Was dürfen Spiele und ist alles eine Frage des Geschmacks?

Kolumne Antonia Dreßler
Was dürfen Spiele und ist alles eine Frage des Geschmacks?
Quelle: Larian Studios

Schon immer wird sich darüber gestritten, was Bücher, Filme und Videospiele abbilden dürfen und ob es nicht Themen gibt, die in Unterhaltungsmedien nichts zu suchen haben.

Infinity Ward sprach in einem Interview von 2009 davon, dass Anschläge nun mal stattfinden, die Menschen bewegen und man nicht einfach die Augen davor verschließen wolle. Stattdessen sollen Emotionen aufgewühlt werden und Menschen bewegt. Und genau das ist für mich auch der Knackpunkt. Wenn moralisch schwierige Thematiken aufgegriffen werden, muss es eine Einordnung geben, ein Gefühl vermittelt und eine Wertvorstellung transportiert werden. Tode oder andere Grausamkeiten in Spielen finde ich dann am schlimmsten, wenn sie in keiner Form aufgearbeitet werden, aber gleichzeitig prominent genug inszeniert sind, um mir das Gefühl von Verlust zu vermitteln.

Damit findet für mich auch die Abgrenzung zu Multiplayer-Shootern statt, in der ich mich zwar mit anderen Leuten gegenseitig über den Haufen baller, die kriegerische Auseinandersetzung aber so abstrakt und arkadig ist, dass ich überhaupt nicht auf die Idee komme, in die Figuren mehr als Spielsteine hineinzuinterpretieren.

Why so serious?

Ähnlich ok ist das auch bei Spielen, die eigentlich furchtbare Verbrechen in einen ironischen und parodistischen Kontext setzen. In GTA etwa ist es mir nicht komplett egal, wenn ich Prostituierte über den Haufen schieße oder irgendwelche Passanten zu Brei kloppe. Immerhin stellen die NPCs Emotionen dar, versuchen wegzurennen und schreien auch um Hilfe - gleichzeitig ist die Situation im gesamten Spiel aber so abstrus, dass ich sie einfach nicht so ernst nehme.

Ich bin mir jederzeit bewusst, dass das, was ich mache, eigentlich nicht ok ist, und genau damit schafft es Rockstar Themen abzubilden, ohne eine riesige Kontroverse aufzumachen. Wobei auch in GTA V ein Kapitel dafür sorgte, dass sich Spieler weltweit aufregten.

Folterszene GTA5 Quelle: PC Games Wer kann sich noch an die Folterszene erinnern, in der man wissentlich einem unschuldigen Menschen Elektroschocks verpasste und Zähne ausriss? Und die ganzen Reaktionen von Leuten, die sich geweigert haben an dieser Stelle weiterzuspielen, weil sie das nicht mit sich vereinbaren konnten?

Tja, genau das war der Witz an der Szene und der Grund, warum Videospiele für mich ein so viel stärkeres Medium sind als Filme - es geht nicht weiter, ohne dass du handelst. Wenn du dich weigerst, etwas Unangenehmes zu tun, dann ist das Spiel für dich vorbei. Ein für mich nach wie vor absolut genialer Schachzug von Rockstar das Medium so auszunutzen und einem die Absurdität und Abartigkeit von Folter und Foltermethoden so direkt spüren zu lassen.

Der Meister der satirischen Darstellung von kontroversen Themen ist unbestreitbar South Park, was nicht nur in der Kultserie, sondern auch in ihren Spielen deutlich spürbar ist. Politische Korrektheit, Nazis, Korruption, Jesus, Pädophilie, Rassismus: kein Lager bleibt verschont.

Und was South Park wie auch GTA besonders macht - man kann die Spiele sowohl aus reinen Unterhaltungsgründen spielen und sein Hirn ausschalten, oder jegliche Anspielung deuten und eine tiefere Kritik finden.

Jesus mit Gewehr und Sonnenbrille vor einem betenden Kind. Quelle: PC Games Die parodistische Darstellung von Kontroversen ist eine Kunst für sich, allerdings genießt Humor oft ohnehin eine gewisse Narrenfreiheit, weswegen man solchen Spielen oft mehr verzeiht als denen, die sich ernst nehmen. Ein aktuelles Beispiel für das Aufgreifen einer besonders heiklen Thematik stellt das Spiel vom neuen Studio Drama dar. Als Gameplay-Aufnahmen vom First-Person-Shooter Unrecord auftauchten, in dem die Kamera die Bodycam eines Polizisten simuliert, war für viele der gedankliche Schritt zur Polizeigewalt nicht mehr weit entfernt. Zumal es sich dabei um ein Thema handelt, das schon immer existierte, aber gerade in der jüngsten Geschichte leider immer wieder aktuell bleibt.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk