Na ja, vielleicht nicht ganz direkt ... denn Stefan steckte noch mitten in der Story und musste dementsprechend bei jedem Auftrag erst einmal die Videosequenz anschauen, bevor ich ihm zur Unterstützung eilen konnte.

Nach Beendigung der Mission wurde ich jedoch ohne Wenn und Aber zurück in mein eigenes Basislager verfrachtet. Ich wünschte, Capcom hätte dieses System abgeschafft und ich hätte ihn einfach weiter begleiten können, aber was soll's.

Verbindung, Umgebung, Enttäuschung

Ein paar Kämpfe später ging es uns ziemlich auf den Keks, immer rausgeschmissen zu werden und neu beitreten zu müssen. Und da Stefan zuvor in einer zufälligen Lobby gesehen hatte, das in dem Basislager noch andere Jäger unterwegs waren, stellte er die Frage aller Fragen:

"Können wir nicht einfach zusammen in der Welt rumlaufen?" Eine richtig gute Idee! Während ich Stefan losschickte, um seine neugewonnenen Materialien zu besserer Ausrüstung umwandeln zu lassen, durchforstete ich die drölfzig Menüs des Spiels.

Und siehe da: Neben den Verbindungsgruppen gibt es auch noch Umgebungsgruppen! Froh über diese Alternative, lud ich ihn sofort ein, bis uns dann gleich auffiel, dass meine Open World voller hochrangiger Monster war, die Stefan noch gar nicht bekämpfen konnte.

Jägerin und Alma aus Monster Hunter Wilds Quelle: PC Games Ok, macht nichts, dann wollte ich stattdessen bei ihm vorbeischauen. Und das funktionierte erstaunlich gut - wir schnappten uns einfach einen Doshaguma, der sich nicht schnell genug versteckten konnte, und kloppten fröhlich drauf los.

Die Siegeseuphorie hielt allerdings nicht lange an, denn der nächste Dämpfer folgte kurz danach im Dialog mit Alma: Befindet man sich zusammen in einer Umgebungsgruppe, können keine normalen Quests gestartet werden. Es stehen nur die aktuell in der Welt herumtollenden Monster zur Verfügung.

Und damit endete unsere erste und bisher einzige gemeinsame Jagdsession. Davon lassen wir uns aber natürlich nicht unterkriegen. Jetzt wissen wir schließlich, wie es geht und müssen nur ausreichend starke Nerven für die nächste Jagd mitbringen.

Dieses verschachtelte und undurchsichtige Multiplayer-System ist allerdings ein Paradebeispiel für das Motto "warum einfach, wenn's auch umständlich geht". Für ein Spiel wie Monster Hunter Wilds, das vom Koop-Gekloppe lebt, ergibt eine derart unübersichtliche Struktur schlicht keinen Sinn.

Das finde ich besonders schade, weil ich mich nach den Solo-Ausflügen beim Test sehr darauf freute, danach zusammen mit Freunden auf die Jagd zu gehen.

Vielleicht geht das ja etwas angenehmer vonstatten, sobald Stefan auch im High Rank unterwegs ist. Die Hoffnung gebe ich noch nicht auf, ebenso wie ich mir wünsche, dass Capcom das Multiplayer-System für den nächsten Teil komplett überholt. Jetzt möchte ich aber trotzdem erstmal die Wildnis genießen, bevor ich schon über einen möglichen Nachfolger grüble.

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