Analyse der Crowsworn-Kontroverse - Zwischen Abklatsch und Inspiration
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Die Frage ist so alt wie Spiele selbst. Wo endet die Inspiration für ein Spiel und wo beginnt das Plagiat? In diesem Artikel werfen wir ein Blick auf die Kontroverse um Crowsworn, neues Metroidvania, das verdächtig nach einem bereits existierenden Spiel aussieht. Ob an diesen Anschuldigungen etwas dran ist, oder die Fans einfach alles viel zu eng sehen, beleuchten wir hier.
Wie man persönlich zu diesem Thema steht, ist wahrscheinlich am Ende des Tages Geschmacksfrage. Ein Plagiat besteht dann, wenn ganze Elemente geklaut und seelenlos in ein anderes Produkt eingebaut werden. Es handelt sich um den Diebstahl von geistigem Eigentum, also Gedanken und Ideen von anderen Personen. Eine Inspiration ist nur eine Anlehnung an bereits existierende Konzepte, wobei die eigene originelle Idee demensprechend modifiziert wird. Hier erfolgt also eine organische Integration, während bei einem Plagiat eine schamlose Kopie erfolgt. Dennoch ist die Trennung zwischen diesen beiden Begriffen gewiss nicht sonderlich scharf.
Und was wäre Kunst, wenn man sich nicht von anderen Werken inspirieren lassen dürfte? Kommen nicht die besten Ergebnisse zustande, wenn man die eigene Erfahrung und das eigene Können mit anderen Eindrücken kombiniert? Es ist auf jeden Fall sinnvoll, gute Spiele und funktionierende Konzepte als Vorlage zu nehmen, statt andauernd zu versuchen, das Rad neu zu erfinden.
Wann kommt Crowsworn nun endlich raus?
Laut Kickstarter ist die Veröffentlichung von Crowsworn immer noch auf Dezember 2023 datiert. Doch es gibt mehrere Anzeichen, die diese Hoffnung schwinden lassen. Bei Steam gibt es beispielsweise noch kein konkretes Zeitfenster und auch in den bisherigen Ankündigungen gab es keine Meldungen zu einem Release-Datum oder zumindest einem möglichen Zeitfenster. Und nach der vollständigen Erfüllung der Kickstarter-Ziele gibt es mehr Arbeit zu tun als zunächst gedacht. Mehr Bosse, zusätzliche DLCs und Tonspuren müssen erstmal gemacht werden.
Auch die Produktion der hochwertigen Zwischensequenzen dauert seine Zeit, was sich wiederum auf die ganze Spieleentwicklung auswirkt. Community-Manager Matthew Griffin, der übrigens auch für das Marketing von Hollow Knight: Silksong verantwortlich ist, hat kürzlich in einem Stream gesagt, dass das Spiel auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Dieses Jahr wird es also wahrscheinlich nichts mehr.
Doch es gibt Lebenszeichen aus der Entwicklung. Neben den bereits erwähnten Video-Shorts und Blogposts sind das auch zwei Gameplay-Demos, die den Kickstarter-Unterstützern zur Verfügung gestellt wurden. Die erste Demo, in der ein Boss bekämpft werden konnte, wurde im Sommer 2022 veröffentlicht und bekam durchweg gute Kritiken. Das Gameplay sieht sehr flüssig aus, die Artworks sind malerisch und die Steuerung wirkt sehr reaktionsschnell. Besonders gelobt wird auch die Gegner-KI. Die Widersacher kontern und weichen blitzschnell aus, was den Schwierigkeitsgrad im Vergleich zu Hollow Knight spürbar erhöht.
Eine weitaus größere Demo zu Crowsworn veröffentlichte der Entwickler am 10. August, passend zum zweijährigen Kickstarter-Jubiläum. Hier können Unterstützer in eigens dafür designten Levelabschnitten mit verschiedenen Gegenständen und Fähigkeiten herumspielen. Auch zwei Boss-Begegnungen werden in der Demo gezeigt. Diese Testversion bekam bisher noch bessere Kritiken als die erste Demo, was sowohl am größeren Umfang als auch an den Inhalten liegt.
Das Spiel wirkt zum aktuellen Zeitpunkt sehr hochwertig und kompetent gemacht. Mongoose Rodeo hat verkündet, dass die gezeigten Elemente, wie Fähigkeiten und das Kampfsystem, quasi final sind, und diese deshalb im fertigen Spiel so vorkommen werden. Nur die Art und Weise, wie man sie bekommt, wird sich vom fertigen Spiel unterscheiden.
Die Einordnung: Nicht mehr als salzige Fans?
Was lässt sich nun abschließend zur Hollow Knight-Crowsworn-Kontroverse sagen? Endgültige Gewissheit über die Ähnlichkeit gibt es erst dann, wenn das gesamte Spiel herausgekommen ist. Die negativen Stimmen sind sicherlich ein wenig leiser geworden, da sich inzwischen Stück für Stück zeigt, dass sich Crowsworn und Hollow Knight eben nicht identisch sind. Und vielleicht handelt es sich hier auch wieder nur um ein Internet-Phänomen, in dem eine laute Minderheit den Diskurs bestimmt.
Es schwingt sicherlich auch eine negative Grundhaltung mit, da viele Spieler ihre erste Erfahrung mit dem Metroidvania-Genre durch Hollow Knight hatten. Darum sind viele sicher besonders empfindlich, wenn es um ihr Lieblingsspiel geht. Alles wird nur an ihrer ersten Spieleerfahrung gemessen, und Crowsworn hat die schwierige Position, dass Mongoose Rodeo von Hollow Knight Inspiration bezieht.
Dem Genre-Fan wird diese Debatte sicherlich nicht allzu bewusst sein. So werden wir in naher Zukunft mit zwei heißersehnten Spielen beglückt. Undan kann doch wirklich nichts dagegen haben, wenn man neben einen schmackhaften Kuchen noch einen anderen Kuchen bekommt, der genauso lecker aussieht.
