Redakteurin Toni regt sich nicht nur über sexualisierte Frauendarstellungen auf, sondern vor allem über die vergiftete Diskussion zum Thema.
Empörung
Wenn man den Trailern Glauben schenken darf, geht es in Stellar Blade mit Eve um eine starke, unabhängige Frau, die nicht nur oberflächlich Badass ist, sondern sich auch emotional über die Länge des Spiels weiterentwickelt.
Obwohl: Eve ist nicht wirklich eine Frau, sondern ein Android in weiblicher Gestalt. Und außerdem ist sie eine idealisierte Fantasie, wie man sie in "Spielen für Erwachsene" findet.
Möchte ich damit andeuten, dass es sich bei Eve um die sexualisierte Softporno-Variante eines Charakters handelt, der mit ein bisschen weniger "Wunschdenken" des verantwortlichen Chef-Entwicklers besser gewesen wäre?
Ja.
Dabei spreche ich klar von meinen persönlichen Ansichten - es gibt sicherlich viele Spieler, die es nicht stört, wenn bestimmte Körperteile des Spielecharakters auch mal prominenter dargestellt sind. Mich jedoch reißt es jedes Mal aus der Immersion, wenn eine Kamerafahrt über die straffesten Pobacken aller Zeiten fährt und deren Trägerin einen Tick länger vornübergebeugt bleibt, als es eigentlich bequem sein kann.
Andere spielen vielleicht, um genau so etwas zu sehen. Und cineastisch ist an den Spielen wenig auszusetzen: Oft sind die Clips dramatisch, ja nahezu episch inszeniert -und Sex verkauft sich ja nicht ohne Grund.
Reflexion
Wenn es mich also stört, dass Charaktere auf eine Art dargestellt werden, die ich nicht so prickelnd finde, dann kann ich das Spiel ja auch einfach umgehen oder das Problem ignorieren. Und ganz ehrlich? Das könnte ich nicht nur, das wäre sicherlich auch die gesündere Variante.
Immerhin würde ich mich dann nicht mehr aufregen und die Fans des besagten Studios könnten ihr Spiel in Ruhe spielen und müssten sich nicht anhören, dass ich ihre Begeisterung aus diesen und jenen Gründen nicht teile.
Die Frage ist also, warum ich mich überhaupt so darüber aufrege, dass jemand eine Vorstellung von Frauen und ihrer Darstellung in Medien hat, die ich nicht teile. Die Antwort darauf entstammt einem psychologischen Effekt: der illusorischen Überlegenheit. Man schätzt sich selbst generell schlauer ein als andere. Was im Medienkonsum eine krasse Auswirkung mit sich bringt.
Liest man einen ausgeglichenen Artikel über ein politisches Thema, so hat man stets den Eindruck, dass der Artikel zu sehr in die Richtung tendiert, die man persönlich nicht unterstützt. Das liegt daran, dass man davon ausgeht, dass sich andere Menschen leichter beeinflussen lassen, als man selbst beeinflusst wird.
Zurück zum eigentlichen Gegenstand des Artikels: Stellar Blade - oder viel mehr meine Meinung zu Stellar Blade.
Quelle: Shift Up
Beim Überfliegen meiner ersten eingetippten Absätze ist mir etwas Erschreckendes ins Auge gesprungen: Ich könnte das "Problem" um Eves Körper genauso gut durch das "Problem" des Nutzens von nicht binären Pronomen in Videospielen ersetzen und die Argumentation bliebe genauso sinnvoll.
Mit Freunden, die sich als non-binär identifizieren, rolle ich aber natürlich jedes Mal pflichtbewusst die Augen, wenn ich lese, dass sich jemand darüber aufregt, dass man sich die Pronomen in einem Spiel aussuchen kann. Meine Antworten sind immer gleich: "So sehr stört es nun auch nicht, ignorier es halt oder spiel halt etwas anderes."
Immerhin ist es die Entscheidung des Entwicklers, was er in sein Spiel einbaut und was er in seinem Spiel repräsentiert haben will. Aber gilt das dann nicht auch für die Repräsentation von weiblichen Figuren in Spielen? Selbst wenn ich mich getriggert fühle, muss ich akzeptieren, dass es nicht in meiner Hand liegt, meine persönlichen Ansichten anderen aufzudrücken.
