Lies of P im Test: Ein Lügenmärchen im Soulslike-Gewand

Test Annika Menzel Sascha Lohmüller
Lies of P im Test: Ein Lügenmärchen im Soulslike-Gewand
Quelle: Neowiz

In unserem Test zu Lies of P klären wir, ob das eigenwillige Soulslike mit Pinocchio-Steampunk-Setting uns unterhalten kann oder ob der Spielspaß uns stattdessen eine lange Nase dreht.

Ihr findet außerdem nicht nur am laufenden Band Waffen, sondern könnt deren Griffe und Klingen beliebig miteinander kombinieren sowie das Skalieren mit bestimmten Statuswerten verändern und so eine individuelle Ausrüstung erschaffen. Der linke Arm von P wird kurzerhand zu einer Legionswaffe, die zum Beispiel Feuerströme versprüht, Elektroschocks verpasst oder kleinere Gegner heranzieht.

Außerdem gibt es je nach Waffenkonstellation spezielle Fabel-Angriffe, die sich während des Kampfes aufladen müssen. Dazu kommt, dass ihr nicht nur zwischendurch eure Waffe wieder schärfen müsst, sondern diese kurzzeitig mit einem besonderen Statuseffekt wie Feuerschaden versehen könnt. Allerdings ist das normale Schleifen nur in bestimmten Situationen notwendig und nichts, worauf ihr wirklich konstant achten müsst.

Zudem gibt es mit dem P-Organ einen Fähigkeitenbaum, durch den ihr mithilfe von Quarz hilfreiche Verbesserungen freischaltet. Das Material bekommt ihr beispielsweise von Minibossen oder aus Schatztruhen. Je nach Verbesserung müsst ihr zwei bis vier Stück davon investieren, um sie freizuschalten, jedoch habt ihr bei jedem Slot bereits die Auswahl für ein kleines Upgrade aus vier verschiedenen Kategorien, wodurch ihr euren Naseweis individuell anpassen könnt.

Inmitten von Feuern kämpfen zwei Charaktere. Quelle: Neowiz Da vor allem die Bossgegner anfällig gegen unterschiedliche Statuseffekte sind, ist die Zusammenstellung der Ausrüstung nicht nur eine Frage des präferierten Spielstils, sondern auch der aktuellen Herausforderung. Zur Vorbereitung tauscht ihr die gewonnen Ergos bei Sophia gegen Levelerhöhungen ein, die vor allem direkt vor Bosskämpfen wichtig sind, wenn ihr zu wenig Schaden macht und euch deshalb schwertut.

Und das werdet ihr, denn Lies of P ist schwierig. Verdammt schwierig! Einsteigern können wir es absolut nicht ans Herz legen. Wenn das Setting es euch angetan hat, sammelt erstmal etwas Erfahrung in den FromSoftware-Spielen oder einfacheren Soulslikes wie Steelrising, sonst werdet ihr vermutlich nicht weit kommen und vor allem keinen Spaß haben. Selbst mit Soulsborne-Expertise hatten wir es nicht leicht, was auch unser großer Kritikpunkt an dem Spiel ist.

Eine Figur steht vor einer großen Statue in einer Halle. Quelle: Neowiz

Schwieriger ist nicht gleich besser!

Ja, mit dieser Aussage begeben wir uns auf dünnes Eis, schließlich macht der hohe Schwierigkeitsgrad diese Spiele aus. Aber es kommt ganz darauf an, wie er zustande kommt und mit potenziellem Frust umzugehen weiß. Hier schießt sich Lies of P selbst ins hölzerne Knie, denn der Titel scheint nicht zu wissen, worauf er seinen Fokus legen will, was sich in fast jedem Bosskampf widerspiegelt.

Denn bei der Konzeption haben sich die Entwickler anscheinend mehr an FromSoftwares schlechten Angewohnheiten als an ihren gelungenen Kreationen orientiert. Die größten Probleme sind die verzögert ausgeführten Angriffe, auf die fast alle Endgegner zumindest teilweise zurückgreifen, und wilde Kombos, die nicht nur schnell, sondern auch unübersichtlich sind. Dadurch wird das Reagieren stark erschwert, zumal die Bosse scheinbar willkürlich noch optionale Schläge dranhängen können.

Es gibt nur wenige Momente, in denen ihr halbwegs sicher zuschlagen oder euch heilen könnt. Dazu kommt die nächste Fehlentscheidung: Während die Vorbilder sich klar für jeweils eine Option aus Parieren oder Ausweichen entschieden haben und die andere stark in den Hintergrund rückt, ist hier beides gefragt. Vor allem zu Beginn ist die Ausweichrolle allerdings absolut unbrauchbar und das richtige Zeitfenster für eine Parade zu treffen, erfordert stumpfes Auswendiglernen.

Im Gegensatz zu Sekiro, was es zu seinem Kernelement gemacht hat, so lange die gegnerischen Hiebe abzuwehren, bis die Haltungsleiste bricht, müsst ihr bei Lies of P bereits deshalb Parieren, um nicht direkt in einer verheerenden Kombi gefangen zu sein. Bei manchen Angriffen ist Ausweichen dann doch wieder praktischer, um mal für kurze Zeit der Schusslinie zu entkommen. Eine Kombination aus beidem ist also essenziell dafür, nicht das Zeitliche zu segnen, überhaupt mal Schaden auszuteilen ist so aber knifflig.

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