Mafia: The Old Country im Test - zwischen Messerduellen, Mafia-Ehre und emotionaler Story
Test
Mafia: The Old Country bringt die Serie mit Fokus auf Story, Charaktere und Atmosphäre zurück zu ihren Wurzeln. Im Test hat Enzos Abenteuer überzeugt.
Häufig wünschen sich Spieler von Nachfolgern diverse Neuerungen, um in ihren Augen einen neuen Teil zu rechtfertigen. Entwickler gehen dabei dann stets einen schmalen Pfad zwischen Innovation und dem Beibehalten der Identität einer Marke. Nicht immer klappt dieser Spagat, wie wir bei Mafia 3 bereits feststellen mussten.
Mit Mafia: The Old Country (jetzt kaufen 50,68 € / 44,99 € ) wollen sich die Macher von Hangar 13 daher wieder auf die Werte des ersten Mafia besinnen. Kurz vor dem Release haben wir das Spiel ausführlich durchgespielt. Im Test beantworten wir endlich die Frage, was es mit der offenen Spielwelt auf sich hat und ob die Geschichte an den Urvater der Serie anknüpfen kann.
Aus der Mine in die Mafia
Die Story von Mafia: The Old Country beginnt 1904 und spielt damit mehr als 25 Jahre vor dem Auftakt des ersten Mafia. Wir schlüpfen in die Rolle des jungen Enzo Favara, der ein hartes Leben als Bergarbeiter in den sizilianischen Schwefelminen führt. Ein Leben aus dem er versucht auszubrechen. Als ihn schließlich ein Zwischenfall mit seinem Vorgesetzten zur Flucht zwingt, wird er von Don Torrisi und dessen Männern aufgegabelt.
In der Folge arbeitet er als Hilfskraft auf dem Weingut des Dons und wird dabei unweigerlich immer weiter in dessen kriminelle Machenschaften hineingezogen. Wie auch schon bei Tommy aus dem ersten Mafia wird Enzo dabei vor allem von zwei erfahrenen Mafia-Mitgliedern unter ihre Fittiche genommen. Auf der einen Seite Luca, der väterliche Mentortyp, auf der anderen Seite Cesare, der faule, arrogante Schnösel, der sich aber mit der Zeit zu einem guten Freund entwickelt.
Quelle: PC Games
Enzos Geschichte beginnt als unterdrückter Minenarbeiter, der von einem besseren Leben in Empire Bay träumt.
Starke Mafia-Story
Die große Stärke des Spiels ist auf jeden Fall die Story. Ihr wird in Mafia: The Old Country alles untergeordnet. Fast noch mehr als im ersten Teil der Reihe nimmt uns die Erzählung von Anfang bis Ende auf eine Reise mit, bei der wir nur sehr selten die Möglichkeit haben, mal auf eigene Faust loszuziehen.
Stattdessen geht es Schlag auf Schlag. Ein wichtiger Storymoment folgt dem nächsten. Und da wir eigentlich fast immer mit irgendjemand anderem interagieren und unterwegs sind, kommen wir gar nicht erst auf die Idee, vom Pfad der Geschichte abzuweichen.
So hat uns die Erzählung in ihren 12-13 Stunden permanent unter Spannung gehalten. Geht es in den ersten Kapiteln noch vornehmlich um die Suche von Enzo nach seiner Rolle in dieser neuen Familie, kommen schnell auch übergeordnete Handlungsstränge auf uns zu. Neben der Familie von Don Torrisi sind in der Region noch zwei andere Mafiafamilien aktiv. Hinzu kommen Spieler wie der örtliche Baron und natürlich die Kräfte des Staates. Konflikte an verschiedenen Fronten sind da vorprogrammiert.
Die daraus resultierenden Spannungen, zwischen denen sich Enzo mit seiner Loyalität zur Familie und seinen persönlichen Bestrebungen bewegen muss, ergeben eine fantastisch erzählte Geschichte aus Ehre, Verrat und Tragik. Die Erzählung schafft es auch immer wieder, auf fantastische Weise zwischen die düsteren Gangster-Machenschaften ein paar leichtherzige Momente einzustreuen, nur um uns dann unverhofft wieder tief in den Mafiasumpf hineinzuziehen.
Großen Anteil an der großartigen Story haben auch die Schauspieler, die sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch einen guten Job machen. Neben einigen anderen Sprachen gibt es übrigens auch eine komplette Vertonung auf Sizilianisch. Die hat atmosphärisch gleich nochmal eine ganz besondere Wirkung.
Bildergalerie
Sizilien, das alte Land
Atmosphärisch gelungen ist auch die Spielwelt. Nur sind wir diesmal eben nicht in einer amerikanischen Großstadt unterwegs, sondern in der sizilianischen Provinz. Die Landschaft ist geprägt von Bergen am Horizon, geschwungen Hügeln, Wein- und Lavendelfeldern. Es gibt drei größere Ortschaften und ein paar kleinere Dörfer hier und da. Das hat auch zur Folge, dass es hier längst nicht so belebt ist, wie auf den dicht befahrenen Straßen von Lost Heaven oder Empire Bay. Verkehr begegnet uns nur selten und auch sowas lästiges wie Verkehrsregeln gibt es zu dieser Zeit noch nicht.
Wie schon im ersten Mafia dient die Spielwelt aber ohnehin in erster Linie als Hintergrundkulisse für die Story. Eine Welt voller Aktivitäten Abseits der Handlung gibt es hier nicht. Das ist auch völlig in Ordnung so, denn wirklich Zeit zum Erkunden lässt einem die Story wie beschrieben ohnehin nicht. Komplett nutzlos ist die offene Spielwelt aber trotzdem nicht. Wer sich darauf einlässt, kann durchaus Dinge entdecken.
