Lies of P im Test: Ein Lügenmärchen im Soulslike-Gewand
Test
In unserem Test zu Lies of P klären wir, ob das eigenwillige Soulslike mit Pinocchio-Steampunk-Setting uns unterhalten kann oder ob der Spielspaß uns stattdessen eine lange Nase dreht.
Letztendlich landet er aber in eurer Basis, egal wofür ihr euch entscheidet. Dadurch entsteht das Gefühl, mit den Entscheidungen doch nicht so recht etwas bewirken zu können. Wir hätten uns gewünscht, dass solche Momente eine direkte Konsequenz hätten und unter Umständen sogar Spielinhalte blockieren würden. Ein Beispiel: Um das Hotel überhaupt betreten zu können, müssen wir lügen. Entscheiden wir uns im dazu passenden Dialog jedoch für die Wahrheit, müssen wir uns danach einfach doch noch für die Lüge entscheiden. Solche Szenen wirken inkonsequent im Hinblick darauf, was für ein charakteristisches Element es sein sollte.
Sichtbar wird die zunehmende Veränderung, die P durch seine Entscheidungen durchläuft, mehr an charmanten Details wie anderem Aussehen und wie die niedliche Katze aus dem Hotel auf ihn reagiert. Denn je mehr P lügt, desto menschlicher wird er mit der Zeit. Eine Art Fortschrittsanzeige gibt es nicht, wenn ihr jedoch im Verlauf des Spiels ein Gemälde mit einem sehr bekannten Gesicht darauf entdeckt, wird eure Tendenz daraufhin sehr humorvoll anhand des Bildes vermittelt - mehr wollen wir da nicht verraten.
Bloodborne trifft Assassin's Creed: Syndicate
Womit Lies of P definitiv glänzen kann und sich keine Notlügen ausdenken muss, ist die optische Gestaltung der Welt sowie die grafische Qualität. Dafür, dass es erst das zweite Spiel des Entwicklerstudios Round8 ist, das zum koreanischen Publisher Neowiz gehört, sieht es wirklich eindrucksvoll aus. Mit großen AAA-Produktionen kann es nicht ganz mithalten, aber es hat uns sehr positiv überrascht. Zudem läuft es bis auf die Tatsache, dass manche Texturen ins Bild ploppen beziehungsweise kurz schwarz werden, recht reibungslos, was direkt zum Release leider keine Selbstverständlichkeit zu sein scheint.
Historisch ist das Spiel in der Belle Époque angesiedelt, also etwa um das Jahr 1900 herum. Das bietet nicht nur den perfekten zeitlichen Rahmen für das Spiel, was technischen Fortschritt anbelangt, sondern passt gleichzeitig zu zwei literarischen Phänomenen: Einerseits spielen Puppen beziehungsweise Automaten in der schwarzen Romantik, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts verorten lässt, bereits eine Rolle, andererseits ist Collodis Originalgeschichte über die Holzpuppe Pinocchio im Jahr 1883 veröffentlicht worden.
Die Spielwelt lässt sich als eine Mischung aus Gothic und Steampunk bezeichnen und sorgt für eine düstere, aber nicht gruselige Atmosphäre, die wirklich gelungen ist. Die Ausmaße des Puppenwahns werden vor allem in den Stadtgebieten von Krat deutlich, überall liegen zerstörte Kutschen samt leblosen Pferden herum, Häuser wurden verbarrikadiert und es brennt an jeder Ecke. Die einzelnen Gebiete sind abwechslungsreich gestaltet, teilweise allerdings zu nah am spielerischen Vorbild dran.
Quelle: Neowiz
Dass sich Soulslikes an den Genre-Vorreitern orientieren, ist nicht nur gang und gäbe, sondern auch erwünscht. Besonders Bloodborne-Fans, die bisher vergeblich auf eine Fortsetzung warten, dürften sich über die zunehmende Anzahl an Titeln freuen, die zu dieser Stil-Richtung anstelle des Fantasy-Settings von Dark Souls tendieren - es gibt jedoch auch ein "Zu viel des Guten". Lies of P ist keinesfalls eine schnöde Kopie, da die Entwickler viele eigene Ideen einbringen, es gibt jedoch sehr auffällige Parallelen.
Das beginnt schon mit dem Soundeffekt, wenn ihr einen Gegenstand einsammelt, der quasi identisch mit dem aus Bloodborne ist. Außerdem gibt es ein Waldgebiet mit angrenzendem Dorf, das bei uns für ein richtiges Déjà-vu gesorgt hat. Und die zerstörten Straßen in der Stadt könnten genauso gut aus einem moderneren Yharnam stammen. Da die Areale aber für ausreichend Abwechslung sorgen und es genügend eigenstände Kreationen gibt, drücken wir nochmal ein Auge zu.
Ein Puppenwerkstatt-Simulator
Wo wir das allerdings nicht tun können, ist beim Gameplay: Das Herzstück ist gleichzeitig die Schwachstelle und sorgt dafür, dass Lies of P sein eigenes Potenzial nicht ausschöpft. Prinzipiell läuft das Spiel so ab, wie es sich für ein Soulslike gehört: Ihr kämpft euch durch verschiedene Gebiete und schaltet währenddessen Abkürzungen frei, das Leuchtfeueräquivalent namens Stargazer dient zum Schnellreisen und Rasten, am Ende eines Gebiets wartet ein herausfordernder Boss auf euch und bei jedem Tod bleibt eure Währung an der Stelle eures Untergangs liegen, bis ihr sie wieder einsammelt - so weit, so gut!