Analyse der Crowsworn-Kontroverse - Zwischen Abklatsch und Inspiration

Special Martin Glienke Stefan Wilhelm
Analyse der Crowsworn-Kontroverse - Zwischen Abklatsch und Inspiration
Quelle: Mongoose Rodeo

Die Frage ist so alt wie Spiele selbst: Wo endet die Inspiration für ein Spiel und wo beginnt das Plagiat? In diesem Artikel werfen wir ein Blick auf die Kontroverse um Crowsworn, ein neues Metroidvania, das verdächtig nach einem bereits existierenden Spiel aussieht. Ob an diesen Anschuldigungen etwas dran ist, oder die Fans einfach alles viel zu eng sehen, beleuchten wir hier.

Auch Hollow Knight ist ein klassisches Metroidvania, das zudem Inspiration aus dem Soulslike-Genre bezieht. So hinterlässt man nach dem vorzeitigen Ableben einen Container, der die gesammelten Münzen enthält und nach dem Tod wieder aufgesammelt werden muss. Der Clue: Dieser Container ist das Abbild unserer Seele, das wir erstmal bekämpfen müssen, bevor wir unsere wertvollen Güter wiederbekommen.

Das Gamedesign ist unglaublich gut gelungen und der Grafiker Ari Gibson erschafft mit seinen handgezeichneten Charakteren und Hintergründen eine ganz besondere Atmosphäre. Auch die butterweichen Animationen, die den Figuren einen besonderen Charme geben, wurden von dem Australier in mühevoller Handarbeit erstellt. William Pellen und Jack Vine sorgten für die Umsetzung dieser Idee in Form von Programming und Coding. Letzterer ist erst später zum Team hinzugestoßen. Christopher Larkin schließlich steuert mit seinem mittlerweile ikonischen Soundtrack viel zur zauberhaften Atmosphäre des heruntergekommenen Käferkönigreiches bei.

Der Knight kämpft gegen Grimm. Quelle: Team Cherry Und die Erfolgsserie der Australier nimmt kein Ende. Ihre Fortsetzung Hollow Knight: Silksong (jetzt kaufen 19,99 € ) wurde 2019 angekündigt und kommt wahrscheinlich in den nächsten Monaten heraus. Noch im Juni diesen Jahres kam von Team Cherry die Meldung, dass das Spiel noch etwas Entwicklungszeit benötigt, und nicht wie ursprünglich geplant bis Juni 2023 erscheint.

Ist das Metroidvania-Gameplay universal?

Hollow Knight ist nicht das erste und einzige Spiel im Metroidvania-Genre. Team Cherry sagte in einem Interview, dass sie sich vor allem stark von Metroid, Zelda und Mega Man inspirieren ließen. Und damit sind sie gewiss nicht die einzigen. Auch Spiele wie Blasphemous, Bloodstained: Ritual of the Night und Ori and the Blind Forest bedienen sich aus den bereits dagewesenen Titeln. Sind nun alle Metroidvania-Spiele nach Castlevania: Symphony of the Night von 1997 und Metroid von 1986 nur billige Kopien? Sicherlich nicht.

Das Konzept von Plattformer-Spielen ist nicht wirklich neu. Seit über 30 Jahren springen und kämpfen sich schon 2D- und 3D-Charaktere durch verschiedenstes Gelände und knöpfen sich einen Boss nach dem anderen vor. Um sich weiter in den neuen Arealen voranzutasten, finden wir Fähigkeiten, wie Doppelsprung, Dash und Greifhaken, um an zuvor unzugänglichen Stellen weiterzukommen.

Der Knight springt umher. Quelle: Team Cherry

Alle diese Konzepte sind auch in Hollow Knight und in Crowsworn vorhanden. Müsste man dann nicht auch davon sprechen, dass sich Hollow Knight schamlos bei den altbekannten Klassikern bedient hat? Die Todesmechanik gab es schließlich auch schon mal so ähnlich in Dark Souls. Klassische Metroidvania-Elemente, wie Dash, Doppelsprung und Walljump, lassen sich ebenfalls im Verlauf der Geschichte erlernen. Trotzdem gibt es hier keine Stimmen, die Team Cherry anfeinden. Aber woran liegt es dann bei Crowsworn?

Frecher Klon oder nur weiteres Game im Genre?

Der größte Kritikpunkt der Fans an Crowsworn ist, dass es Hollow Knight zu ähnlichsieht. Und ja, da ist irgendwo etwas dran. Düsterer Artstyle? Check. Handgemalte Figuren? Check. Mehrlagige Umgebungen? Check. Jedoch muss man dazu sagen, dass Hollow Knight mehr an Dark Souls erinnert, während Crowsworn eher einen Bloodborne-Look hat. Es sind zwar beides ähnliche FromSoftware-Titel, aber dennoch muss man diese Unterscheidung vornehmen.

Die Krähe springt über Schluchten. Quelle: Mongoose Rodeo Crowsworn übernimmt auch Konzepte wie Bänke als Checkpoints und den Fokus auf schnelle Kämpfe. Doch bei der näheren Betrachtung fallen Sachen auf, die in Hollow Knight nicht vorkommen. Zum Beispiel gibt es in Crowsworn die Möglichkeit einen Sturm an Kugeln aus Pistolen abzufeuern. Auch der Fokus auf Combos ist in den Trailern klar erkennbar. Projektile prallen von Nahkampfattacken ab und fügen so den Gegner zusätzlichen Schaden zu. Das Gameplay wirkt eher, wie eine Mischung aus Devil May Cry und Bloodborne, weil man im neusten Trailer ein Manöver bestaunen kann, das schon der draufgängerische Dante draufhatte: Eine Pirouette mit wild schießenden Pistolen in der Luft.

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