Kingdom Come Test: Stealth - Diebstahl - Ruf und KI - Jagd
Test
Mittelalter pur: Kingdom Come: Deliverance glänzt im Test mit einer stimmigen Welt, schönen Quests, toller Optik und einer klasse Vertonung!
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Gegen Ende der Hauptquestreihe strapaziert Kingdom Come außerdem unsere Geduld, als wir für unsere Ermittlungen einer Klostergemeinde beitreten müssen: Einerseits erwartet uns hier ein origineller, clever verzahnter Adventure-Part, andererseits zerren das lahme Tempo und nervige zeitliche Beschränkungen immer wieder an unseren Nerven - was waren wir froh, als der zähe Abschnitt vorbei war! Ganz zum Schluss übertreiben es die Questdesigner dann nochmal richtig, strecken das Finale mit zig unnötigen Botengängen und Reisewegen künstlich in die Länge und tischen uns davor noch einen ärgerlichen Schleichabschnitt auf, der für Verwirrung und Frust sorgt. Spielerisch geraten die letzten Stunden der Hauptquest also reichlich holprig, was auch den eigentlich gelungenen Abschluss der Story etwas überschattet.
Schleichen und Diebstahl
Dafür haben die Quests andere Qualitäten, vor allem für Diebe: Für einen ordentlichen Teil der Nebenaufgaben sollen wir nämlich niemanden verdreschen, sondern müssen unser Geschick im lautlosen Anschleichen, im Taschendiebstahl und im Knacken von Schlössern beweisen. Das Gute daran: Kingdom Come verzichtet auf feste Klassen, ihr könnt grundsätzlich alles lernen und meistern. Man darf also auch als Nahkämpfer oder Bogenschütze ein fähiger Langfinger werden, sollte für nächtliche Beutezüge aber daran denken, die scheppernde Rüstung gegen unauffällige Klamotten einzutauschen, die weniger Lärm und Aufsehen erzeugen.
Spielerisch geht das Schleichen locker von der Hand. Einzig das Minispiel zum Schlösserknacken fällt mit dem Gamepad ziemlich fummelig aus und braucht einiges an Eingewöhnung. Trotzdem kommt da Spannung auf, wenn wir nachts in die Privaträume eines Adeligen schleichen, an schlafenden NPCs und Wachen vorbeihuschen und unter Zeitdruck versuchen, eine Kiste aufzuschließen, bevor uns jemand erwischt! Auch bei Tage müssen wir Vorsicht walten lassen, denn beim Betreten von Privaträumen kommt in der Regel sofort jemand angeflitzt und fordert uns auf, das Weite zu suchen. Sollten wir dem nicht nachkommen, wird's ungemütlich!
Strafe muss sein!
Sollte uns jemand beim Stehlen ertappen, wird ein saftiges Bußgeld fällig. Haben wir die nötigen Groschen nicht beisammen und sind auch nicht redegewandt genug, um die Sache diplomatisch zu klären, wandern wir für einen Tag in den Kerker und erhalten dazu einen ätzenden Schwächungseffekt. Außerdem sinkt unser Ruf in der Gegend, wodurch uns viele NPCs nur noch mürrisch begegnen. Doch keine Bange: Mit guten Taten und etwas Zeit lässt sich auch ein ramponierter Ruf wiederherstellen. Trotzdem ist für Diebe jederzeit Vorsicht geboten: Besonders in den ersten Spielstunden sprechen uns die Stadtwachen an und durchsuchen unser Inventar auf Diebesgut! Es empfielt sich also dringend, geraubte Gegenstände nicht zu lange mit sich herumzuschleppen, sondern sie beim zwielichtigen Müller um die Ecke zu verscherbeln, was ohnehin eine der besten Methoden ist, um schnell an Geld zu kommen.
Das Jagdsystem - arme Schweine!
Quelle: PC Games
Die Jagd auf Wildtiere spielt sich nicht sonderlich gut, ist aber einträglich: Mit Fleisch lässt sich ein kleines Vermögen machen!
Das betrifft auch das kostbare Wild, das wir in den Wäldern finden können: Wenn wir Rehe, Hasen, Hirsche und Wildschweine jagen, erbeuten wir massenhaft wertvolles Fleisch. Allerdings verdirbt die Ware schnell und obendrein gilt Wilderei als schweres Verbrechen. Praktische Lösung: Das Fleisch an einer Feuerstelle braten, dadurch gewinnt es an Wert, wird nahrhafter und wertvoller - und wir können es immer noch gegen massig Kohle beim Müller eintauschen.
Doch auch wenn sich die Jagd als beste Einnahmequelle entpuppt, macht sie nur selten wirklich Spaß: Das Bogenschießen ist ungenau und zeitaufwendig; bis man überhaupt mal etwas trifft, vergeht eine gefühlte Ewigkeit. Noch dazu driftet der Kampf gegen Wildschweine schlicht ins Peinliche ab: Die ungelenk animierten Tiere stellen kaum eine Gefahr dar, sondern poltern einfach so lange auf uns, bis wir sie mit zig Messerstichen erledigt haben - das erzeugt eher Mitleid als ein Gefühl von Bedrohung.
Man lernt nie aus!
Quelle: PC Games
Das Interface ist aufgeräumt, die Listenmenüs und fehlenden Tooltips zeigen aber: Die Menüs wurden für Konsolenspieler entworfen.
Neben der Jagd gibt es noch eine Reihe weiterer Nebenbeschäftigungen, etwa ein nützliches, aber auch zeitaufwendiges Alchemiesystem. Außerdem darf man Waffen schleifen, mit Schatzkarten nach verborgener Beute suchen und abgenutzte Kleidung mit Reparatursets in Schuss halten. Wer zum Schriftgelehrten geht, kann dort außerdem Lesen lernen und fortan verschiedenste Bücher wälzen, um Basiswerte zu steigern. All diese Fertigkeiten sowie Kernattribute wie Stärke, Vitalität, Redekunst, Schwertkampf und Bogenbeherrschung verbessern sich durch Benutzung. Das heißt: Wer viel mopst, wird ein besserer Taschendieb. Wer viel reitet, hockt sicherer im Sattel. Und wer sich häufig prügelt, teilt auch mit der Zeit kräftiger aus. Steigt ein Attribut oder eine Fertigkeit im Rang auf, können wir noch aus ein paar zusätzlichen Perks wählen, die uns beispielsweise effektiver verhandeln lassen oder die uns Boni auf wichtige Charakterwerte verleihen, sobald wir uns in die freie Natur begeben. Das System ist intuitiv, aber nicht gerade tiefgängig - wir haben die Charakterentwicklung oft im Vorbeigehen erledigt, zumal wir eh kaum direkten Einfluss darauf haben.
