Grafikkarten: Auswege für Grafikkarten-Suchende

Special Antonio Funes
Grafikkarten: Auswege für Grafikkarten-Suchende
Quelle: PC Games Hardware

Wann gibt es endlich wieder neue Grafikkarten wie die RTX 3080 oder die AMD RX 6800 XT? Der Markt für spielefähige Grafikkarten ist seit Wochen quasi leergefegt. Die Exemplare, die lieferbar sind, werden immer teurer im Vergleich zu ihren Preisen im Herbst 2020 beziehungsweise zu ihrem Release, was die neueren Modelle Nvidia RTX 3000er und AMD 6800er-Serie angeht. In meiner Kolumne beschreibe ich die Situation und überlege, was es für Alternativen gibt.

Keine ausreichend starke Grafikkarte - was tun?

Ich selber habe das Glück, mir schon Ende 2019 eine Nvidia GeForce RTX 2060 Super gekauft zu haben. Diese steckte zuerst in meinem PC, der auch für meine Arbeit da ist und an meinem Schreibtisch steht - seit wenigen Wochen ist sie in einem kleinen Wohnzimmer-PC. Die RTX 2060 Super ist zwar keine Top-Grafikkarte, schafft es aber bei vielen Games, diese sogar in 4K auf meinen Fernseher zu zaubern. Für gute FPS-Werte spiele ich aber meistens in WQHD. Für meinen Arbeits-PC habe ich die zuvor schon beschriebene GeForce GTX 1050 Ti gekauft und kann damit auch dort ab und an manch ein aktuelleres Game spielen, wenn ich Lust darauf habe.

Doch was machen die, die keine aktuell taugliche Grafikkarte haben und eine neue Karte suchen oder überhaupt erst einen Gaming-PC kaufen wollten? Gerade in letzterem Falle sollte man vielleicht in den sauren Apfel beißen und die Mehrkosten akzeptieren oder auch eine etwas schwächere Grafikkarte als geplant wählen, damit der Aufpreis nicht völlig aus dem Ruder läuft.

AMD RX 5500 XT, hier ein Modell von ASRock. Das günstigste Modell kostet aktuell 280 Euro - 75 Prozent mehr als im Oktober 2020. Quelle: ASRock AMD RX 5500 XT, hier ein Modell von ASRock. Das günstigste Modell kostet aktuell 280 Euro - 75 Prozent mehr als im Oktober 2020. Denn der relative Aufpreis ist natürlich nicht mehr so hoch, wenn man ohnehin weitere Bauteile bezahlen muss, die in den letzten Monaten preislich eher stabil geblieben sind. Nehmen wir an, dass ein PC mit einem Core i5-10400F oder Ryzen 5 3600, 16GB DDR4-RAM, passablem Mainboard, 1TB SSD und einem ordentlichen Gehäuse und Netzteil geplant war. Kostenpunkt bis hier hin: etwa 600 Euro.

Falls die Idee zuerst war, eine Nvidia GeForce GTX 1660 Super als Grafikkarte zu nutzen, dann hätte der PC vor wenigen Monaten 800 bis 850 Euro gekostet. Baut man nun eine GeForce GTX 1660 (non-Super) ein, dann kostet der PC aktuell 930 Euro. Damit lässt sich zumindest für eine Weile recht ordentlich spielen, obgleich die GTX 1660 etwas schwächer als eine GTX 1660 Super ist, und die Mehrausgabe von bis zu 130 Euro entspricht maximal etwa 16 Prozent, was man vielleicht verschmerzen kann. Zweites Szenario: Geplant war als Grafikkarte eine Nvidia GeForce RXT 3070 oder gar 3080 oder AMD 6800 (XT). Der PC hätte im Oktober ab etwa 1200 Euro gekostet - heute mindestens 1650 Euro. Baut man nun eine GTX 1660 oder GTX 1660 Super ein, dann kostet der PC unter 1000 Euro - man gibt also sogar weniger aus, nimmt aber dafür dann deutlich weniger Leistung in Kauf. Für den Übergang ist dies aber sicher für viele eher die bessere Option im Vergleich zu einer monatelangen Wartezeit oder mehreren Hundert Euro Mehrausgabe. Denn wenn man dann vielleicht im Spätsommer die Übergangskarte verkauft und sich eine RTX 3070 oder einen möglichen Nachfolger für etwa 600 Euro zulegt, hat man immer noch weniger ausgegeben, als wenn man aktuell zuschlägt.

Eine Grafikkarte wie die Nvidia GeForce GTX 1660 ist zwar viel teurer als vor einigen Monaten - bezogen auf den Preis eines kompletten neuen PCs ist er aber noch verschmerzbar. Quelle: Zotac Eine Grafikkarte wie die Nvidia GeForce GTX 1660 ist zwar viel teurer als vor einigen Monaten - bezogen auf den Preis eines kompletten neuen PCs ist er aber noch verschmerzbar. In beiden Fällen gilt: Gibt man für die Basis, also CPU, RAM, Mainboard, Laufwerke und so weiter, noch mehr aus als in unserem Beispiel, dann schrumpft der prozentuale Aufpreis, der durch die Grafikkarte verursacht wird, selbstverständlich. Für diejenigen, die nur ihre Grafikkarte aufrüsten wollen, gibt es aber wenig Trost. Hier schlägt der Aufpreis voll zu: Die Aufrüstung wird je nach Grafikkarte im Durchschnitt um 70 bis 80 Prozent teurer als man noch vor wenigen Monaten dachte. Sowohl für die, die nur eine neue Grafikkarte suchen, als auch für die, die einen kompletten PC zusammenstellen, gibt es natürlich auch noch den Gebrauchtmarkt. Allerdings sind die Preise hier auch enorm gestiegen, so dass man sich hier zwar umsehen kann, aber auch nicht viel glücklicher als mit dem Markt der fabrikneuen Exemplare sein wird.

Auch eine letzte Idee scheint inzwischen keine Option mehr zu sein. Als sich bereits andeutete, dass gerade im Einsteiger-Bereich viele Nutzer ihre PC-Planung in die Tonne werfen konnten - selbst 50 Euro Aufpreis sind bei einem solchen PC oftmals ein Genickbruch für das Vorhaben - empfahl ich nämlich noch die Xbox One S als Gaming-Ersatz. Denn die meisten der beliebtesten PC-Spiele gibt es auch für die Xbox One, und mit einem Preis von damals unter 300 Euro war sie ein gutes All-In-One-System. Ich habe selbst auch zusätzlich zum PC eine Xbox One S, die Grafik sieht bei vielen Spielen sieht nicht wirklich viel schlechter als auf meinem PC mit seiner RTX 2060 Super aus. Aber die Idee hatten wohl viele, denn inzwischen kostet auch die Xbox One S mehr als 300 Euro, genau wie die Playstation 4. Auch dieser letzte kleine Funke für Gamer ist also nun offenbar am Verglimmen, obgleich der Preis einer Xbox One S für beispielsweise 400 Euro immer noch durchaus attraktiver als ein PC für mindestens 700 Euro ist. Viel Hoffnung darauf, vor dem Sommer eine starke Gamer-Grafikkarte zu einem im Vergleich zum Oktober 2020 fairen Preis zu bekommen, habe ich leider nicht - aber vielleicht hat die ein oder andere Idee oder Sichtweise ja manch einem Leser weiterhelfen können.

In unserem Technik-Ratgeber Grafikkarten findet ihr außerdem Preisvergleichstabellen, in denen fast alle Grafikkarten gelistet sind - hier könnt ihr sehen, ob die jeweilige Grafikkarte aktuell verfügbar ist und wenn ja zu welchen Preisen.

  1. Seite 1 Grafikkarten: Mangelware und mögliche Gründe
  2. Seite 2 Grafikkarten: Alternativen
  3. Seite 3 Grafikkarten: RTX 3060 und weiter steigende Preise
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