Kingdom Come 2: 20 Stunden gespielt und komplett begeistert!

Special Stefan Wilhelm
Kingdom Come 2: 20 Stunden gespielt und komplett begeistert!
Quelle: Plaion

Selbstbewusst, als hätten sie ein echtes Meisterwerk auf Lager, haben uns die Warhorse Studios schon jetzt die Vollversion ihres neuen Mittelalter-Rollenspiel-Epos überlassen. Und womit? Mit Recht!

Ich beschreibe das nicht nur so ausführlich, weil mir das Diebeshandwerk hier buchstäblich verboten viel Freude bereitet, sondern auch, um zu zeigen, wie tief viele der Spielsysteme ausgearbeitet wurden. In Zeiten der zunehmenden Simplifizierung vieler Rollenspiele ist das eine Ausrichtung, die richtig guttut.

Noch ein Beispiel gefällig? Beim Tränkebrauen steht man hier wirklich mit aufgeschlagenem Rezeptbuch am Tisch und muss fast jeden Handgriff selbst erledigen, die richtige Zutatenmenge beachten und aufpassen, dass der Mix nicht zu lange überm Feuer kocht.

Für so gut wie alles, was man in KCD2 machen kann, gibt es eigene Erfahrungslevels und freischaltbare Perks, und wie bei The Elder Scrolls kommt das motivierende "Learning by doing"-Prinzip zum Einsatz. Vorm Verskillen muss ich dadurch keine Angst haben. Der Einstieg in viele Systeme kann hart sein, aber das macht es umso schöner, wenn man sein Handwerk irgendwann beherrscht.

Heinrich schleicht in einer Stadt. Quelle: Plaion

Kämpfe statt Krämpfe?

Was bei mir im Vorgänger auch nach 80 Stunden nicht so richtig zünden wollte, war das Kämpfen. Und das, obwohl der harte, realistische Ansatz per se genau mein Ding wäre. Ich hatte irgendwann meine Skills gelevelt und gute Ausrüstung gesammelt, aber die Theorie sauber in die Praxis umzusetzen, fand ich in Einzelkämpfen schwer und gegen mehrere Gegner so gut wie unmöglich, weil ganz schön hakelig.

Später im Spiel fühlten sich die Gefechte an wie ewig lange Tennismatches, bei denen so lange gegenseitig pariert wird, bis einem der beiden Kämpfer die Ausdauer ausgeht oder ein Fehler gemacht wird, was der KI leider kaum jemals passieren wollte. Das System hatte definitiv seinen Appeal und auch seine Fans, aber es war doch einer der am häufigsten genannten Kritikpunkte am Vorgänger.

In Kingdom Come 2 ist das Kämpfen nun dezent entschlackt, weil es nur noch vier statt sechs Richtungen zum Angreifen gibt. Außerdem kann Heinrich wieder eine Technik namens "Meisterhafter Schlag" erlernen, die es ihm ermöglicht, einen Angriff mit einem garantieren Treffer zu erwidern und so auch Gegner zu knacken, die sonst einfach alles wegparieren.

Das lässt sich in Teil 2 nun viel zuverlässiger ausführen. Bei Kämpfen gegen mehrere Gegner habe ich außerdem das Gefühl, dass sie besser zu managen sind, weil die Feinde da etwas zurückhaltender agieren als zuvor. Beides zusammen macht die Kämpfe für mich schon einmal deutlich spaßiger, und die Zeitfenster für die Aktionen wirken recht großzügig.

Im Detail hat Warhorse hier also, wie an manchen anderen Stellen, Verbesserungen vorgenommen, ohne die Systeme drastisch zu verändern. Das bedeutet auch, dass Gewalt meistens eine, aber fast nie die einzige Option ist, um ein Ziel zu erreichen.

Eine Scheune vor Burg Trosky. Quelle: Plaion

Die große Freiheit

Allein schon, um ein Lager von Feinden zu räumen, gibt's hier mehr Möglichkeiten als in den meisten anderen Spielen, und auf das Niveau von "Gehe dahin und töte sie alle" begeben sich die Haupt- und Nebenquests ohnehin nur selten herab.

Egal, was gerade zu tun ist: Es gibt fast immer verschiedene Wege, manche davon offen kommuniziert, andere ergeben sich erst durchs Herumprobieren. Meistens lassen sich die Fähigkeiten, auf die ich mich in der Charakterentwicklung spezialisiert habe, gewinnbringend einsetzen - sei es in den vielfältig beeinflussbaren Dialogen oder direkt zur Lösung eines Auftrags.

Dass viele der Quests wirklich witzige oder interessante Prämissen haben, dass das Spiel durchweg gut geschrieben ist und die Inszenierung auch mit den etwas steifen Gesichtern absolut zu überzeugen weiß, ist das Tüpfelchen auf dem i.

Hans (und Heinrich und ich) im Glück

Kurz gesagt: Als jemand, der Kingdom Come: Deliverance schon immer für seine Eigenheiten geschätzt hat, finde ich Teil 2 bisher fantastisch. Das Spiel wagt keine großen Experimente und behält seine Komplexität bei, aber durch den zugänglicheren Einstieg und den sauberen technischen Zustand fühlt sich diese Zeitreise ins 15. Jahrhundert schon jetzt runder an als der erste Ausflug.

Dieser Zeitreisefaktor ist es nämlich auch, der Kingdom Come 2 am besten gelingt, und der der ganzen Komplexität einen Sinn gibt: Man spielt hier nicht nur eine Mittelalter-Story voller witziger und dramatischer Momente in einer bildhübschen Welt nach, man wird währenddessen auch zu einem richtigen Teil dieser Welt.

Fazit

Da muss man nicht aufs Himmelreich warten: Kingdom Come 2 wird eine fesselnde und komplexe Rollenspielerfahrung mit einem Höchstmaß an Immersion.

Einer Welt, die so konsequent ausgearbeitet, interaktiv und voller Freiheiten ist, dass man manchmal sogar das Videospiel dahinter vergisst. Da lohnt es sich auf jeden Fall, die immer noch nicht niedrige Einstiegshürde zu überwinden. Denn dann wartet hier die immersivste und vielleicht sogar beste Rollenspielerfahrung des Jahres! Transparenzhinweis: Für diese Vorschau wurden uns mehrere Versionen von Kingdom Come: Deliverance 2 von Plaion zur Verfügung gestellt.

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