Streitfrage: Was dürfen Spiele und ist alles eine Frage des Geschmacks?

Kolumne Antonia Dreßler
Streitfrage: Was dürfen Spiele und ist alles eine Frage des Geschmacks?
Quelle: Larian Studios

Schon immer wird sich darüber gestritten, was Bücher, Filme und Videospiele abbilden dürfen und ob es nicht Themen gibt, die in Unterhaltungsmedien nichts zu suchen haben.

Wer wünscht es sich nicht, die komplette Freiheit in einem Spiel? Machen, was man will, wie man will und ... mit wem man will? Rollenspiele sind genau aus diesem Grund nach wie vor beliebt und ermöglichen es, die eigene Fantasie in vollen Zügen auszuleben. Das weiß auch Larian Studios und schafft mit Baldurs Gate 3 das aktuelle Paradies der unbegrenzten Möglichkeiten. Für manche sind sie dabei allerdings einen Schritt zu weit gegangen, wie man an den Reaktionen auf ihren Panel From Hell Livestream unschwer erkennen kann.

Dort sah man ein romantisches Aufeinandertreffen der Spielfigur mit dem Druiden der Party - einem Gestaltwandler wohlgemerkt. Offensichtlich ein großer Fan der antiken Mythologie tut es der Druide dem griechischen Gott Zeus nach und denkt sich: Sex in Tiergestalt ist eine richtig gute Idee. Im entsprechenden Livestream sieht man also, wie ein Bär mit eindeutigen Intentionen auf die nackte Spielerfigur zutritt und intime Blicke ausgetauscht werden. Der Akt wird natürlich nur impliziert, allerdings war für die Plattform Tiktok genügend sexuelle Anspielung vorhanden, um die Liveübertragung an dieser Stelle abzubrechen.

Für Larian Studios ist die Sache einfach nur ein fantastischer Witz, der die so viel geforderte Freiheit auf die Spitze treibt. Und im Interview mit IGN heben sie hervor, dass sie den Menschen endlich das geben, was sie wollen: Einvernehmlichen Sex mit einem Mann, transformiert in Grizzlybären-Gestalt.

Ich gebe zu, mein erster Gedanke war, ob sich der Druide in Gänze in Bärengestalt darstellt, oder ob er einzelne Körperteile aussparen kann. Anders stelle ich mir den romantischen Akt als überaus schmerzhaft bis tödlich vor. Mein zweiter Gedanke dreht sich um die moralische Komponente, die mit der Abbildung von Zoophilie einhergeht. Was dürfen Videospiele abbilden? Was ist alles von der Kunstfreiheit geschützt? Und sind Videospiele überhaupt Kunst?

Fragen, über die es bereits wissenschaftliche Abhandlungen gibt, die ich zumindest zum Teil gelesen habe, die sich aber am Ende doch ein jeder selbst beantworten muss. Ja, es ist legitim ein Spiel zu spielen und einfach Spaß zu haben, ohne sich mit den tieferen Bedeutungen einer jeden Design-Entscheidung auseinanderzusetzen. Es ist ebenfalls ok, ein Videospiel bis ins kleinste Detail zu analysieren. Es gibt kein richtig und falsch, wenn es um die Kunstfrage geht.

Romance-Option in BG3 Quelle: Larian Studios

Über Geschmack lässt sich streiten

Trotzdem denke ich nicht, dass alles in Spielen abgebildet sein darf. Die Grenze des Geschmackvollen ist aber ebenso individuell wie die moralischen Wertvorstellungen von Menschen. Allerdings spielt meine persönliche Einstellung nicht die ausschlaggebende Rolle - dafür haben wir zumindest in Deutschland Hebel, wie das Indizierungsverfahren und die Beschlagnahmung von Medien wie Videospielen schon längst etabliert.

Während sich über die Gerechtigkeit einiger Entscheidungen kontrovers ausgelassen wird, gibt es einige Spiele, hinter deren Indizierung zumindest ich vollständig stehe. Ich will an dieser Stelle keine Namen nennen oder mit dem Finger zeigen. Aber wenn es die Hauptaufgabe des Spielers ist, möglichst viele Leute in einem blutigen Amoklauf zu zerhackstückeln oder an einer Schule so viele Mädchen zu vergewaltigen, wie man es vor Eintreffen der Polizei fertigbringt, dann ja: haben die Entwickler es wohl verdient, dass die Verbreitung des Spiels unterbunden wird.

Aber die Abbildung von solchen Geschehnissen ist nicht ohne Grund kontrovers diskutiert. Denn nicht nur sind die Themen selbst nicht immer eindeutig als akzeptabel oder komplett unangebracht einsortierbar, sondern auch auf den Kontext kommt es an.

Männer im Aufzug mit Waffen Quelle: PC Games Call of Duty Modern Warfare 2 machte 2009 Schlagzeilen, als im vierten Level namens "No Russian" der Spieler an einem Terroranschlag im Moskauer Flughafen teilnimmt. Sich der fraglichen Design-Entscheidung bewusst, wurden Spieler bereits vor der Mission gewarnt und konnten sie komplett überspringen, ohne etwaigen Spielfortschritt oder Achievements zu verpassen. Spielte man das Level, so konnte man gänzlich darauf verzichten, auf die Zivilisten zu schießen und wurde von den NPCs auch nicht in irgendeiner Form dazu aufgefordert.

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