Xbox schließt Studios: Diese Branche hat ein hausgemachtes Problem!

Kolumne Carlo Siebenhüner
Xbox schließt Studios: Diese Branche hat ein hausgemachtes Problem!
Quelle: Chat GPT / Microsoft / PC Games

Xbox schließt Arkane Austin, Tango Gameworks und mehr. obwohl sie Rekordumsätze feiern. Das steht stellvertretend für ein Problem für die ganze Branche.

Lange Jahre hat Arkane Austin nur als Zulieferer für die Projekte des Hauptstudios in Lyon gearbeitet, bis man dann mit Prey etwas Eigenes machen durfte. Prey hat auch seine eingeschworenen Fans. Richtig abgehoben ist das Ding aber nie.

Ein Tango-Tanz

Anstelle von Prey 2 folgte dann nämlich Redfall, das sich als kompletter Misserfolg herausstellte. Das lag zu großen Teilen an Bethesda selbst, die da die große Kohle mit Live Service machen wollten. Doch Arkane Austin hat es leider auch nicht geschafft, wenigstens das Beste daraus zu machen.

Der Hauptcharakter schießt auf ein Horromonster in The Evil Within Quelle: Tango Gameworks Zu guter Letzt haben wir das Studio Tango Gameworks, dessen Schließung wohl die größte Überraschung darstellt. Doch auch hier sahen die nackten Zahlen nie gut aus. Ihr erster und vermutlich einziger Erfolg, The Evil Within, verkaufte sich mit 800.000 Einheiten in den ersten Wochen gut. Der Nachfolger konnte daran aber nie anknüpfen und blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

Dann kam Ghostwire: Tokyo, das jedoch auch nicht den großen Durchbruch schaffte und als Exklusivtitel für die damals schwer erhältliche PS5 vermutlich nicht viele Verkäufe verzeichnen konnte. Dass die Entwickler dann mit Hi-Fi Rush einen absoluten Hit und sogar Preisträger abliefern würden, hätte wohl niemand erwartet. Doch letztendlich war das wohl zu wenig und zu spät.

Fassen wir also zusammen: Aus rein rationaler und finanzieller Sicht sind die Schließungen nachvollziehbar. Diese Studios verursachen vermutlich seit teilweise zehn Jahren Kosten und haben nur wenig bis gar keine Gewinne erzielt.

Chai & 808 aus Hi-Fi Rush tauschen Blicke aus Quelle: pcgames.de / Tango Gameworks

Emotionen: an!

So. Nach dieser sachlichen und nüchternen Analyse schalte ich nun meine Emotionen wieder ein und frage trotzdem: Habt ihr bei Microsoft eigentlich Lack gesoffen?

Das Unternehmen macht Milliarden, und dennoch werden solche Entscheidungen getroffen? Es ist ja nicht mal so, als ob die Xbox-Division speziell in finanziellen Schwierigkeiten stecken würde. Ganz im Gegenteil.

Ja, Microsoft hat viel Geld für Activision Blizzard ausgegeben, aber Spiele wie Call of Duty und Candy Crush werden ihre Investitionen von allein wieder einspielen. Das hat sich bereits gezeigt. In den aktuellen Quartalsberichten verzeichnet die Xbox-Division einen enormen Anstieg, hauptsächlich aufgrund der Übernahme von Activision. Es geht Xbox also nicht schlecht! Im Gegenteil, es geht ihnen sehr gut!

Captain Price aus Call of Duty Quelle: PC Games Hardware Doch das ist ja leider kein Problem, das nur Microsoft betrifft. Nein, Schließungen sind ein Trend, der die gesamte Branche erfasst hat. Unternehmen wie EA, Ubisoft, Take Two und auch Sony geben vor, dass die Branche nach der Pandemie unter Druck stehe und führen Massenentlassungen und Studioschließungen durch. Doch das ist ein künstlich geschaffenes Problem.

Kreativität erstickt

Während der Pandemie erzielte man Rekordgewinne, aber es muss doch klar gewesen sein, dass es nicht ewig so weitergehen würde. Schaut man sich aktuelle Quartalsberichte an, stellt man fest, dass die Firmen nicht mal im Minus sind, sondern weiterhin Gewinne verzeichnen! Das eigentliche Problem ist: Die Gewinne reichen den verwöhnten Aktionären nicht aus. Deshalb wird überall gespart, trotz der Gewinne.

Das ist Kapitalismus im Endstadium und ein großes Problem für die ganze Branche. Es soll kreativ gearbeitet werden, aber am Ende trifft die Buchhaltung die Entscheidung über tausende Menschenleben, damit die schwarze Haben-Zahl noch ein bisschen größer wird.

Das soll kein Whataboutismus sein. Nur, weil andere das auch tun, macht das Microsofts Schritt nicht besser. Im Gegenteil, ich nehme Xbox am meisten in die Verantwortung, denn in diesen unsicheren Zeiten sollte Microsoft ein sicherer Hafen für kleineren Studios sein, die gern herumexperimentieren.

Microsoft hat eigentlich sogar ein spezielles Mittel, um gerade kleineren Titeln eine Plattform zu bieten: den Game Pass. Im Zuge der Schließungen lese ich immer wieder, dass der Game Pass schuld an diesen Schließungen sei, da angeblich keine Verkäufe abseits davon mehr für Entwickler auf Xbix herausspringen würden. Das ist meiner Meinung nach jedoch ein Trugschluss.

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