Kingdom Come 2: Ein Rollenspiel für echte Rollenspieler!

Test Carlo Siebenhüner
Kingdom Come 2: Ein Rollenspiel für echte Rollenspieler!
Quelle: Plaion / PC Games

Kingdom Come: Deliverance 2 feilt die richtigen Ecken des Vorgängers ab, ohne seinen Charakter zu verlieren. Herausgekommen ist ein großartiges Rollenspiel.

Es ist aber auch weiterhin eher ein Ausdauerspiel. In vielen Fällen laufen die Kloppereien darauf hinaus, dass ich abwechselnd die Attacken meines Gegners blocke und ihn angreife, bis einer einen Fehler macht oder keine Ausdauer mehr hat. Hier hätte ein wenig mehr Varianz noch gutgetan. Für den Fernkampf kann ich jetzt neben dem Bogen auch Armbrüste benutzen. Sogar eine erste Form einer Schusswaffe ist im Spiel. Die ist aber extrem ungenau und nicht wirklich zu gebrauchen.

Doch die direkte Konfrontation ist nicht immer optimal. Im Fall meines Auftragsmords hätte ich dann vermutlich gleich das ganze Dorf am Hals, wenn den jemand beobachtet. Also schleiche ich mich lieber nachts in das Haus meines Ziels und erledige die Arbeit mit dem Dolch in seinem Bett. Ich könnte mir aber auch Gift besorgen und es in sein Essen mischen.

Eine Kneipenschlägerei in Kingdom Come: Deliverance 2 Quelle: Warhorse Auch hier muss ich übrigens darauf achten, dass mich niemand erwischt. NPCs können eins und eins zusammenzählen und verdächtigen mich, wenn sie mich am Ort des Verbrechens gesehen haben.

Do-it-yourself

Ich könnte aber auch den Tagesablauf des Bauern studieren und herausfinden, dass er sich abends in der Schenke noch mit ein paar Bier die Lampen ausknipst. Warum setze ich mich also nicht zu ihm und überrede ihn, meine Auftraggeber einfach in Ruhe zu lassen? Das erfordert natürlich entsprechendes Charisma und einen guten Rede-Skill.

Meine Fähigkeiten steigere ich einfach, indem ich Dinge in der Spielwelt mache. Kingdom Come 2 nutzt das einfache, aber geniale Skyrim-Prinzip und levelt mich langsam in den Fertigkeiten hoch, die ich öfter benutze. Laufe ich viel ohne Pferd herum, steigere ich meine Agilität. Überrede ich gern Leute, klettert meine Redekunstnach oben und schleppe ich immer massenhaft Zeug in meinen Taschen durch die Gegend, werde ich stärker.

Die Menüs in Kingdom Come: Deliverancer 2 Quelle: Warhorse Zusätzlich erhalte ich immer wieder Skill-Punkte in den gesteigerten Attributen, mit denen ich meinen Spielstil durch Perks verfeinere. Will ich Attribute gezielt aufleveln, kann ich aber auch zu Lehrern gehen und Bücher lesen. Ich finde dieses System einfach unheimlich intuitiv und es will mir wirklich nicht in den Kopf, warum so wenige Rollenspiele darauf zurückgreifen.

Held im Wald

Es fühlt sich schlicht natürlich an, in den Dingen besser zu werden, die man gerne tut, vor allem, wenn man sich mit Freude in der Spielwelt aufhält und von einem Abenteuer ins nächste stolpert. Kingdom Come: Deliverance 2 glänzt auch hier mit seinem großartigen Welt-Design. Die Entwickler bei Warhorse verstehen es wie kein Zweiter, mitteleuropäische Wälder realistisch darzustellen.

Die Burg Trosky im böhmischen Paradies. Quelle: Warhorse Ich dachte beim Erkunden von Trosky und Kuttenberg immer wieder, dass ich auch in der Realität schon durch genau solche Wälder und Wiesen gelaufen bin. Ich konnte regelrecht spüren, wie das hochstehende Gras an meiner Hose entlangstreift, als ich mit Heinrich durchs Unterholz wanderte. Als Gothic-Fan habe ich immer Piranha Bytes als Meister des mitteleuropäischen Waldes hochgehalten. Schon mit Kingdom Come 1, aber spätestens jetzt mit Kingdom Come 2, geht dieser Pokal aber eindeutig an die Warhorse Studios.

Schade ist allerdings, dass man zwar nach dem Spielwelt-Wechsel für einen stolzen Preis auch wieder in die Anfangsregion kommen kann, um dort eventuell angefangene Quests noch zu beenden. Ansonsten gibt es da aber nicht viel Neues.

Im Gegenteil bekommt die Welt teilweise sogar eine Art Reset, denn ich konnte plötzlich ohne Probleme eine eigentlich feindliche Festung wieder betreten und es hat niemand gejuckt. So fällt eine ganze Spielwelt auf einmal hinten runter und wird seltsam statisch. Das ist schade, denn gerade Trosky ist wirklich schick und ich habe mich eigentlich gern dort aufgehalten.

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