Kingdom Come 2: Ein Rollenspiel für echte Rollenspieler!

Test Carlo Siebenhüner
Kingdom Come 2: Ein Rollenspiel für echte Rollenspieler!
Quelle: Plaion / PC Games

Kingdom Come: Deliverance 2 feilt die richtigen Ecken des Vorgängers ab, ohne seinen Charakter zu verlieren. Herausgekommen ist ein großartiges Rollenspiel.

Werde ich bei zwielichtigen Aktivitäten erwischt, komme ich an den Pranger und das jeweilige Dorf ist eine Weile schlecht auf mich zu sprechen. Lasse ich meine kriminelle Energie eskalieren, trifft mich auch die harte Hand des Gesetzes immer heftiger. Im schlimmsten Falle ist das Spiel für mich zu Ende, weil ich am Galgen ende.

Ein heißes Eisen

Doch kann ich mir meinen Unterhalt auch mit aufrechter Arbeit verdienen. Bereits aus dem Vorgänger bekannt ist das Alchemiesystem. Dafür muss ich erst mal meine Zutaten auf der grünen Wiese pflücken. Anschließend befolge ich jeden Arbeitsschritt genauestens nach dem jeweiligen Rezept, damit am Ende auch ein vernünftiges Gemisch dabei herauskommt.

Die Alchemie in Kingdom Come: Deliverance 2 Quelle: Warhorse Ganz neu mit dabei ist die Schmiedekunst. Heinrich ist nun mal der Sohn eines Schmieds, da liegt es nahe, dass er auch mal selbst gepflegt auf dem Amboss herumhämmert. Auch dieses Crafting ist extrem detailliert umgesetzt. So muss erst das Metall in der Esse auf den richtigen Punkt erhitzt werden, anschließend gehe ich zum Amboss und bringe mein Werkstück mit gleichmäßig verteilten Hammerschlägen in die richtige Form. Das kann ich sogar direkt auf dem Amboss sehen. Außerdem achte ich auf einen gleichmäßigen Rhythmus, um die beste Qualität zu erreichen.

Das kann natürlich monoton werden, denn wenn man mehrere Schwerter, Äxte oder Hufeisen schmieden will, steht man da durchaus einen kompletten virtuellen Tag in der Schmiede. Mich überzeugt aber die Liebe zum Detail in diesen Aspekten des mittelalterlichen Lebens. Es lässt mich einfach vollends in das Rollenspiel abtauchen, wenn ich tagsüber ein bisschen schmiede, eventuell noch einen Auftrag abschließe und abends bei einem Bier und einem Würfelspiel den Tag ausklingen lasse, bevor ich ins Bett gehe. Schlafen und Essen muss Heinrich nämlich auch in regelmäßigen Abständen.

Heinrich schmiedet Quelle: Warhorse

Saufen für den Speicherstand

Kingdom Come 2 kann es aber wie sein Vorgänger auch etwas übertreiben, wenn es darum geht, Mechaniken des Spiels in die Spielwelt zu übersetzen. Wie auch schon bei Teil 1 gibt es nämlich wieder den Retterschnaps. Einfach so abzuspeichern, erlaubt mir das Spiel nicht. Einen Spielstand bewusst anlegen kann ich nur, wenn ich das Spiel verlasse oder eben einen Retterschnaps trinke. Den muss ich erst mal im Inventar haben.

Der Fusel bringt aber auch einen Malus mit sich, denn wer angesoffen durch die Welt läuft, macht mehr Lärm und wird schlimmstenfalls sogar alkoholsüchtig. Allerdings haben die Entwickler das bestrafende Speichersystem ein gutes Stück abgeschwächt. So legt das Spiel gerade innerhalb von Missionen mit jedem Schritt einen neuen Spielstand an. Wer also regelmäßig mal eine Quest angeht und nicht nur über die Wiese läuft und Ringelblumen pflückt, schwächt damit die Frustmomente ab, wenn man doch mal neu laden muss.

Heinrich kämpft gegen einen Humanen Quelle: Plaion Doch selbst wenn ich mal neu laden musste, hatte ich nur in seltenen Fällen richtig Frust. Ich habe den Neustart eher genutzt, um noch mal über meine Herangehensweise nachzudenken. Selten gibt es in Kingdom Come 2 nämlich nur einen richtigen Lösungsweg. Als ich etwa den Auftrag bekommen habe, einen niederträchtigen Bauern umzulegen, konnte ich den auf verschiedenste Weise lösen.

Die richtige Wahl

Ich kann ihn natürlich einfach auf offener Straße abfangen und mit meiner Waffe niederknüppeln. Im Nahkampf habe ich die Wahl zwischen Schwertern, Äxten, Hellebarden und Prügeln. Das Kampfsystem basiert dabei auf dem Richtungssystem des Vorgängers, wurde aber an den richtigen Stellen vereinfacht. So gibt es jetzt nur noch vier Schlagrichtungen anstatt sechs.

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