Keiji Inafune: Der Mann, der Mega Man geprägt und die Spielewelt verändert hat
Special
Keiji Inafune ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Spieleindustrie. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Stationen seiner Karriere und vor allem darauf, wie er die Entwicklung der Mega-Man-Serie geprägt hat.
Persönliche Rückschläge
Darüber hinaus muss Inafune nach seinem Ausstieg bei Capcom weitere Rückschläge hinnehmen. Der erste betrifft Kaio: King of Pirates, ein an Dynasty Warriors angelehntes Action-Abenteuer mit über 300 Tierwesen und einem Pinguin in der Hauptrolle, das 2011 erstmals für den Nintendo 3DS angekündigt wird und in Zusammenarbeit zwischen Comcept und seinem 2011 gegründeten zweiten Studio Intercept entsteht.
Eine zähe Entwicklungszeit von fast vier Jahren und Marktveränderungen führen schließlich dazu, dass das Spiel 2015 vom Publisher Marvelous eingestellt wird.
Rückschlag Nummer zwei betrifft den spirituellen Mega-Man-Nachfolger und 2D-Plattformer Mighty No. 9, für den Inafune und sein Team 2013 allein via Kickstarter in nur 31 Tagen knapp 3,845 Millionen Dollar einsammeln. Die Liste an Versprechen ist damals groß und die Entwickler geben sich hochmotiviert.
Zahlreiche Verschiebungen und eine zweite, mitten in der Projektphase stattfindende Kickstarter-Kampagne für einen Mega-Man-Legends-Erben namens Red Ash: The Indelible Legend sorgen allerdings dafür, dass Fans dem finalen Release am 21. Juni 2016 sehr kritisch gegenüberstehenden.
Leider sollen sie recht behalten: Neben technischen Problemen und wenig originellen Ideen fehlt Might No. 9 vor allem der Charme, der Mega Man seinrzeit auszeichnete. Das Ergebnis ist ein Metacritic-Schnitt von 52 von 100 Punkten.
Quelle: Comcept/Inti Crates/Deep Silver
Mighty No. 9
Der sonst so branchenkritische Inafune reagiert in einem Twitch-Stream zum Launch des Spiels entsprechend geknickt. "All Probleme, die dieses Spiel mit sich bringt, sind meine eigenen und wenn du mich mit Beleidigungen beschimpfen willst, ist das allein meine Schuld. Ich bin der führende Schöpfer des Projekts. Ich werde diese Verantwortung übernehmen."
Auch ReCore, das Concept zusammen mit den texanischen Armature Studios exklusiv für Xbox und PC entwickelt, läuft bei Weitem nicht so gut wie erwartet. Inafune hatte damals die kreative Vision einer offenen, postapokalyptischen Welt, die die Heldin Joule Adams mit drei Roboterfreunden erkundet.
Zu viele Fetch-Quests, nervige Ladezeiten von bis zu vier Minuten und Abstürze trüben die an sich gute Story mit soliden Jump&Run-Passagen jedoch und führen zu eher mäßigen Wertungen.
Inafune nimmt dies zum Anlass, Comcept unter die Schirmherrschaft von Level-5 zu stellen und das neue Studio in Level-5-Comcept umzubenennen. Er selbst wird Chief Communications Officer, wirkt aber weiterhin kreativ an kommenden Projekten mit.
Eines davon ist die für den 10. Oktober 2024 geplante, Switch-exklusive Lebenssimulation Fantasy Life i: Die Zeitdiebin, der viele Großes zutrauen und die von Inafune persönlich produziert wird.
Quelle: Level-5 Comcept
Fantasy Life I: Die Zeitdiebin
Beeindruckende Zwischenbilanz
Bis heute hat Kenji Inafune an über 90 Spielen mitgewirkt und mehrere erfolgreiche Franchises maßgeblich geprägt, allen voran natürlich Mega Man. Sein einzigartiger Artstyle und seine unerschöpfliche Leidenschaft für den "Blauen Bomber" verhalfen Mega Man zu Weltruhm und Capcom zu einer Kult-IP, die sich mittlerweile über 41 Millionen Mal verkauft hat und eine Vielzahl von Genres abdeckt.
Vor allem Inafune war es auch, der in der letzten und vorletzten Hardware-Generation nicht müde wurde, den Status quo der japanischen Entwicklerszene zu hinterfragen und damit zweifellos dazu beigetragen hat, alte Denkmuster langfristig aufzubrechen.
Gleichzeitig hat er sich nie gescheut, sich kritisch mit Rückschlägen auseinanderzusetzen und positiv nach vorn zu blicken. Alles wichtige Eigenschaften, die er sich hoffentlich auch in Zukunft bewahren wird und von denen sich andere Spieleentwickler definitiv eine Scheibe abschneiden können.
Und welches Spiel würde er in Zukunft gerne entwickeln, wenn Geld keine Rolle spielt? Gegenüber dem US-Portal IGN betonte Inafune im Sommer 2017, dass ihm dann ein weltweit zugängliches Multiplayer-Survival-Game mit Zombie-Szenario vorschwebe, bei dem jeder Spieler und jede Spielerin auf dem Globus mit nur einem einzigen Leben antritt. Wer am Ende überlebt, kassiert einen immensen Preis. Was das genau sein könnte, verriet Inafune leider nicht.
Jetzt seid ihr gefragt: Was haltet ihr von seiner bizarren Zombiespiel-Zukunftsvision? Welcher Mega-Man-Ableger hat euch am besten gefallen? Und war Mighty No. 9 wirklich so mies, oder ist es in Wahrheit ein von der Welt verkanntes Meisterwerk? Wir freuen uns auf eure Meinung in den Kommentaren!
