I am Jesus Christ Prologue - Dafür kommen wir in die Hölle

Special Stefan Wilhelm
I am Jesus Christ Prologue - Dafür kommen wir in die Hölle
Quelle: SimulaM / PlayWay S.A.

Halleluja: Wir konnten den Prolog des bizarren Jesus-Simulators vorab anspielen und nehmen euch mit auf eine Pilgerreise des Grauens.

Nach der Vollbringung des bemerkenswert unspektakulär inszenierten Wunders bekommen wir immerhin einen großartigen Dialog serviert. Da sagt der Organisator der Feier zu uns, der Bräutigam befinde sich bestimmt noch in seinem Haus, und der Sohn Gottes entgegnet: "OK". Sprachwissenschaftler datieren die früheste Verwendung dieses Begriffs übrigens auf einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1839, die Geschichte soll aber knapp 1.800 Jahre vorher stattfinden. Ja, liebe Entwickler, solche Anachronismen fallen auch in einem Fantasy-Spiel auf!

Eine Kreuzigung für die Sinne

Irritierend ist darüber hinaus die grauenhafte Tonqualität, mit der manche Dialoge eingesprochen wurden. Der Bräutigam klingt, als hätten die Entwickler den nächstbesten Bierdosenvernichter von der Tankstelle aufgegabelt und in ihrem Badezimmer ins Handymikro stammeln lassen. Jesus bekam überhaupt keine Stimme spendiert, und von der Abmischung des ganzen Schlamassels wollen wir am besten gar nicht anfangen. Inzwischen sind wir immerhin auch schon bei der letzten Mission des Prologs angelangt, in der wir den kranken Sohn eines römischen Beamten heilen sollen. I am Jesus Christ: Prologue Quelle: PC Games I am Jesus Christ: Prologue Hier betreten wir allen Ernstes als Mini-Jesus per Remote-Zugriff den Körper des Kindes und heilen schwebende 3D-Viren mit unseren ... magischen Händen? Zum Glück wird hier die Botschaft einer Organisation vertreten, die für ihren vorbildlichen und korrekten Umgang mit Kindern bekannt ist, ansonsten hätte diese Szene irgendwie einen zweifelhaften Beigeschmack.

Aber so ist das natürlich alles völlig normal. Genau wie die Tatsache, dass wir uns inzwischen fühlen, als hätten wir ein bisschen zu lange am Weihrauchfass geschnüffelt.

Spannend wie ein Gottesdienst

Wer sich I Am Jesus Christ herunterlädt, um über religiösen Kitsch zu lachen, kommt an vielen Stellen also durchaus auf seine Kosten. Und ganz ironiefrei muss man den Entwicklern lassen, dass immerhin versucht wurde, Jesus' wichtige Handlungen spielerisch umzusetzen, statt sie nur in Cutscenes zu verpacken.

Ja, es geht meistens gewaltig schief, aber zumindest das Vorhaben, die christliche Mythologie einem neuen Publikum näherzubringen, wollen wir den Entwicklern mal nicht allzu sehr ankreiden.

Wir sind zumindest gespannt, wie sich die Randale im Tempel von Jerusalem, das letzte Abendmahl oder der erste Respawn der Videospielgeschichte gestalten werden.

Dazwischen gibt's allerdings auch viel Leerlauf, meist staubtrockene Dialoge, grottige Technik und Bibelzitate, die es nicht schaffen, dem ganzen Quark einen großartigen Zusammenhang zu geben. Für Freunde trashiger Simulatoren ist das Gameplay außerdem viel zu restriktiv und öde, weil Jesus seine Kräfte immer nur an streng vorgegebenen Stellen einsetzen darf.

Sollte euch die Prämisse trotzdem angefixt haben, könnt ihr euch den Prolog von I Am Jesus Christ kostenlos auf Steam herunterladen. Das fertige Spiel soll im zweiten Quartal 2023 veröffentlicht werden, und wem das zu lange dauert, der kann sich bis dahin mit einem separat erhältlichen Lore-Kompendium die Zeit vertreiben. Spoiler: Jesus stirbt für unsere Sünden. Und die beinhalten vermutlich auch dieses Spiel.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk