Kunai: Retro-Metroidvania im Test - Außen Tablet, innen Ninja!
Test
Niedliches Ninja-Tablet kämpft gegen eine böse Roboterarmee: Aus dieser witzigen Idee strickt Kunai ein klassisches Metroidvania-Abenteuer, das im Test vor allem mit coolem Retro-Stil, guter Spielbarkeit und zwei praktischen Kletterhaken punktet. Für eine Top-Wertung reicht das trotzdem nicht: Kunai ist für Metroidvania-Kenner nur zweite Wahl.
Das Metroidvania-Spitzenfeld ist heutzutage derart eng besetzt, dass viele Geheimtipps leider nicht die Beachtung finden, die sie verdient hätten. Kunai ist es trotzdem gelungen, ein wenig aus der zweiten Reihe rauszustechen. Das verdankt es vor allem seiner liebenswert gepixelten Retro-Grafik, die auf eine streng limitierte Farbpalette setzt und damit wohlige Erinnerungen an den Game Boy Color weckt. Technisch stinkt Kunai damit zwar mächtig gegen die Konkurrenz ab, stilistisch ist es aber ein Volltreffer.
Ein weiterer Pluspunkt ist Kunais liebenswerter Held: Ihr spielt Tabby, ein mutiges kleines Tablet, dem die Seele eines ehrwürdigen Ninjas innewohnt. Tabby erwacht in einer trostlosen Zukunft, in der die Menschheit fast vollständig von der bösen K.I. Lemonkus vernichtet wurde, seitdem wird die Welt von feindseligen Robotern regiert. Anfangs noch ohne Ziel oder nennenswerte Fähigkeiten, schnappt sich Tabby das nächstbeste Katana und beginnt damit, die feindlichen Blechbüchsen zu zersäbeln.
Quelle: PC Games
Obwohl das Katana im gesamte Spiel eure Hauptwaffe bleibt, sind auch die drei Knarren – hier Tabbys Maschinenpistolen – sehr effektiv im Kampf.
Dabei trifft der kleine Held auch auf eine Gruppe von mechanischen Freiheitskämpfern, die Lemonkus stürzen und Tabby natürlich liebend gern für ihre Zwecke einspannen wollen. Kunai (jetzt kaufen ) fährt hier zwar eine stattliche Menge an NPCs auf, doch leider bleiben die meisten von ihnen ziemlich blass und Nebenquests gibt es so gut wie gar nicht. Immerhin haben die Figuren aber ein paar lockere Sprüche auf Lager und sorgen so für ausgelassene Stimmung.
Doppelhaken hält besser
Bis ihr den Oberschurken auf die Matte schickt, dürften geübte Spieler etwa sechs bis acht Stunden brauchen. Tabbys Abenteuer folgt dabei dem klassischen Metroidvania-Grundsatz: Ihr beginnt mit nichts, sammelt Upgrades, werdet stärker und könnt so weitere Teile der Spielwelt erkunden. Dabei lernt ihr beispielsweise nicht nur den genretypischen Doppelsprung, sondern erhaltet auch schon früh zwei Kunais, die das wichtigste Feature im ganzen Spiel darstellen. Die praktischen Wurfklingen sind nämlich an zwei Seilen befestigt und haften an den meisten Oberflächen in der Spielwelt. Mit ihnen kann sich Tabby an steilen Wänden heraufziehen oder an Decken entlangschwingen - eine simple, gut umgesetzte Enterhaken-Mechanik, die dem Gameplay ein wenig Würze verleiht. Habt ihr den Bogen erst mal raus, düst ihr damit regelrecht durch die Levels und erledigt eure Gegner im Nu, das macht Laune!
Quelle: PC Games
Die doppelten Kunais erhaltet ihr schon früh. Mit etwas Übung könnt ihr damit hohe Sprünge hinlegen.
Hin und wieder stehen auch ordentlich gemachte Bosskämpfe an, in denen ihr die Angriffsmuster des Gegners lernen und natürlich eure Kunais beherrschen müsst. Bis auf den letzten Boss, der überraschend knifflig ausfällt, sind die Gefechte allerdings nie zu schwer geraten, auch unerfahrene Spieler sollten da nicht mehr als ein paar Anläufe brauchen.
Dürftiges Angebot: Waffen und Upgrades
Quelle: PC Games
Beim Schmied dürfen wir Tabbys Katana in zwei Stufen aufwerten.
Neben Tabbys Katana, das ihr in zwei Stufen aufleveln dürft, erhaltet ihr im Spielverlauf auch noch drei verschiedene Schusswaffen. Die sind nicht nur hilfreich im Kampf gegen Lemonkus' Roboterarmee, sondern erfüllen auch praktische Funktionen: Mit Wurfsternen aktiviert Tabby zum Beispiel entfernte Schalter und der Raketenwerfer räumt schwere Gesteinsbrocken aus dem Weg. Mit den Maschinenpistolen kann euer kampfwütiges Tablet außerdem größere Abgründe überwinden, indem es einfach im Sprung nach unten ballert und sich so eine Weile in der Luft hält. Alle Waffen lassen sich in einem sehr überschaubaren Upgrade-Menü noch ein wenig verbessern. Dazu müsst ihr einfach Währung einsammeln, die besiegte Gegner hinterlassen.
Für die relativ kurze Spielzeit geht das Angebot zwar noch in Ordnung, doch gerade im Genrevergleich hat Kunai einfach zu wenig Waffen, Ausrüstung und Upgrades zu bieten. Hält man beispielsweise ein Hollow Knight oder Steamworld Dig 2 dagegen, die von Anfang bis Ende mit Verbesserungen und lohnenswerten Secrets motivieren, landet Kunai klar auf den hinteren Rängen. Hier wäre mehr tatsächlich auch mehr gewesen.
Bildergalerie
Für Genre-Kenner nur zweite Wahl
Quelle: PC Games
Der hübsche Retro-Look erinnerte uns im Test angenehm an den Game Boy Color.
Dafür kann Kunai aber mit sauberem Spielfluss und solidem Leveldesign punkten. Tabbys Reise führt euch durch verschiedene, oft vertikal aufgebaute Levels, darunter Fabriken, Wüsten, Wälder oder eine unterirdische Bahnstation, später seid ihr auch in einer Roboterstadt und einer ausgedehnten Mine unterwegs. Dort gibt es zwar nur wenig zu entdecken, immerhin haben die Leveldesigner aber einige Kisten hinter passierbaren Wänden versteckt. Darin erbeutet ihr gelegentlich Herzteile, mit denen sich Tabbys Lebensbalken erweitern lässt. Außerdem findet ihr häufig Kopfbedeckungen, die zwar keinen spielerischen Effekt haben, aber zumindest Tabbys Look verändern. Um wirklich alles zu finden, müsst ihr mehrmals in alte Gebiete zurückkehren, typisch für Metroidvanias. Das geht dank der Kunais zwar relativ flott, trotzdem hätten wir uns aber eine Art von Schnellreisesystem gewünscht.
Auch das kommt auf unsere lange Liste mit Verbesserungsvorschlägen, die wir für einen zweiten Teil hätten. Denn obwohl es Kunai noch nicht ganz in die Oberliga schafft, wäre uns ein neues Abenteuer mit Tabby sehr willkommen - das darf dann auch gerne größer und ambitionierter ausfallen!
Kunai kostet nur 17 Euro und ist aktuell für PC und Switch erhältlich. Umsetzungen für andere Systeme sind (noch) nicht angekündigt.
