Die Faszination des Bösen

Special Olaf Bleich

Die Bösewichter sind oft viel faszinierender. Was die dunkle Seite der Helden so reizvoll macht, haben wir für Sie untersucht.

Keine Regeln!

Drive by: GTA-Gangster hecken den nächsten Coup aus. (PS2) Drive by: GTA-Gangster hecken den nächsten Coup aus. (PS2) Videospiele dienen oftmals der kurzzeitigen Flucht aus der Realität. Berufstätige nutzen die virtuelle Ablenkung, um dem Arbeitsalltag zu entrinnen. Schüler und Studenten tauschen Pixelwelten gerne gegen Bücher. All die Regeln, an die sich jeder Mensch in der realen Welt halten muss (egal ob im Straßenverkehr oder im Sozialleben) gelten in vielen Video- und Computerspielen nicht.

In "GTA: Liberty City Stories" etwa erntet der Spieler Ruhm, Geld und Ansehen dafür, dass er bekannte Gesetze übertritt. Die Motivation des Spielers besteht hier aber nicht im Brechen der realen Regeln, sondern im Bestehen in der virtuellen Welt. Kleinere Ausbrüche wie das Töten von Hühnern in "Fable" oder gar das ruch- und sinnlose Leerfegen ganzer Straßenzüge in "GTA: San Andreas" lassen sich hingegen als das Ausloten des Machbaren bewerten. Wahrscheinlich hat kaum ein Spieler mit diesen Einlagen je mehr als eine Stunde zugebracht!

Verklärte Realität?

Der Pate: Durch blutige Taten verbessert sich Ihr Ruf. (Xbox) Der Pate: Durch blutige Taten verbessert sich Ihr Ruf. (Xbox) Dennoch käme es niemandem in den Sinn, "GTA" in der realen Welt nachzuspielen. Denn, so bestätigen es auch Tanja Wisse und Heike Esser in ihrem Aufsatz "Transferprozesse beim Bildschirmspiel", die virtuelle Welt ist ein eigenständiger Bereich mit individuellen Regeln. Das Verschwimmen realer und virtueller Begebenheiten kann lediglich in Ausnahmesituationen vorkommen. "Gewalthaltige Computerspiele können bei jenen Kindern und Jugendlichen – meist den männlichen – zu einer Verstärkung ihrer Sichtweise führen, die gelernt haben, Konflikte nur mit Gewalt zu lösen bzw. keine anderen Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung haben. Sie fühlen sich in diesen Spielen in ihren Vorstellungen bestätigt und könnten so auch im Alltag ihre Probleme lösen", erklärt Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz.

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