Ghostwire Tokyo im Test mit Video - Kreative Schale, konventioneller Kern
Test 53,99 €
Was ist eigentlich Ghostwire Tokyo? Seit der Ankündigung des neuen Spiels von Tango Gameworks ist der Titel für viele Spieler ein Mysterium. Nachdem wir Ghostwire Tokyo nun durchgespielt haben, können wir das Geheimnis zwar lüften, die Antwort könnte für viele Spieler allerdings unbefriedigend sein. Warum, das erfahrt ihr im Test mit Video!
Knapp fünf Jahre nach The Evil Within 2 betreten Shinji Mikami und Tango Gameworks mit einem neuen Spiel die Bühne und schmeißen beinahe alles über den Haufen, wofür man das junge Studio mit den alten Entwicklerhasen kennt. Nach zwei Survival-Horror-Ausflügen entführt euch Ghostwire Tokyo auf einen Open-World-Trip durch die verwaisten Straßen der Stadt und lässt euch in actionreichen Shooter-Kämpfen jede Menge Geister austreiben. Im Test verraten wir euch, wie sich ein eigentlich unverbrauchtes Szenario bemerkenswert schnell in Routine verwandelt und warum Ghostwire Tokyo ein solides, aber nie wirklich begeisterndes Abenteuer geworden ist.
Der neuen Gameplay-Ausrichtung zum Trotz eröffnet Tango sein neues Spiel wieder mit einem mysteriösen, düsteren Setting: Ein dichter Nebel hat Tokio in eine Geisterstadt verwandelt, 99 Prozent der Bevölkerung sind spurlos verschwunden. Die Reklamen blinken immer noch, die Radios plärren und in den Straßen finden sich die Kleidungsstücke der Fußgänger, als wären sie alle im Bruchteil einer Sekunde sprichwörtlich aus ihrer Haut gefahren.
In diesem Artikel
Ihr schlüpft in die Rolle von Akito, der gerade seine im Krankenhaus liegende Schwester besuchen wollte und sich nun plötzlich in dieser surrealen Welt wiederfindet. Zum Glück sind Shiba Inus und Katzen verschont geblieben!
One Night in Tokyo
Quelle: PC Games
Leuchtreklamen und Spiegelungen dominieren optisch die Stadt. Da ihr immer Nachts oder bei Nebel unterwegs seid, kommt beides toll zur Geltung. Raytracing gibt's auf PS5 aber nur bei 30 Fps.
Man spürt beim Durchstreifen der stimmungsvoll beleuchteten Straßen deutlich, dass das Entwicklerteam hier beheimatet ist, denn Ghostwires Spielwelt vermittelt ein tolles Gefühl von Tokio. Der Kontrast aus topmoderner, neongetränkter Popkultur und uralter Mythologie wurde mit viel Liebe zum Detail eingefangen und die Stadt fühlt sich lebendig an, auch wenn sie es im wahrsten Sinne des Wortes nicht ist.
Seit der Nebelflut tanzen hier nämlich nur noch die Toten durch die Straßen. Die "Besucher" kommen etwa in Form von bleichen Geschäftsleuten, kopflosen Schulmädchen und überdimensionalen Frauen in Regenmänteln daher und stellen die Hauptgegner im Spiel dar.
Hier kann Tango wie schon bei seinen vorigen Titeln wieder mit wunderbar schaurigem Gegnerdesign punkten, obwohl Ghostwire Tokyo (jetzt kaufen 7,53 € / 53,99 € ) keinerlei Ambitionen hegt, euch Angst einzujagen. Statt euch zum Weglaufen und Verstecken zu zwingen oder auf Jumpscares und Splatter zu setzen, macht das Spiel euren Protagonisten von Anfang an zum wehrhaften Kämpfer.
Akito verschmilzt mit der Seele von KK, einem professionellen Geisterjäger, der sich auf der Suche nach seinen Teamkollegen in eurem Kopf einnistet und euch magische Fähigkeiten zur Verfügung stellt.
Kameeeehameeeehaaaa!
Quelle: PC Games
Die Beziehung zwischen Aktio und KK wird angenehm bodenständig und ohne viel Overacting erzählt.
Die beiden sind dann auch die einzigen Charaktere, die ihr im Spiel ausführlicher kennenlernt, denn sowohl KKs ehemaliges Team als auch die Gegenspieler unter Führung des Maskenträgers Hannya bleiben vergleichsweise blass.
Weil ihr auch mit den ehemaligen Bewohner Tokios nur im Rahmen kurzer Nebenquests redet, tragen Akito und KK den Großteil der erzählerischen Last. Zum Glück machen sie dabei einen guten Job: Die Beziehung der beiden entspinnt sich als sympathische, wenn auch nicht wirklich neue Buddy-Geschichte, die trotz des Settings angenehm bodenständig bleibt.
Dafür sorgt auch die gelungene deutsche Synchronisation, bei der vor allem Tommy Morgenstern als Akito überzeugt. Für maximale Immersion stellt euch Ghostwire aber auch den japanischen Originalton zur Verfügung.
Neue Schale, alter Kern
Immersiv und hübsch ist sie also schon mal, die Spielwelt, aber was macht man denn nun in der ausgestorbenen Großstadt? Nun, weil Ghostwire Tokyo sich stark an klassisch-westlichem Open-World-Design á la Ubisoft orientiert, befreit ihr vor allem Außenposten in Form der Torii-Pforten und deckt damit Symbole auf der Karte auf, die ihr dann frei Schnauze abklappern dürft.
Im Gegensatz zu vielen seiner Genrekollegen hindert euch das Spiel aber an der Erkundung eines Kartenbereichs, solange ihr ihn nicht vom tödlichen Nebel befreit habt.
Danach findet ihr jede Menge Collectibles, die ihr zu Geld machen könnt, die bereits erwähnten Nebenmissionen, sowie allerlei Mittel, um den Skill-Bildschirm eures Charakters auszufüllen.
Das Design der Nebenbeschäftigungen ist zweckmäßig, gewinnt aber keinen Innovationspreis: Mal gilt es, eine Horde Besucher vom Gefangennehmen verlorener Seelen abzuhalten, gelegentlich lauft ihr einem Yokai hinterher oder treibt ihn aus seinem Versteck und den überall verteilten Shiba Inus gebt ihr Hundefutter, damit sie vergrabenes Geld für euch aufspüren - nachdem ihr sie gestreichelt habt, versteht sich.
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