Redakteurin Toni regt sich nicht nur über sexualisierte Frauendarstellungen auf, sondern vor allem über die vergiftete Diskussion zum Thema.
Mitspracherecht
Die bedauerliche Grausamkeit der echten Welt und Videospiele lassen sich für Frauen leider nicht so leicht trennen und dass entsprechende Kontroversen konkrete Auswirkungen auf echte Menschen haben, ist leider kein Märchen.
Stellar Blade hat bereits seinen Tribut gefordert - einen, der sich explizit gegen Frauen gerichtet hat. So haben sich wohl zwei Vertragsarbeiterinnen darüber beschwert, wie Eve im Spiel dargestellt wird, und haben daraufhin ihren Job verloren.
Das klingt erst einmal schlimm, darüber will ich mich aber gar nicht aufregen, denn ob das wirklich so passiert ist, ist weder bewiesen noch kenne ich die genauen Umstände. Was aber definitiv nicht abzustreiten oder zu relativieren ist, sind die Reaktionen auf den entsprechenden Post.
Dort feiern Spieler das Studio dafür, dass sie sich von Feministinnen nichts sagen lassen. Bestellen das Spiel gleich dreimal vor und reden davon, wie bodenständig das Studio sei.
Sollten da wirklich zwei Personen ihre Stelle verloren haben, weil sie ihre Meinung gesagt haben, hat das wenig mit Bodenständigkeit zu tun, sondern damit, dass man sich weigert, andere Ansichten anzuhören. Ganz davon zu schweigen, dass es in Europa illegal wäre, jemanden deswegen zu feuern - immerhin herrscht hierzulande Meinungsfreiheit und vor allem gilt der Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz.
Quelle: Shift Up
Jeder darf sich darüber aufregen, wenn er die Repräsentation einer Gruppe - und vor allem der eigenen demographischen Gruppe - in einem Spiel nicht gut findet. Andersherum darf man die entsprechenden Meinungen auch nicht gut finden und ignorieren. Das heißt, man muss Frauen nicht zuhören, wenn sie sagen, sie finden den allgemeinen Umgang mit Frauen und ihren Charakterdarstellungen nicht gut.
Man muss aber auch damit leben, dass Frauen ihre Meinung äußern, wenn sie sich bei einer sexualisierten Darstellung unwohl fühlen. Das hat in der Regel nämlich einen Grund. Es hat einfach zu viel mit ihrer Lebensrealität zu tun und erinnert an eigene, schlimme Erfahrungen, die Angst auslösen.
Ich habe nichts gegen Leute, die Stellar Blade gut finden und auch nicht gegen den Entwickler. Es ist nicht mein Spiel und wenn es mir nicht gefällt, muss ich es auch nicht kaufen. Es geht mir auch nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, der drei Sekunden länger auf die vier Buchstaben einer animierten Figur schaut.
Aber wenn die Debatte aufkommt, muss sie geführt werden können, ohne dass Vorurteile und schlimme Beleidigungen auf den Tisch gelegt werden, die sich am Geschlecht der Diskussionsteilnehmer orientieren. Wenn wir das nicht hinbekommen, dann liegt das Problem offensichtlich viel tiefer als hübsche Hintern in Spielen.
