Stilvoll durch Lost Heaven: Wie (die) Mafia die Spielebranche eroberte

Special Michael Grünwald
Stilvoll durch Lost Heaven: Wie (die) Mafia die Spielebranche eroberte
Quelle: PC Games

Kurz vor dem Release von Mafia: The Old Country geht's zurück nach Lost Heaven. Der Retro-Check des ersten Teils bringt ganz viel Nostalgie zurück.

GTA ist keine Konkurrenz

Neben dem linearen Missionsdesign sind auch das realistische Fahrverhalten und das allgemein langsamere Gameplay ein deutlicher Unterschied zu GTA. Die beiden Titel lassen sich kaum miteinander vergleichen und doch werden sie häufig im selben Atemzug genannt.

Mafia war laut Entwicklern nie als Konkurrent zu GTA geplant und weist außer der offenen Spielwelt und der Kriminalität in der Stadt keinerlei Ähnlichkeiten auf. Die ernsten Geschichten, die in allen Teilen der Reihe erzählt werden, sind bewusst gewählt.

Während die Rockstar-Titel eher einen arcadigen, actiongeladenen Ansatz wählen, geht's in Mafia in den alten Karren meistens gemächlich zu. Der komplette Plot lässt sich um einiges mehr Zeit als das andauernde Feuerwerk in GTA.

Auch die Erzählweise der Story und die Charaktere sind deutlich realer als die teilweise überzeichneten Figuren in den Rockstar-Titeln. Während mich GTA immer wieder mit Humor und Gesellschaftskritik abholt, geht's in Mafia um das knallharte und tödliche Geschäft verfeindeter Banden. Da ist mit Witz nicht viel zu holen.

Don Salieri erscheint auf den ersten Blick als netter Kerl, doch der Mafia-Boss geht über Leichen. Quelle: PC Games Don Salieri erscheint auf den ersten Blick als netter Kerl, doch der Mafia-Boss geht über Leichen.

Ein Prototyp einer offenen Welt

Die Spielwelt ist zwar teilweise auch in der Story frei befahrbar, aber aufgrund des Missionsdesign nutze ich das nicht wirklich. Das Spiel gibt mir schließlich klare Ziele vor und es fühlt sich jedes Mal ein wenig falsch an, wenn ich vom vorbestimmten Weg abkomme.

Es gibt aber auch einen "Freie-Fahrt"-Modus, in dem ich Lost Heaven noch ein wenig mehr erkunden kann. Recht schnell fällt allerdings auf, dass die Stadt damals eher als reine Kulisse entwickelt wurde. Nur die wenigsten Gebäude sind begehbar und auch ansonsten passieren keine Zufallsereignisse wie in GTA.

Aber ich kann als Taxifahrer Geld verdienen oder Gangster umnieten, um an Moneten zu kommen. Die gehen für Fahrzeugreparaturen, das Kaufen von Knarren oder Vergehen im Straßenverkehr wieder drauf. Mafia versucht, mir dabei eine lebendige Welt vorzugaukeln, aber richtig viel geboten bekomme ich dennoch nicht.

Immerhin darf ich mir vor dem Start ein Auto auswählen und mit den schicken, klassischen Karren über die Straßen cruisen. Das macht auch Spaß, bringt jetzt aber nicht gerade Langzeitmotivation. Mafia ist und bleibt einfach eine lineare Spielerfahrung.

Dafür verbringe ich gerne Zeit im Ausstellungsraum und schaue mir die verschiedenen Modelle detailliert an. Die Entwickler wussten im Jahr 2002 schon, was die Spieler fasziniert und wo die Prioritäten hingehören. Die Fahrzeuge der 30er-Jahre sind einfach großartig und ganz besonders.

Im Ausstellungsraum kann man sich die schicken Modelle inklusive Leistungsdaten ansehen. Quelle: PC Games Im Ausstellungsraum kann man sich die schicken Modelle inklusive Leistungsdaten ansehen.

Ein Auf und Ab der Gefühle

Weil das Spiel damals so gut ankam, war auch recht schnell klar, dass es einen Nachfolger geben wird. Trotzdem musste ich acht Jahre auf Mafia 2 warten. Aber hat sich das Warten auch gelohnt? In den ersten Stunden auf alle Fälle.

Grafisch macht der zweite Teil bis heute einiges her. Schon im ersten staunte ich über Gesichter und vor allem den Zigarrenrauch nicht schlecht, aber Part zwei setzte da nochmal einiges obendrauf.

Die erste Mission brachte mich zunächst nach Italien, in dem zu dieser Zeit der Zweite Weltkrieg tobte, doch danach ging's zurück in die Staaten, genauer gesagt in die fiktive Stadt Empire Bay und zwar in den Wintermonaten.

Let it snow, let it snow, let it snow: Zu Spielbeginn fällt in Mafia 2 ordentlich Schnee. Quelle: PC Games Let it snow, let it snow, let it snow: Zu Spielbeginn fällt in Mafia 2 ordentlich Schnee. Eine so schicke Darstellung von Schnee in einer Spielwelt war im Jahr 2010 besonders und überzeugt mich bis heute. Während ich erneut in schicken Karossen durch die Gegend fahre, höre ich im Radio echte Klassiker wie "Let it snow". Die Atmosphäre ist einzigartig und erstklassig.

Der Soundtrack passt allgemein in jedem Teil der Reihe perfekt und rundet das Spielerlebnis ab. Leider hat zum Release von Mafia 2 aber die Technik nicht mitgespielt. Etliche Bugs und Abstürze zerstörten den Moment und im Jahr 2010 brachten Entwickler noch nicht jede Woche neue Patches für ihre Spiele raus. Für viele Spieler schwang also ebenfalls viel Frust mit. Selbst als ich für dieses Retro-Special nochmal reingespielt habe, ist mir der Titel das ein oder andere Mal abgeschmiert. Schade!

  1. Seite 1 Mafia im Retro-Check: Einleitung und Story
  2. Seite 2 Mafia im Retro-Check: Questdesign und Missionen
  3. Seite 3 Mafia im Retro-Check: Open World und Mafia 2
  4. Seite 4 Mafia im Retro-Check: Mafia 3, Remake und The Old Country
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